Langsam wird es ernst… aber die Party geht weiter!

August 31, 2008

Ach, ich weiß. Meine Überschriften langweilen. Aber so ist’s nun einmal. Ich genieße die letzten Tage in Freiheit. Ab Dienstag geht’s los mit büffeln (Montag ist Labour Day). Und zwar nicht zu knapp:

... nur für ein Semester

... nur für ein Semester

Habe gestern $400 im bookstore für die Bücher ausgegeben, die ich dieses Semester für meine Kurse brauche (ach ja: das teuerste Buch für $150 (!) habe ich noch gar nicht besorgt, dann sind wir schon bei $550). Ich bin furchtbar stolz auf meinen Stundenplan. Ich werde anders als geplant nicht alle Kurse, die ich für den Abschluss meines Bachelors brauche, in den USA beenden, sondern noch einen Kurs in Deutschland machen (und hoffe, dass ich am JFK-Institut dann noch in einen Kurs reinkomme…). Da ich schon immer Spanisch lernen wollte und María aus Spanien nicht nur eine tolle Freundin ist sondern auch meine Tutorin wird (da sie als language scholar für Reed lehrt), habe ich mich dafür entschieden, doch Spanisch zu wählen. Ich habe nun belegt:

  • Spanisch (Anfänger)
  • Introduction to Comparative Politics (Einführung in vergleichende Politikwissenschaften)
  • Feminist History and Comparative Perspectives (Feministische Geschichte und vergleichbare Perspektiven)
  • Sex, Gender & Political Theory (ähhh: Geschlecht, soziales Geschlecht und politische Theorie)

Mein beratender Dozent meinte, ich sei irre, mir so ein Arbeitspensum aufzuladen, weil die DozentInnen wahnsinnig viele Hausaufgaben geben, aber hey: ich bin nur einmal hier und muss doch alles mitnehmen (inklusive eines Nervenzusammenbruchs am Ende des Jahres).

Bevor aber das Büffeln losgeht, sorgt Reed noch für viel Abwechslung, z.B. mit Shakespeare im Park (check out the dog!)

Shakespeare im Park Hund angucken!

Oder: mit einer Fotomaschine im Paradox Café, wo man umsonst Fotos machen durfte

Eva, María und Magda

Oder: mit einer Feuershow

Feuershow

Oder: mit Karaoke-Singen (o-Ton: „Hi. We are international students and only know one American song: ‘‘Baby one more time’ from Britney Spears!“ – Hi. Wir sind ausländische Studentinnen und kennen nur einen amerikanischen Song: ‘Baby one more time’ von Britney Spears!“)


… und die Party geht weiter!

August 30, 2008

Anfangs schien der Freitag (29.08.) relativ ruhig zu verlaufen: Ich hatte mein erstes Treffen mit meinem Dozenten, um meine Kurse zu besprechen. Er war etwas verwundert, dass ich 4 Kurse wählen möchte (besser: muss) und dass ich mir das doch besser noch einmal überlegen solle, denn das Reed College hat traditionell ein unglaubliches Lesepensum. Ich werde es aber versuchen und wenn ich sehe, dass es nicht klappt, dann ist es eben höhere Gewalt (oder Leseschwäche).

Abends war ich mit Remi (oder wie ich ihn nenne: Remmidemmi aus Frankreich), María (Spanien) und Peter (oder Piotr aus Russland) im Kino und haben den Woody Allen Film „Vicky Cristina Barcelona“ gesehen. Unbedingt gucken. Ich fand ihn gut, auch wenn er gefüttert war mit Vorurteilen über hippe Künstler und freie Liebe und so. Aber hey: Freie Liebe und so! Als wir vom Kino zurückkamen, hat jedes Wohnheim ein Barbeque veranstalt – lecker Hot Dog abgesahnt!

Gegen 22:00 versammelten sich auf einmal eine Menge junger, bunt bis spärlich (oh ja!) gekleideter Leute, die unheimlichen Lärm mit diversesten Hilfsmitteln à la Küchengeräte, Instrumente, Pfeifen, Trommeln, selbstgebastelte Lärmmacher etc. machten. Die so genannte „Noise Parade“ (‘Geräusche-Parade’) ging los!! Ich sah darin meine einmalige Chance, meine safety whistle auszuprobieren (eine Pfeife, die man benutzen kann, wenn man angegriffen wird. Seit dem ersten Tag hängt diese an meinem Schlüsselbund und soll angeblich 120 Dezibel laut sein – muss ja auch gefährliche AngreiferInnen abhalten). Die Parade war einfach unglaublich: Feuerspiele, unheimlich laute und tanzende Menschen in den skurillsten Kostümen, die Marching Band spielte auf, es gab eine Kundgebung mit einer halbnackten Anheizerin, die schrie: „Wir lassen uns nicht sagen wie wir zu leben, wen wir zu lieben oder wie wir uns zu benehmen haben!“. Es wurden auch amerikanische Flaggen geschwungen, recht nahe am Feuer, was von lauten Rufen Burn the flag!! („Verbrennt die Flagge!!“) begleitet wurde. Und mittendrin: ich am pfeifen (und ja: 120 Dezibel) und tanzen und singen und sich freuen und… Man hatte einfach keine Chance, nicht Part dieses einmaligen Spektakels zu sein. Aber seht selbst:

Fotos:

Noise Parade

Noise Parade

Punk mit Flagge

Punk mit Flagge

Noise Parade

safety whistle (120 Dezibel!)

safety whistle (120 Dezibel!)

Hippie-Nackedeis

Hippie-Nackedeis

Heute (30. 08.) sind wir zu Ikea gefahren, das letzte Mal einkaufen (versprochen, Mama). Habe mir noch mal eine Steh-Lampe, (gaaanz viele) Kerzen, Kleiderbügel und anderen Schnullifax gekauft. Und jetzt im Anschluss folgt gleich das nächste Highlight: Karaoke. Oh je. An Schlaf wird wohl dieses Jahr nicht zu denken sein. Reed sorgt wirklich dafür, dass die StudentInnen ein hartgesottenes Partyvolk sind.


Wow

August 29, 2008

Der Titel versucht schlicht und einfach auszudrücken, wie schwer es ist, eine passende Überschrift zu finden, weil hier einfach zu viel los ist. Gestern sind die Fresh(wo)men (Erstsemester) angekommen. Das heisst, dass die schöne Ruhe nun vorbei ist und ich die Duschen ab nun an teilen muss. Bis dato war ich mit meinem house advisor Marushka allein im Haus, was irgendwie richtig angenehm war. Abends hatten wir ein erstes Hausmeeting, wo ich erst einmal klären musste, wie ernst das denn mit dem women’s floor gemeint ist: Entwarnung. Es handelt sich lediglich um die Benutzung der Bäder. Männer dürfen sich hier frei bewegen und werden nicht abgeschossen. Es ist wirklich interessant, 2 1/2h mit 18jährigen aufgeregten Teenagerinnen zu verbingen, von denen viele zum ersten Mal von zu Hause weg sind (interessant allerdings: es gibt hier für amerikanische Verhältnisse aussergewöhnlich viele StudentInnen, die schon im Ausland waren/lebten, denn darauf legt Reed ziemlich viel wert). Wir haben kleine Spiele gespielt („Wer bin ich?“ Ich war Jay Z, der Rapper), außerdem klargestellt, wer gerne Kekse backt oder abwäscht, darüber gesprochen, dass wir unsere Haare aus dem Waschbecken entfernen sollten (woran sich natürlich schon heute keiner mehr gehalten hat) und andere – total lebenswichtige – Dinge. Montag ist das nächste Treffen. Oh je.

Outdoor Party

Outdoor Party

Abends gab es eine voll krasse Party auf der Freifläche vor der Mensa. Zwei DJ-Pults wurden aufgebaut, die versuchten, sich (sehr laut und erfolgreich) zu übertönen. Der ganze Campus hat einfach nur getanzt und es war unglaublich ungezwungen und lustig laut. Wer nicht tanzte, wurde einfach von irgendjemanden auf die (Rasen-)Tanzfläche gezogen. Underage drinking (Trinken unter 21) wird hier vollständig von der Campus Polizei ignoriert, man roch ab und zu grünes Kraut und homosexuelle Pärchen tanzten eng umschlungen, ohne dass ein methodistischer Prediger mit dem Zorne Gottes die Bibel nach ihnen wirft. Wo bin ich hier gelandet? Im Himmel?

Heute waren dann in allen Sprachhäusern (spanisch, französisch, deutsch, chinesisch und russisch) „Tag der offenen Tür“. Bin erst zum deutschen Haus gegangen, wo ich die Deutschprofessorin wiedergetroffen hat, die mich gestern übrigens in Lohn und Brot brachte: Ich werde nämlich nicht nur Deutsch-Tutorin, sondern auch teaching assistant (Aushilfskraft im Deutsch-Department) und die Krönung: 10$ pro Stunde. Yeah. Ist das der amerikanische Traum, von dem alle sprechen ;-) ?!?. Abends bin ich erst einmal mit Maria aus Spanien, mit der ich hier am meisten rumhänge, einkaufen gegangen (sogar Blumen, die wahrscheinlich schon morgen eingehen) und danach zu einer selbstorganisierten international-party von den so genannten languag scholars (sozusagen ein/e SprachpartnerIn aus dem jeweiligen Land, der/die Nachhilfe und Unterrichtstunden gibt).

international party

international party

Jedes Sprachhaus hat eine scholar, das deutsche Haus hat zum Beispiel Eva aus München und das spanische Maria aus Barcelona. Ich erwähne das, weil ich die meiste Zeit mit diesen language scholars verbringe, die in der Regel schon ihr Studium beendet haben und ein wenig Erfahrung im Lehren sammeln möchten (und dafür auch sehr gut vom Reed College bezahlt werden) und einfach älter sind als all die anderen Austauschschüler – die sind nämlich so 18 und bleiben auch nicht nur 1, sondern ganze 4 Jahre hier. Ich bin froh, dass ich ein paar Leute in meinem Alter habe, denn bisher sind hier nur die Erstsemester, denn die älteren Jahrgänge kommen erst ab Morgen auf den Campus zurück. Jeder brachte zur Party was spezielles aus seinem Land zu essen mit – aus Russland kam Kaviar und würziger Aufstrich und kleine Fischis (?), aus China Reispapier-Bonbons, aus Frankreich Quiche, aus Deutschland kam was österreichisches (Kaiserschmarrn) – aber muss man ja nicht laut sagen. Wir hörten Songs aus den jeweiligen Ländern (der deutsche Beitrag: Schni Schna Schnappi -oh-mein-gott-wie-peinlich). Paralell zu unserer international party war ein so genanntes Zombie vs. Humans – Spiel, wo die ausgewählten Zombies über den ganzen Campus rannten und Menschen suchten, die sie dann wiederum in Zombies verwandeln können (jeweils erkennbar an Armbinden). Ich merke schon jetzt, dass Reedies total verspielt sind und ziemlich kreativ darin, den Tag interessant zu gestalten. Manchmal sind so viele Veranstaltungen an einem Tag, dass es echt schwer ist, sich zu entscheiden…

Morgen habe ich mein Treffen mit meinem Mentor, ein deutscher Politikprof. Hoffentlich klappt alles mit meinen Kursen. Nächsten Dienstag geht’s los!


Orientierungswoche am Reed College II

August 27, 2008

Tag 3 (24. August 2008)

Heute stand der zweite Trip nach Target an und ich habe mich diesmal auf Schul- und Dekozeug für meinen Raum konzentriert. Bin nun $280 ärmer, dafür um folgende Dinge reicher:

  • Bettzeug (Kissen, Decke, Bettwäsche, Tagesdecke)
  • Handtücher
  • Spiegel
  • Kleiderbügel
  • Magnetboard + Stifte
  • Klebeband + Posterstrips
  • Bilderrahmen
  • Tischlampe
  • Lautsprecherboxen
  • Telefon (für mein Zimmer, ein Handy muss ich mir noch besorgen)
  • Waschpulver (jedes Haus hat eigene Waschmaschinen und Trockner)
  • Badzeug (irgendwie habe ich in meinen vollgepackten Koffern weder Seife noch Haarwaschmittel gefunden)
  • Make Up (meine Haut ist so schlecht, ich muss gegen irgendwas allergisch sein: entweder das gute Essen, oder die gute Luft oder die netten Leute)

Mein Zimmer

Abends gab es ein Barbecue mit unseren Host-Families. Das Barbecue wurde von einer StudentInnengruppe namens C.A.V.E.: Carnivorous Alternatives to Vegetarian Eating organisiert („die fleischfressende Alternative zu vegetarischem Essen“). Viele StudentInnen am Reed College essen vegetarisch und vegan. In der Konsequenz fühlen sich so manche FleischfresserInnen eventuell ein wenig in der Minderheit und haben deshalb eine Gruppe gegründet, die sich immer mal trifft, um Fleisch zu grillen. Da es hier die Regel gibt, dass immer auch vegetarische Angebote vorhanden sein müssen, muss die Gruppe aber immer einen Extra Grill für vegetarisches Essen bereitstellen. Reed hat im Übrigen eine Menge lustiger StudentInnengruppen, die man immer ein wenig mit Augenzwinkern betrachten sollte. Es gibt zum Beispiel eine Gruppe namens Beer Nation („Bier-Nation“), die Biergärten am Reed College planen, eine Gruppe namens Cookies For All („Kekse für alle“), die sich zum Kekse backen treffen und mehrere Gruppen wie z.B. jene für AfroamerikanerInnen oder AsiatInnen (wobei aber jede/r partizipieren darf).

Tag 4 (25. August 2008)

An diesem Tage begannen die ‚wirklichen’ Orientierungsveranstaltungen. Um 9:30 gab es die erste Diskussion zum „Honor Principle“, so etwas wie eine Anleitung oder besser: Einverständnis zum adäquaten Benehmen. Reed gibt nach Selbstaussgae nämlich weder Anleitung noch Regeln. Die einstündige Veranstaltung kann ich mit folgenden Worten zusammenfassen: Beleidige niemanden, belästige niemanden, bescheiß nicht bei Tests und Hausarbeiten. Die nächsten Stunden widmeten wir uns dem Thema: „Wie überlebe ich als AusländerIn die Anforderungen am Reed College?“. Das Schlüsselwort hier hieß: Kommunikation. Falls wir nicht hinterherkommen oder etwas verstehen (was uns versprochen wurde), sollen wir immer Kontakt zu DozentInnen suchen. Falls wir das enorme Lesepensum nicht bewältigen können (was wir auch nicht werden), sollen wir Rat suchen – oder frühzeitig lernen, Prioritäten zu setzen.

Mittags gab es wieder ein halbformelles Mittagessen mit ein paar Angestellten der Uni-Büros (halbformell deshalb, weil zwar nett gedeckte Tische und ziemlich wichtige Leute da waren, die meisten hier aber nicht auf angemessene Kleidung wert legen), bei dem jede/r internationale Student/in aufgerufen wurde, und die jeweilige Flagge des Landes aufhängen musste. Argh. Dann aber folgte das Highlight des Tages: A Talk on American Culture („Ein Gespräch über amerikanische Kultur“).

A Talk on American Culture

A Talk on American Culture

Ich liebe ja solche Diskussionsrunden (zur Belustigung), weil sie doch immer in stereotypen Phrasen enden. Und… was soll ich sagen: Die Frau hatte einen guten Start, raste durch den Mittelteil und brachte mich am Ende wirklich auf die Palme. Zuerst sollten wir jeder eine typische Eigenschaft / einen treffenden Wert für unser Land nennen. Es ging die Reihe um, es fielen Wörter wie ‚Respekt’ oder ‚Höflichkeit’. Irgendwie kam die Gruppe bei mir zum Stoppen und ich fragte, ob ich Deutschland wirklich in ein Wort packen soll. Unmöglich. Irgendwann murmelte ich dann so was wie politische Vielfältigkeit – wenigstens im Vergleich zu den USA (was nicht ein Wort war – wie rebellisch). Also bitte, was hättet ihr denn gesagt? Hiermit eröffne ich eine Diskussionsrunde: Jede/r darf nun ein Wort nennen, dass Deutschland charakterisiert. EIN WORT!

Es wird besser: Dann stellte die Professorin Konzepte vor (aber natürlich immer nur zwei Kategorien, hop oder top: Individualismus – Kollektivismus, Universalismus – Partikularismus…), in die wir die einzelnen Länder weltweit einordnen sollten. Nächstes Problem. Keine Ahnung. Deutsche sollen sehr direkt sein, und Amerikaner auch. Das bezweifele ich aber. Amis finden doch die kuriosesten Beschreibungen, um nicht das Wort Sex zu sagen. Oder das Wort Toilette. Leider hatten wir keine Zeit zur Diskussion, weil die nächste Veranstaltung folgte, in der wir über Aktivitäten, Traditionen und Besonderheiten des Reed College sprachen. Den Beschreibungen folgend wird dies ein anstrengendes aber verdammt aufregendes Jahr. Abends gab es wieder ein Dinner, diesmal in einem privaten Haus einer Professorin. Wie immer: „Wie heisst du, wo kommst du her, was ist dein Hauptfach?“ Danach gingen wir bowlen (nicht sehr erfolgreich).

Bowling

Bowling

Tag 5 (26. August 2008)

Weiter geht’s: Um 9 wurden alle unsere Fragen zu den Kursen am Reed College beantwortet. Da die meisten erzählten, dass sie lediglich 3 Kurse wählen (die jeweils zwei bis drei Mal die Woche stattfinden), fragte ich, ob es denn verrückt sei, 4 zu wählen. Denn dass muss ich tun, um in Deutschland pünktlich meinen Bachelor zu beenden. Ich glaube, dass ich kleine Sorgenfalten entdeckte. Falls es stimmt, was andere StudentInnen erzählen („es kann sein, dass ihr von einem zum anderen Tag 200 Seiten aufbekommt!“), dann ist dies der sichere Nagel zu meinem sozialen Tod.

Daraufhin folgte eine Campus Tour, bei der wir alle Gebäude und ihren Zweck kennenlernten. Es ist wirklich unglaublich: Wenn ein Reedie ins Ausland gehen möchte – es gibt ein Büro dafür. Suchst du einen Job oder ein Parktikum? Hast du Computerprobleme? Brauchst du Schulzeug? Medikamente? Kaffee? Brauchst du einen Psychologen? Oder einen Tutor? Willst du Deutsch, Russisch, Französisch, Spanisch oder Chinesisch sprechen? Willst du einfach nur entspannen? Es gibt für alles Büros oder spezielle Häuser – wie z.B. das German House, wo einige StudentInnen auch leben und schlafen und angehalten sind, nur deutsch zu sprechen. Mann kann sein Leben hier ruhigen Gewissens und ohne jeglichen Mangel verleben.

Dann folgte wieder ein Lunch mit wichtigen Leuten, diesmal vom Gesundheitscenter. Nach dem Essen wurden die Jungen und Mädchen fein säuberlich getrennt und es ging los: DAS Gespräch über Gesundheit, Sexualität und übertragbaren Krankheiten. Der Frauenkurs wurde von zwei sehr sympathischen Hippie-Krankenschwester-Muttis geführt, die die unangenehmsten Themen sehr selbstverständlich und ganz ungezwungen ansprachen. Es wurde sogar das Wort Sex ein paar Mal benutzt: „Wir sind froh, wenn ihr Sex habt, wir sind froh, wenn ihr keinen Sex habt – Bitte benutzt Kondome – Bitte kommt zu uns – Nein heisst Nein! – Wenn der/die jeweilige Partner/in betrunken ist, heisst das: Nein.“

Am Nachmittag folgte der wohl interessante Trip – Downtown Portland. Und ich kann euch sagen, dass Portland einer der schönsten Städte ist, die ich in den USA bisher gesehen habe. Viele Parks, Menschen laufen (!) und sitzen in Cafés, ein schöner Mix aus alten und neuen Gebäuden und das beste:

Powell's Bookstore - Es sieht nicht groß aus von aussen, verteilt sich aber über den ganzen Block!

Powell's Bookstore. Es sieht nicht groß aus, verteilt sich aber über den ganzen Block

Powell’s Bookstore, der größte Buchladen der USA. Und es ist keine Kette! Der Buchladen ist in mehrere Räume mit verschiedenen Farben geteilt und mein Lieblingsraum ist schon jetzt der lilane: Soziologie, Gender Studies, African American Studies, Native American Studies, Gay and Lesbian Studies (ja, ich befinde mich noch immer in den USA!)… Ich befinde mich hier im akademischen Himmel.

Abends hatten wir noch mal ein letztes offizielles Dinner bei einem Mitarbeiter von Reed, der auf einem Berg wohnt und die krasseste Aussicht EVER hat. Die Orientierungswoche für internationale StudentInnen war damit erst einmal vorüber. Puh. Ich bin auch irgendwie froh, jetzt meinen eigenen Studenplan und Tagesablauf zu bestimmen.

Neue Fotos vom Campus hier. Neue Fotos von den Orientierungsveranstaltungen hier. Wer keine Lust hat, sich ein drittes Album mit Portland Fotos reinzuziehen, bekommt hier trotzdem ein paar Eindrücke von dieser unglaublich coolen Stadt:

Downtown Portland Eindrücke

Maria (Spanien) und ich


Orientierungswoche am Reed College

August 23, 2008

Tag 1 (22. August 2008 )
Am Freitagnachmittag hat meine Host-Mom Julie mich am College abgesetzt, wo ich eine Menge neues Informationsmaterial zum lesen und eine ID-Card mit meinem Foto drauf bekam, ein Foto fürs Jahrbuch gemacht wurde und mir – juchuhhh – der Schlüssel zu meinem Zimmer im ‚Bragdon Hall’ ausgehändigt wurde, ein Einzelzimmer im 2. Stock.

Bragdon Hall - Mein Wohnheim

Bragdon Hall - Mein Wohnheim

An der Tür hing ein Schild mit meinem Namen, welches von Marushka, ein so genannter ‚house adviser’ (so was wie ein/e Ansprechpartner/in für das jeweilige Haus) liebevoll gebastelt wurde. Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass ich im ‚Frauenblock’ gelandet bin, was aber nicht auffällt, denn hier laufen trotzdem Männer rum. Wahrscheinlich heißt es lediglich, dass die Duschen ausschliesslich von Frauen benutzt werden. In meinem Zimmer begrüßte mich eine Tüte voller Aufmerksamkeiten, u.a. Schokolade, Notizblock, Stifte, Seife, Shampoo (toll! Hab ich nämlich vergessen), Obst u.s.w. Außerdem habe ich eine internationale Telefonkarte und Bustickets geschenkt bekommen. Die haben wirklich an alles gedacht! Das Zimmer in den so genannten ‚dormitories’ (Studentenwohnheimen) ist ungefähr 12m² groß und ist mit dem Nötigsten ausgestattet. Es hat ein Bett, 3 Regale, einen großen und zwei kleinere Schränke.

Ich habe kurz vor dem Abendbrot Bekanntschaft mit einigen anderen AustauschstudentInnen gemacht. Es gibt übrigens relativ wenige, die so wie ich nur ein Jahr bleiben. Die meisten kommen in die USA für die Dauer des gesamten Bachelor (4 Jahre!!). Besonders viele kommen aus Afrika (ich habe zwei Afrikanerinnen aus Simbabwe getroffen und zwei aus Ghana) oder Asien (3 oder 4 aus Indien) und ganze 5 oder 6 Leute aus England. Mein erstes Abendbrot war wunderbar: Die Salatbar ist einfach nur unglaublich! Ich habe Nudelsalat, eingelegten Tofu und verschiedenste Sorten Gemüse gegessen. Es gibt zwar auch das übliche Fast Food wie Burger, Pasta&Co, aber dafür eben auch die erwähnte Salatbar und eine sehr große Auswahl an Früchten, Gemüse und verschiedenen Säften.

Mein erstes Fruehstueck

Mein erstes Fruehstueck

Nach dem Essen trafen sich alle AustauschstudentInnen zum Kennenlernen beim Eisessen, wo ich Bekanntschaft mit einer drolligen Britin namens Alex, einer Kambodschanerin namens Mischka und einem sehr lustigen Inder machte (frag mich nicht nach Namen… wir haben ausgemacht, dass ich ihn sugar nenne, weil sein Nachnahme so ähnlich wie das deutsche Wort Zucker ist). Irgendwann stand ein Student dann mit zwei Boxen Kondomen vor uns und meinte, dass er diese dann mal auf die Bäder verteilen geht. („Gewöhnt euch an so was, wir sind ein linkes College!!“).

Tag 2 (23. August 2008 )
Heute wurden alle AustauschstudentInnen von Reed mit Vans zu ‚Target’ gebracht, ein riesiger Laden (vergleichbar mit Walmart), wo man tausend nützliche Dinge zum Einrichten seines Zimmers bekommen kann. Letzte Nacht hatte ich noch nicht mal eine Decke oder Kopfkissen, geschweige denn Bettzeug. Ein Handtuch als Decke musste also für die erste Nacht reichen. Habe erst mal nur das Nötigste gekauft (Decke, Kopfkissen, Bettzeug, Kleiderbügel, Waschzeug und eine Tagesdecke), auch wenn dies auf dem Foto nicht so aussieht :-) .

Nur das Noetigste!

Nur das Noetigste!

Morgen wird es eine zweite Shopping Tour geben, da werde ich mehr so Deko- und Schulzeug kaufen. Aktuelle Fotos von meinem Wohnheim, der Shopping-Tour und Mensa gibt’s hier. Fotos von meinem Raum folgen, wenn ich ihn vollstaendig eingerichtet habe!!

Ich wuensch euch einen guten Tag und mir eine gute Nacht!


Flug und Ankunft in Portland

August 21, 2008

Am Morgen des 20. August traf ich nun mit meiner Familie und einigen hartgesottenen Kumpels und Kumpelinnen am Flughafen Tegel ein. Die Nacht davor war kurz, denn wir feierten nach einer wahren Odyssee an Abschiedsfeiern nun meinen wirklich letzten Abschied. Anstellen, warten, Muttis Brötchen essen und schon war ich am Schalter. Dank des kulanten Tegel-Mitarbeiters musste ich für die jeweils 1kg Übergepäck nichts zahlen („das habe ich jetzt aber nicht gesehen!!“), dafür machte er mich darauf aufmerksam, dass ich beim Security-Check wohl etwas länger brauchen würde. Meine als Handgepäck deklarierte Gitarrentasche war nämlich – neben einer Gitarre – noch vollgestopft mit diversesten Dingen wie Bücher, Verteiler, Kabel, Fotoalben, Taschen, Socken, Katzen… (nur ein Test, ob ihr auch wach seid). In den nächsten Minuten musste ich mich also verabschieden. Einmal schlucken. Eine Träne wegdrücken. Alle zweimal küssen und dann Abmarsch.

Der Delta-Flug Berlin – New York war Dank meiner guten Ausstattung an Zeitschriften und den Filmen relativ kurzweilig. In New York wurde ich mit einem Plakat mit dem Spruch „Open minds are welcome“ (frei übersetzt: „Freigeister sind willkommen“) begrüßt. Meinen Freigeist musste ich bei der immigration und beim Zoll noch etwas zurückhalten: demütig lächeln und alle Fragen schnell und präzise beantworten. Zum ersten Mal wurde ich weder rausgefischt, noch nach hinten geschickt, um mich noch einmal anzustellen oder angeschrien, weil ich etwas falsch ausgefüllt hatte. Schon nach einer Stunde war ich durch, inklusive meiner beiden leicht übergewichtigen Koffer, die ich zur Belustigung anderer Reisender kaum hinter mir her schleifen konnte (ich hatte ja noch eine Laptop-Tasche und eine Gitarre auf dem Rücken). Da ich unerwartet schnell durch immigration und Zoll durch war, drehte ich die folgenden vier Stunden Däumchen.

Anflug auf New York

Nachdem ich auf dem Berlin – New York Flug nur so mit Essen beworfen wurde (Pasta, Pizza, Eis und Snacks), hielt man es auf dem Delta USA-Inlandflug nach Portland nicht für nötig, Essen umsonst zu servieren. Die Käseplatte (Platte ist hier als Euphemismus zu verstehen) bestand aus drei Stück Käse, vier Weintrauben und zwei Nüssen. Ach ja, und machte mich $6 (4€) ärmer. Nach weiteren 5½h Flugzeit kam ich gegen 23Uhr Ortszeit in Portland an. Von oben sah ich die hell beleuchtete Stadt mit ihren vielen Brücken, die sich über den Columbia River erstreckten.

Eine kleine, kurzhaarige und sehr sympathische Frau mit bunten Hosen begrüßte mich und gemeinsam hievten wir meine Koffer in ihr Auto. Die Autofahrt war kurz, aber nicht zu kurz, um mich auf einen Ski-Trip einzuladen. Todesmutig wie ich bin, erwiderte ich, dass ich zwar nicht Ski fahren kann, aber auf Grund meiner guten Auslandsversicherung für alles offen bin. Als Julie mir noch alle Berge, die es hier in Portland gibt, aufzählte, wusste ich, dass die nächste Einladung zu einer Wandertour bald folgen möge. Schnell das Thema wechseln! Im Haus angekommen, welches nur ca. eine Meile vom Reed College entfernt ist, legte ich mich sofort schlafen. Am Morgen des 21. August wachte ich von kleinen tobenden Mädels vor meiner Tür auf, die sich gegenseitig ermahnten: „Sei leise, Magdalena from Germany schläft noch!!!“.

Eastside Esplanade Portland

Mein erster Tag in Portland verlief ruhig, ich guckte mit den beiden Mädels und ihren Freundinnen Videos und machte mit Julie, Tali und ihrem kleinen Freund einen kleinen Trip durch Downtown Portland (Eastside Portland Esplanade). Hier ist es übrigens um die 20°C, etwas windig, was aber wirklich angenehm ist. Letzte Woche sollen es hier 40°C gewesen sein…

Dive-In Movie ("The Bee Movie")

Dive-In Movie

Abends gingen wir noch zu einem ‚Dive-In Movie’ – Kino gucken vom Pool sozusagen. Mehr Fotos gibt’s hier.

Jetzt bin ich erst mal hundemüde und freue mich auf morgen, wenn die Orientierungswoche am Reed College anfängt.


Ich packe meinen Koffer…

August 19, 2008

… und darf 2×23kg mitnehmen. Nach ein paar Mal umpacken, rauswerfen, wieder einsortieren, fluchen und schreien, die Waage treten und auf den Koffer setzen kann ich nun zwei Nachrichten verkünden: 1. Ich werde auf jeden Fall in die USA einreisen, und zwar mit zwei prall gefüllten Koffern, einer Gitarre und Handgepäck (welches jetzt vollgepackt ist mit all meinen Büchern, zwecks Verringerung der erstgenannten Koffer). 2. Ich werde nie wieder aus den USA ausreisen. Kaufe ich nur ein T-Shirt, platzen meine Koffer und all meine Kleider werden über das Rollfeld verteilt. Andererseits bin ich mir auch nicht so sicher, ob ich überhaupt durch die immigration komme. Wenn die meine Koffer sehen, denken die bestimmt, ich versuche meine gesamte Familie in die USA zu schmuggeln, inklusive Pferd und Hof.

Jetzt schaffe ich alle aussortierten Teile in den Dachboden meiner Mutter, wo meine restlichen Möbel und Sachen stehen und kann dann behaupten: Mein gesamtes Leben steckt in zwei Koffern. Morgen geht’s los: 11:25 Tegel via New York und dann direkt nach Portland/Oregon. Hoffentlich steht meine Übergangs-Gastfamilie am Flughafen, ansonsten muss ich die erste Nacht auf einer gemütlichen Parkbank schlafen.


Final Countdown

August 12, 2008

Die vergangenen zwei Wochen habe ich abwechselnd mit feiern, tschüß-sagen, Besorgungen erledigen und entspannen verbracht, um dann mit Schrecken festzustellen, dass da ja noch Hausarbeiten sind, die endlich vom Tisch wollen. Um den letzten Haken auf der To-Do Liste verdientermaßen zu setzen, bemühe ich meine Gehirnzellen in den nächsten Tagen noch ein letztes Mal, um diese dann wieder mit einer Menge Schlafentzug und einem Zaubergetränk, welches mit T beginnt, zu quälen.

Aber Butter bei ‘de Fische: Langsam sollte ich mir Gedanken machen, wie ich mein Zeug in zwei Koffer bekomme und welche Gastgeschenke ich den lieben Helferlein mitbringe, die u.a. dafür verantwortlich sind (oder werden), dass ich solch ein Auslandsjahr verleben darf. Die ersten Tage werde ich übrigens bei einer Gastfamilie verbringen, die „speziell auf meine Interessen abgestimmt wurden“, denn ihre Hobbies sind: Wandern, Fahrrad fahren, Campen und Kanu fahren. Aber sie mögen auch Musik und ich solle mich schon mal darauf vorbereiten, den Kindern deutsche Lieder beizubringen. Ich denke, dass ich mit Tokio Hotel anfange :-)

Zu meinem Glück haben Oren und Julie zwei kleine Töchter (Mica, 9 und Tali, 6), dann fällt es eventuell nicht so sehr auf, wenn ich auf unseren zukünftigen Bergsteig-Wander-Fahrrad-Camping Touren andauernd quäke: „Ich habe Hunger, ich habe Durst, ich muss auf Klo, wann sind wir da?“. Ich bin aber ganz im Ernst ziemlich froh, dass Julie mich vom Flughafen abholt, weil ich sonst wahrscheinlich nachts in einer fremden Stadt ziemlich überfordert wäre.

Bei der Host-Family bleibe ich voraussichtlich nur einen Tag, weil ich ab dem 22. August schon mein Zimmer (ein Einzelzimmer, jucheee) beziehen darf und die Orientierungsveranstaltungen für internationale StudentInnen beginnen. Dort sollen wir uns gegenseitig beschnuppern, kriegen einen Crash-Kurs in amerikanischer Kultur und bekommen außerdem die Möglichkeit, unsere Zimmer mit allem nötigen auszustatten. Diese Orientierungszeit dauert bis zum 1. September und wird in etwa so ablaufen. Ab dem 2. September fangen dann die Kurse an, hoffentlich jene, die ich mir jetzt schon ausgeguckt habe.

Aber erst mal muss ich überhaupt den Ozean überqueren und mich am fiesen Immigrations-Prozess vorbeischleichen. Um die Sache zu erleichtern, sollte ich meine Haare braun färben, einen Bush-Annäher kaufen und meine Gitarre zu Hause lassen.


Aggro Bröllin

August 6, 2008

Die alljährliche Linse-Tour in ein Dorf nach Meck’Pomm führte uns dieses Jahr (wie auch schon letztes Jahr) nach Bröllin, ein beschauliches Örtchen mit kaum mehr als 30 Einwohnern – dafür mit einem Schloß. In dieses zogen 5 Bands und andere Rock’nRoll-Freudige samt mehreren Tonnen Technik, Instrumenten, Kickertisch und ordentlich Flüßignahrung ein. Bröllin in Stichworten: Sonne, Wespen, Bier, Neptunfest, Kickertunier, Malen, Siebdrucken, Bodypainting, Lagerfeuer, Wehrwolf spielen, Session, Mucke machen, Tequila, „Leistungskontrolle“, im See baden, im Kinderplanschbecken baden, grillen, Nachtwanderung, Kinderlieder singen (jawohl!), Fahrradtouren, Hausarbeiten schreiben, diverse Verletzungen, chillen, chillen, chillen. Übrigens alles bilderreich festgehalten.