Angela Davis

http://www.thisnext.com/media/230x230/Angela-Davis-The-Giant_F5F98F64.jpgSchon seit Wochen habe ich mich auf Samstag (21. Februar) gefreut, denn Angela Davis gab dem Reed College die Ehre und hielt eine beeindruckende Rede über Obama, ihre Kritik zum Gefängnis-System und die Hoffnung auf eine politisch aktive und “rassen”-& geschlechter-&klassen-&sexualitäts-sensible Zukunft.

Angela Davis ist eine radikale Aktivistin, die sich in Form von Büchern, Reden und Protesten zu Themen wie Klasse, “Rasse”, Gender und Sexualität damals wie heute äußert/e. Stark engagiert in der Bürgerrechtsbewegung, die sie vorzugsweise als freedom movement (Freiheitsbewegung) bezeichnet, da die Zielsetzung ursprünglich über das Erreichen von Zivilrechten hinausging, war sie Mitglied in mehreren Organisationen (Black Panther, Kommunistische Partei der USA etc.). Anfang 1970 war sie auf der FBI Most Wanted List und wurde kurz daraufhin verhaftet, was eine weltweite Welle des Protest nach sich zog (an der meine Mama teilgenommen hat, jawohl). Nach zwei Jahren wurde sie entlassen und widmete sich seitdem insbesondere ihrer Kritik des (amerikanischen) Gefängnissystems.

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Angela Davis@Reed College

Ungefähr 45 Minuten vor Beginn war die Schlange auf dem Campus vor dem Kaul Auditorium schon wahnsinnig lang; gut, dass meine KumeplInnen strategisch günstig platziert waren, so dass ich mich weiter vorne reinschmuggeln konnte. Trotzdalledem saßen wir so ungefähr in der Mitte, aber leicht erhöht mit guter Sicht. Der Saal war mehr als gefüllt und dafür, dass Portland ziemlich weiss ist, war der Saal ein Musterbeispiel an Vielfalt.

dscf0024Leicht verspätet wurde Angela Davis schwungvoll angesagt und mit tosenden Applaus empfangen; diese freute sich über den vollen Saal und fragte: “Ihr seid doch nicht alle College Students, oder?” worauf jemand antwortete: “Nee, wer kann denn $40.000 für’s studieren aufbringen?!”. Davis lachte laut und meinte: “Ja, davon spreche ich heute noch!”.

Sie begann mit einer kurzen Rekapulation des Black History Month (“Monat für Schwarze Geschichte”), auf Grund dessen sie eingeladen wurde. Sie betonte insbesondere, dass es ein Fehler sei, den freedom movement immer nur mit individuellen Helden zu assozieren (z.B. Martin Luther King) und verwies besonders auf die vielen Afroamerikanerinnen, die die Bus-Boycotte organisierten und eine ebenso bedeutende Rolle in den verschiedensten Organisationen spielten. Im folgenden Zitat verdeutlicht Davis, warum es wichtig sei, soziale Bewegungen nicht als Akt Einzelner zu verstehen:

“History is seen as the accomplishment of individual heroes which makes it so hard to see ourselves as powerful agents”

Geschichte wird normalerweise als Verdienst einzelner Helden verstanden, was es erschwert, uns selbst als einflussreiche Handelnde zu sehen.

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Angela Davis@Reed College

Demnach bedeutet ein schwarzer Präsident gar nichts, wenn der Rest der Elite aus vielen weißen Männern und ein paar weißen Frauen bestehe und die Gefängnisse offensichtlich überwiegend mit schwarzen und/oder armen Männern gefüllt sind. Sie kritisierte die Gefängnisse als Abfalleimer der amerikanischen Gesellschaft, in denen der Überschuss der Menschen, die der Kapitalismus nicht verwerten kann, abgeschlossen und ohne hinreichende Behandlung marginalisiert werden. Einer der Gründe für den enorm hohen Anteil an insbesondere schwarzen, jungen Männern in Gefängnissen seien rassistische Taktiken, wie z.B. racial profiling (Fahnung nach rassischen Kriterien), bei denen oftmals unschuldige schwarze Männer beschuldigt und/oder fälschlicherweise bestraft werden. Selbst bei einer offensichtlichen Schuld böte das Gefängnis nicht die ausreichenden Möglichkeiten zur Therapie sondern sei lediglich als Ort des Wegschlusses vom Rest der Gesellschaft zu verstehen (klingelingeling: Michel Foucault). Anstatt den InsassInnen zu helfen, werden sie stigmatisiert und oftmals falsch beraten/verteidigt, was zum civil death (zivieln Tod) führe. Als einer der Hauptgründe für diesen Zustand sieht Davis den Mangel an ausreichender Bildung. Im folgenden Video spricht sie vom Zusammenhang von schlechter Bildung und Inhaftierung und von Inhaftierten, die lernten sich selbst zu verteidigen, weil sie ungenügend Verteidigung erhielten.

Im zweiten Video appeliert Davis an die Obama-Administration Islamophobie, Homophobie und Rassismus ernst zu nehmen. Sie verlangt die Beendung des racial profiling, und bedauert den Erfolg von Proposition 8. Außerdem betont sie, dass rassistische Diskriminierung eine institutionalisierte Praxis sei, an der auch Schwarze teilnehmen.

“Racism is not attached to particular kinds of bodies (…) we assume that you can’t be racist if you’re black but there are a lot of black people who are in positions of power who use racism in order to do their work”

Rassismus ist nicht an bestimmte Körper gebunden (…) wir nehmen an, dass man nicht rassistisch sein kann, wenn man schwarz ist, aber es gibt eine Menge schwarzer Menschen, die hohe Positionen innehalten und Rassismus dazu benutzen, ihre Arbeit zu erledigen.

Die Rede war ungefähr 90 Minuten lang und hatte viele starke Momente, die ich leider hier nicht wiedergeben kann, aber ich denke, dass die Videos einen kleinen Eindruck geben,

Zum Schluss noch die junge Davis mit dem alten Honecker. Muss auch mal sein.Datei:Bundesarchiv Bild 183-L0911-029, Berlin, Erich Honecker empfängt Angela Davis.jpg

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Eine Antwort zu Angela Davis

  1. Tobias sagt:

    Hui, nicht schlecht, da wär ich gern dabei gewesen.

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