Feiertage Reloaded – Fotos!

Januar 1, 2009

Nikolaus in Portland

Nikolaus im Deutschen Haus @ Reed College am 6. Dezember mit einem richtigen St. Nikolaus!

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Meine Weihnachtsgeschenke von meinen internationalen Kumpels

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dscf01081Remi, mein Lieblingsfranzose, hat mir die (merkwürdigst) schönste Weihnachtspostkarte geschrieben, mit Simone de Beavoir und Virginia Wolf  – neben einer Vagina mit der Aufschrift „Vagina Power“. Piotr hat aus einer russischen Zeitschrift ein paar keifende Weiber ausgeschnitten und Magda auf russisch draufgeschrieben. Ja, meine Kumpels haben einen skurrilen Humor ;-)

Weihnachten in Florence, South Carolina

Ich und der krasse Weihnachtsbaum im Haus von Debi’s Vater

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Debi, meine Host-Mommy bei der Bescherung und Magda bekommt Tequila zu Weihnachten!!

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Silvester in Darlington, South Carolina

Offiziell kann ich nun verkünden: Ich hatte das beste Silvester ever. Hannah, Matt und ich haben ein kleines camp-fire gemacht, den Weihnachtsbaum verbrannt und so genannte s’mores gegessen. S’more is die Abkürzung für „I want some more“ („Ich will mehr!!“). Wenn man es richtig südstaatenmäßig und ghetto ausspricht, wird daraus s’more!. Und es geht so: Man nehme ein Keks, plaziert Schokolade darauf, brutzelt einen Marshmellow über’m Feuer, drückt den warmen Marshmellow auf die Schokolade und toppt alles mit noch einem Keks, so dass es ein richtiger S’more Burger wird. Oh My! Ich hatte zwei 2008 und einen 2009.

Hannah und Matt

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Links wir im Jahr 2009 und rechts seht ihr einen s’more

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Mehr Fotos hier.


Redneck Christmas (manche Dinge ändern sich nie)

Dezember 25, 2008

Auf USA Erklärt könnt ihr lesen, was die Amis so anders machen, wenn sie Weihnachten feiern. Ich hingegen hatte die ungewöhnlichsten, aber (im unkonventionellen Sinne) charmantesten Weihnachten EVER. Eine bizarre Mischung aus Anti-Kommerz, Über-Kitsch Kommerz und Südstaaten Flair.

24. Dezember: In der etwas crazy WG in Columbia, in der ich die ersten Tage verbracht habe, wurde ich mit lauter Metal Musik und für meinen Geschmack zu brutalen Videospielen geweckt. Weihnachtsstimmung: Null. Begrüßt wurde ich mit „Merry Fucking X-Mas“. Meine High School Freunde haben sich (glücklicherweise) nicht viel verändert. Nachdem wir 2h sinnlos youtube videos geguckt habe (ja, ich weiss, wie man Zeit verschwendet), sind wir gegen 17:30 Richtung Florence gefahren, damit ich meine Host Family besuchen kann: Debi (Host Mom) und Amanda (Gastschwester). Wir mussten immer mal wieder anhalten, weil der Reifen irgendwie Luft verlor. Weihnachtsabend auf Raststätten, irgendwie witzig. Weil es ungefähr 17°C war, hatte ich auch null Weihnachtsfeeling, also kein Problem.

In Florence angekommen hat Debi meinem Kumpel die letzten Anweisungen gegeben, um zu ihrem Haus zu gelangen, und als ich sie winken sah, haben wir beide angefangen zu schreien, ich bin aus dem Auto gesprungen und wir haben uns wie kleine Kinder gefreut. Es ist wirklich komisch: egal wie lange ich auch weg bin, wir quatschen sofort los, als wär ich nie weg gewesen. Amanda, nun ein Senior in High School, Varsity Cheerleader (= die besten), Präsidentin der Abschlussklasse UND Teilnehmerin der Miss Wahl an meiner ehemaligen West Florence High School (eine amerikanische Erfolgsstory, let me tell you…) war süß wie immer und wir hatten erst einmal einen lang überfälligen Mädchen-Talk (argh).

25. Dezember: offizieller Weihnachts-und-Geschenke-Austausch-Tag. Debi hat mich gegen 10:30am mit einem netten Weihnachtssong und dem reizenden Satz: „Alright, Maggie… get your ass up!!! Hahahahahah.“ aufgeweckt (wir lieben uns). Wir haben Geschenke ausgetauscht und Debi hat sich riesig über Mama’s Pakete aus Deutschland gefreut und besonders über die pinken Hausschuhe, die ich ihr gekauft habe, weil sie immer so friert. Jetzt haltet euch fest, was Debi mir geschenkt hat: Einen digitalen Schlüsselanhänger, auf dem man 60 Fotos speichern kann und eine Flasche feinsten TEQUILA. Yep. Das ist meine coole Gastmutter!

Wir haben uns dann aufgehübscht und mein Magen zeigte mir, dass es nicht so gut ist, 2 Tage nichts zu essen. Wir sind also gegen Mittag zu Debi’s Familie gefahren, eine richtig typische Redneck-Südstaaten Familie, die ordentlich Südstaaten Essen aufgetischt hat: Maccaroni&Cheese, fettige Bohnen, Stampfkartoffeln, Süßkartoffeln, verschiedene Fleischsorten, Gravy (Bratensosse), Pekanus-Kuchen… Alles war harmonisch wie immer: die Frauen arbeiteten in der Küche und die Männer versuchten draussen, Pecannüsse vom Baum zu schlagen. Bevor wir aßen, sollte einer der erwachsenen Söhne ein Gebet für alle sprechen, in dem er allen mitteilte, dass er Gott danke, dass er und seine Frau noch ein Kind haben werden… wir entzückend.

Das Haus war überkitscht mit (ungelogen) mindestens 100 tanzenden und singenden Weihnachtsfiguren, einen über-geschmückten Weihnachtsbaum, Weihnachts-Fussabtretern, Weihnachts-Seife im Bad, Weihnachtstellern… alles glänzend in gold, grün und rot.

Nach dem Essen gab’s Bescherung. Das kleinste Kind der Familie fing an (Achtung! Kinder-Sozialisation): Sie bekam eine Barbiepuppe, 6 Lipglosse, Haarreifen, eine pinke Mädchentafel, ein rosa Hemdchen, eine Baby-Born Puppe. u.s.w. Ich meine: LIPGLOSS! Sie ist 3 Jahre alt! Überraschenderweise bekam ich auch 2 Geschenke, ein South Carolina Armband und ein Pulli, den ich mit Debi’s Erlaubnis umtauschen darf (obwohl ich zugeben muss, dass dieser Pulli besser war als der, den ich vor 6 Jahren bekommen habe: rot mit Rentieren und grünen Mistelzweigen).

Sorry, aber das war alles irgendwie surreal. In South Carolina scheint auf jeden Fall die Zeit still zu stehen… Debi hat  das widergespiegelt, was ich gefühlt habe: Sie hat oft nur die Augen verdreht, denn das Verhältnis zwischen ihren hyper-religiösen Schwestern und meiner drolligen, rauchenden und trinkenden Gastmutter  (aka Heidin der Familie) war sichtlich gespannt. Als wir dann versuchten (scherzeshalber) einen Kuchen zu klauen, um ihn zu Hause zu essen, gefror dann auch das falsche Lächeln in den Gesichtern der Damen. Haha. Wir sind dann schnell gegangen, haben ein wenig im Haus gechillt und sind dann ins Kino um „Marley&Me“ zu gucken. Ziemlich langweilig (es ging um einen Hund), aber ein netter Weihnachtsausklang.

Ich würde gerne Fotos zeigen, um euch ein wenig an der Stimmung teilhaben zu lassen, aber ich kann momentan keine Fotos hochladen. Keine Ahnung, warum. Vielleicht streikt meine Kamera bei soviel 1950’s.


Der ultimative Rückblick

Dezember 17, 2008

OH MY GOD (gott ist hier ein weit gedehnter Begriff). Die letzten 2 Wochen waren verrückt: 3 Hausarbeiten fertig. 10, 15 und 18 Seiten. Mein Mini-irgendwie-doch-nicht-so-Mini-Forschungsprojekt über die internationalen Studis und Feminismus ist abgeschlossen. Französisch Exam geschrieben. Essay geschrieben. Und alles (fast) pünktlich abgegeben. Ansonsten noch tausend andere Dinge gemacht. Aber jetzt mal chronologisch:

Samstag, 6.12.: Nikolaus! Eine schöne Feier im Deutschen Haus mit einem Nikolaus, der Geschenkedsc007801 verteilt. Ich habe fleißig für die Nicht-Deutschen übersetzt (und weiß jetzt, welchen Beruf ich nicht ergreife) und viel Schokolade abgestaubt. Eva und ich hatten vor einiger Zeit den Weihnachtsbaum besorgt und das Haus war sehr festlich geschmückt. Hach.

Sonntag, 7.12.: Habe mit ein paar Mädels ein Fanzine namens „Rude Girl“ zusammengestellt, wofür ich ‘nen Comic gezeichnet habe.. Bin sehr stolz, mein erstes Zine ;-) !! Montag ging es dann in den Druck und wurde in der Uni verteilt. Nachmittags: A Capella-Chor Probe.

Dienstag, 9.12.: Letzte „Feminism – Comparative & Historical Perspectives on Women’s activism“ Klasse, die immer sehr angenehm und stressfrei war… werde ich ein wenig vermissen, auch Dank der tollen Professorin (die übrigens in der Ukraine geforscht hat und ganz entzückt war, dass ich ostdeutsche Wurzeln hab). Abends: A Capella Probe.

Mittwoch, 10.12: Letzte Französisch-Stunde mit Abschluss-Examen, beaucoup de subjonctive. Letzter „Sex, Gender & Political Theory“ Kurs, der inhaltlich und arbeitstechnisch (4 Essays und 2 Hausarbeiten) der wohl anspruchsvollste aber auch spannendste Kurs war.

Donnerstag, 11.12.: Abends bin ich zu einem informellen Abendessen mit all den Soziologie-HauptfächlerInnen und Profs gegangen, wo es lecker Essen im Potluck Style gab – ein Essen sozusagen, bei dem jede/r etwas mitbringen sollte. Man muss sich mal vorstellen, dass wir eine kleine, völlig private Feier mit unseren Profs in Berlin haben. Das will ich mal erleben… Danach: A Capella Probe.

Freitag, 12.12.: Morgens haben Eva und ich einen Studenten getroffen, der wahrscheinlich an die FU gehen möchte und ich habe ordentlich Werbung gemacht. Er ist Physiker und ich habe mit all meinen tollen (!) Physiker-FreundInnen angegeben. Danach habe ich kurz mit Eva die Noten für die Deutschklasse besprochen, die Eva unterrichtet und von denen ich die Hausaufgaben korrigiere. Bin ganz froh, jetzt erst mal ein paar Wochen von deutscher Grammatik verschont zu bleiben…

img_16531Abends: A Capella Konzert! Wir haben sechs A Capella Songs gesungen, unter anderem „Eye of the Tiger“, „Trashin the Camp“ aus dem Tarzan Film (yeah! check it out: youtube) oder „Fidelty“ von Regina Spektor, bei dem ich das Soloimg_1649 gesungen habe (hier eine wunderschöne Live-Version auf youtube). Die internationale Truppe war natürlich da und meine Gastfamilie auch, die mir einen kleinen Glücksbringer geschenkt hat (eine schützende Hand aus Tunesien).

Danach bin ich mit Jordan und Schwartz (aus meinem ÜBER-spannenden „Comparative Politcs„-Kurs und ohne die ich regelmäßig eingeschlafen wäre…) zu einem jüdischen Dinner gegangen, was ich ganz toll fand. Falls ich mal in ein tiefes Loch falle und nach Gott suche, nehme ich auf jeden Fall eine Thora in die Hand. Der Rabbi war witzig, herzlich und fröhlich und alle haben gesungen, wobei Beatbox-Laute und auf den Tischen trommeln äußerst erwünscht war. Ich habe ein paar sehr interessante Rituale mitgemacht (z.B. die Hände dreimal mit Wasser begießen vor dem Mahl und dann nicht sprechen, bis das Brot angeschnitten wird. Die Schweige-Regel ist hier aber relativ, denn summen, beatboxen oder grunzen darf man trotzdem). Danach waren wir noch auf einer Techno-Tanz-Party (allerdings: von einem A Capella Konzert zu einem jüdischen Dinner zu einer Techno-Party).

Samstag, 13.12.: Nach drei Stunden Schlaf zurück in die Bibliothek. Falls ich es noch nicht erwähnt habe: In der Bibliothek saß ich immer, wenn ich nicht gerade gesungen, gegessen oder getanzt habe. Schlaf existierte letzte Woche nur marginal und in Form von Power-Nickerchen in der Bib. Um 15Uhr hatte ich A Capella Probe, vier Weihnachtslieder inklusive „Hark how the bells…“ (da habe ich noch so eine Totally Stressed Erinnerung) und eines jüdischen Songs einstudiert, um dann gegen 18Uhr auf der Alumni-Feier zu singen. Die Konzerte liefen beide ganz gut, auch wenn ich meine Improvisation Skills wegen akuter Songtext-Amnesie anwenden musste.

Abends gab es eine Vor-Weihnachtsfeier mit meinen internationalen Kumpels und Kumpelinnen, was wirklich sehr schön und feierlich war. Wir haben uns alle reich und kreativ beschenkt. Ich habe mich riesig über meine Geschenke gefreut: María und Remi haben mit ein Paar pinke Sneakers (!!) und ein Kalender mit witzigen und „irrelevanten“ Sprüchen von Frauen geschenkt (so die Beschreibung), Piotr verteilte Kommunisten-Minz-Bonbons und hat mir ein „Feminismus und Popkultur“ Buch geschenkt (und dass von einem alles anzweifelnden Russen, mit dem ich leidenschaftliche Diskussionen führe), und Eva hat extra das „Spiegel Special“ über die USA aus Deutschland schicken lassen, weil ich es wirklich ziemlich vermisse, mich über den Spiegel aufzuregen (ACH ÜBRIGENS: Eva hat mit vor einigen Wochen einen kleinen Raum in der Bibliothek gezeigt, wo ausländische Zeitungen ausliegen, u.a. auch die „Zeit“ und der „Spiegel“, die ich jetzt wöchentlich lesen kann!).

Sonntag, 14.12.: Es schneit! Es schneit! ES SCHNEIT!! Bin morgens aufgewacht, blinzele aus dem Fenster und Reedn718183985_1737153_66011 präsentiert sich in feinster weißer Pracht. Es ist saukalt (-9°C – Ja! Celsius!) und unheimlich glatt. Zu meiner Überraschung bin ich dennoch noch nicht gefallen. Schneien tut es in Portland übrigens nicht sehr oft, deshalb rannten alle Reedies wie kleine Kinder durch den Schnee und tanzten. Eva ist morgens zurück nach Deutschland geflogen, María fliegt am 19.Dez, die Jungs und ich bleiben in den USA und reisen (ich nach South Carolina, am 18. Dezember). War ziemlich melancholisch, weil das erste Semester nun zu Ende ist und die Zeit hier so rennt…

Montag, 15.12.: Es schneit immer noch. Hausarbeiten geschrieben. Abends ein Abendessen mit ein paar KumpelInnen, die mich nun fast überredet haben, nächstes Semester Rugby zu spielen.

Dienstag, 16.12.: Hausarbeiten. FERTIG! Ich habe in der Bibliothek getanzt (wirklich).

Mittwoch, 17.12.: Weihnachts-Shopping mit María. Hab jetzt auch Geschenk für meine amerikanischen KumpelInnen (die im Gegensatz zu meinen UNGEDULDIGEN deutschen Kumpels bis Weihnachten warten müssen). Um 17:00 hätte ich eigentlich in der Bibliothek „Eye of the Tiger“ mitsingen müssen. Ja. In der Bibliothek. Kurze Erklärung: In der letzten Woche, die hier finals week heisst und wo alle Studis wie schlaflose Zombies in der Bib hocken, um ihre Hausarbeiten zu schreiben, erklingt zu jeder vollen Stunde „Eye of the Tiger“ und „Final Countdown“. Außerdem ist in der Bibliotheks-Lobby ein riesiger Tisch (Stimulance Table) mit Muntermachern aufgebaut (unter’m Tisch gibt’s auch so manch unkonventionelles Aufputschzeugs, hab ich mir sagen lassen). Die A Capella Gruppe hat jeden Tag einmal „Eye of the Tiger“ live performed, was ich irgendwie… hmm, naja… peinlich finde, also bin ich ganz froh, dass ich es heute WIEDER verpasst habe.

Jetzt: Wäsche waschen, Koffer packen. Haare färben. Film gucken. Kaffee trinken. Wetter checken: Portland, Oregon -8°C. Columbia, South Carolina 22°C. Mal so 30°C Unterschied! Das riecht nach Urlaub…hmmm. Morgen geht’s los! Endlich mal wieder schlafen!

Link der Woche:

Verrückte amerikanische Familie, die ihre Kinder entzückende Namen wir Adolf Hitler gibt und sich wundert, warum die örtliche Bäckerei keinen Kuchen backen will, auf dem steht: „Happy Birthday, Adolf Hitler“ (english).


Flug und Ankunft in Portland

August 21, 2008

Am Morgen des 20. August traf ich nun mit meiner Familie und einigen hartgesottenen Kumpels und Kumpelinnen am Flughafen Tegel ein. Die Nacht davor war kurz, denn wir feierten nach einer wahren Odyssee an Abschiedsfeiern nun meinen wirklich letzten Abschied. Anstellen, warten, Muttis Brötchen essen und schon war ich am Schalter. Dank des kulanten Tegel-Mitarbeiters musste ich für die jeweils 1kg Übergepäck nichts zahlen („das habe ich jetzt aber nicht gesehen!!“), dafür machte er mich darauf aufmerksam, dass ich beim Security-Check wohl etwas länger brauchen würde. Meine als Handgepäck deklarierte Gitarrentasche war nämlich – neben einer Gitarre – noch vollgestopft mit diversesten Dingen wie Bücher, Verteiler, Kabel, Fotoalben, Taschen, Socken, Katzen… (nur ein Test, ob ihr auch wach seid). In den nächsten Minuten musste ich mich also verabschieden. Einmal schlucken. Eine Träne wegdrücken. Alle zweimal küssen und dann Abmarsch.

Der Delta-Flug Berlin – New York war Dank meiner guten Ausstattung an Zeitschriften und den Filmen relativ kurzweilig. In New York wurde ich mit einem Plakat mit dem Spruch „Open minds are welcome“ (frei übersetzt: „Freigeister sind willkommen“) begrüßt. Meinen Freigeist musste ich bei der immigration und beim Zoll noch etwas zurückhalten: demütig lächeln und alle Fragen schnell und präzise beantworten. Zum ersten Mal wurde ich weder rausgefischt, noch nach hinten geschickt, um mich noch einmal anzustellen oder angeschrien, weil ich etwas falsch ausgefüllt hatte. Schon nach einer Stunde war ich durch, inklusive meiner beiden leicht übergewichtigen Koffer, die ich zur Belustigung anderer Reisender kaum hinter mir her schleifen konnte (ich hatte ja noch eine Laptop-Tasche und eine Gitarre auf dem Rücken). Da ich unerwartet schnell durch immigration und Zoll durch war, drehte ich die folgenden vier Stunden Däumchen.

Anflug auf New York

Nachdem ich auf dem Berlin – New York Flug nur so mit Essen beworfen wurde (Pasta, Pizza, Eis und Snacks), hielt man es auf dem Delta USA-Inlandflug nach Portland nicht für nötig, Essen umsonst zu servieren. Die Käseplatte (Platte ist hier als Euphemismus zu verstehen) bestand aus drei Stück Käse, vier Weintrauben und zwei Nüssen. Ach ja, und machte mich $6 (4€) ärmer. Nach weiteren 5½h Flugzeit kam ich gegen 23Uhr Ortszeit in Portland an. Von oben sah ich die hell beleuchtete Stadt mit ihren vielen Brücken, die sich über den Columbia River erstreckten.

Eine kleine, kurzhaarige und sehr sympathische Frau mit bunten Hosen begrüßte mich und gemeinsam hievten wir meine Koffer in ihr Auto. Die Autofahrt war kurz, aber nicht zu kurz, um mich auf einen Ski-Trip einzuladen. Todesmutig wie ich bin, erwiderte ich, dass ich zwar nicht Ski fahren kann, aber auf Grund meiner guten Auslandsversicherung für alles offen bin. Als Julie mir noch alle Berge, die es hier in Portland gibt, aufzählte, wusste ich, dass die nächste Einladung zu einer Wandertour bald folgen möge. Schnell das Thema wechseln! Im Haus angekommen, welches nur ca. eine Meile vom Reed College entfernt ist, legte ich mich sofort schlafen. Am Morgen des 21. August wachte ich von kleinen tobenden Mädels vor meiner Tür auf, die sich gegenseitig ermahnten: „Sei leise, Magdalena from Germany schläft noch!!!“.

Eastside Esplanade Portland

Mein erster Tag in Portland verlief ruhig, ich guckte mit den beiden Mädels und ihren Freundinnen Videos und machte mit Julie, Tali und ihrem kleinen Freund einen kleinen Trip durch Downtown Portland (Eastside Portland Esplanade). Hier ist es übrigens um die 20°C, etwas windig, was aber wirklich angenehm ist. Letzte Woche sollen es hier 40°C gewesen sein…

Dive-In Movie ("The Bee Movie")

Dive-In Movie

Abends gingen wir noch zu einem ‚Dive-In Movie’ – Kino gucken vom Pool sozusagen. Mehr Fotos gibt’s hier.

Jetzt bin ich erst mal hundemüde und freue mich auf morgen, wenn die Orientierungswoche am Reed College anfängt.


Final Countdown

August 12, 2008

Die vergangenen zwei Wochen habe ich abwechselnd mit feiern, tschüß-sagen, Besorgungen erledigen und entspannen verbracht, um dann mit Schrecken festzustellen, dass da ja noch Hausarbeiten sind, die endlich vom Tisch wollen. Um den letzten Haken auf der To-Do Liste verdientermaßen zu setzen, bemühe ich meine Gehirnzellen in den nächsten Tagen noch ein letztes Mal, um diese dann wieder mit einer Menge Schlafentzug und einem Zaubergetränk, welches mit T beginnt, zu quälen.

Aber Butter bei ‘de Fische: Langsam sollte ich mir Gedanken machen, wie ich mein Zeug in zwei Koffer bekomme und welche Gastgeschenke ich den lieben Helferlein mitbringe, die u.a. dafür verantwortlich sind (oder werden), dass ich solch ein Auslandsjahr verleben darf. Die ersten Tage werde ich übrigens bei einer Gastfamilie verbringen, die „speziell auf meine Interessen abgestimmt wurden“, denn ihre Hobbies sind: Wandern, Fahrrad fahren, Campen und Kanu fahren. Aber sie mögen auch Musik und ich solle mich schon mal darauf vorbereiten, den Kindern deutsche Lieder beizubringen. Ich denke, dass ich mit Tokio Hotel anfange :-)

Zu meinem Glück haben Oren und Julie zwei kleine Töchter (Mica, 9 und Tali, 6), dann fällt es eventuell nicht so sehr auf, wenn ich auf unseren zukünftigen Bergsteig-Wander-Fahrrad-Camping Touren andauernd quäke: „Ich habe Hunger, ich habe Durst, ich muss auf Klo, wann sind wir da?“. Ich bin aber ganz im Ernst ziemlich froh, dass Julie mich vom Flughafen abholt, weil ich sonst wahrscheinlich nachts in einer fremden Stadt ziemlich überfordert wäre.

Bei der Host-Family bleibe ich voraussichtlich nur einen Tag, weil ich ab dem 22. August schon mein Zimmer (ein Einzelzimmer, jucheee) beziehen darf und die Orientierungsveranstaltungen für internationale StudentInnen beginnen. Dort sollen wir uns gegenseitig beschnuppern, kriegen einen Crash-Kurs in amerikanischer Kultur und bekommen außerdem die Möglichkeit, unsere Zimmer mit allem nötigen auszustatten. Diese Orientierungszeit dauert bis zum 1. September und wird in etwa so ablaufen. Ab dem 2. September fangen dann die Kurse an, hoffentlich jene, die ich mir jetzt schon ausgeguckt habe.

Aber erst mal muss ich überhaupt den Ozean überqueren und mich am fiesen Immigrations-Prozess vorbeischleichen. Um die Sache zu erleichtern, sollte ich meine Haare braun färben, einen Bush-Annäher kaufen und meine Gitarre zu Hause lassen.