himmelhochjauchzendzutodebetrübt

Februar 16, 2009

Mein Wochenende kann ich mit einem Wort beschreiben: himmelhochjauchzendzutodebetrübt (man nennt das compound word).

Freitag, der 13. (ui ui): Nachmittags hatte ich einen kleinen Auftritt mit meiner A Cappella Gruppe, um die neuen Möbel der Student Union (=SU, der Party-Saal) zu zelebrieren. Reedies finden die eigenartigsten Gründe um Parties zu schmeissen. Danach sind wir zu einem Vortrag zum Thema „Internationale StudentInnen und Steuererklärung“ gegangen, wo ich null verstanden habe. Weil ich hier für das deutsche Department arbeite, muss ich solch eine aber ausfüllen. Hmm. Abwarten und Kaffee trinken. Nachdem ich dann Freitag Abend ergebnislos versucht habe, mich mit dem wasserähnlichen Tequila in einer Bar in der Nähe des Campus  zu betrinken, bin ich relativ früh schlafen gegangen, weil wir Samstag eine Menge auf dem Plan hatten.

Samstag, der 14.: Morgens sind Maria und ich erst einmal fleißig ein paar Bahnen in der Schwimmhalle geschwommen, welches anschliessend mit einem exorbitant riesigen Frühstück zelebriert wurde (wer schwimmt, darf essen – insbesondere Schokoladen-Pancakes). Danach ging’s Downtown Richtung Shopping. Ich habe mir endlich einen Badeanzug besorgt, da ich in der Schwimmhalle wegen meines Fake-Shorts-und-Shirt-Badeanzugs schon giftige Blicke einfing. Für’s Protokoll: Badeanzüge sind nicht meine besten Freundinnen. Punkt.

[Um eure Phantasie ein wenig anzuheizen, wie ich in einem Badeanzug aussehen KÖNNTE, checkt mal folgendes YouTube Video aus (bitte ignoriert den bescheuerten Songttext, aber nehmt zur Kenntnis, dass einer der Tänzerinnen in Wirklichkeit ein Tänzer ist. Long live Beyonce).]

Nach dem erfolgreichen Erwerb eines Badeanzugs haben wir die Jungs (Remi und Piotr) getroffen, um ins Kino zu gehen. Nachdem wir mehrere Kinos im Umkreis abgeklappert haben, weil alle sehenswerten Filme ausverkauft waren, landeten wir in einem kleinen, ziemlich merkwürdigen Kino, in dem man im Kinosaal essen (bzw. schmatzen) darf. Der Film, Frozen River, war exzellent; das Tellergeklapper allerdings nervtötend.

Danach Pizza essen und dann schnell zurück zum Campus, denn wir wollten den 14. Februar gebührend feieren: Und nein, nicht etwa Valentinstag, sondern das bulgarische Weinfest!!! Es gab Käse, Brot und Wein für alle, und Tequila für Magda. Tja, nun kann ich nicht mehr behaupten, dass ich mich von Alkohol noch nie übergeben habe. Erst neben’s deutsche Haus (was für ein starkes Statement, by the way) und dann in meinen Papierkorb. Unglaublich, wie weinerlich betrunkene Menschen (beziehungsweise ich) werden können. Die internationale Gang hat sich aber liebevoll um mich gekümmert, mir die Hand gehalten und mich dann ins Bett gebracht.

Sonntag, der 15.: Interessanterweise wache ich am nächsten Morgen völlig munter auf und mache mich auf in die Bibliothek. Alkohol ist leider keine Entschuldigung fuer Arbeitsverzögerung. Meine erste Arbeit ist schon wieder abgegeben. Abends hatte ich Probe mit meiner A Capella-Gruppe, in der wir entschieden haben, dass wir höchstwahrscheinlich den oben verlinkten Song singen werden. Beyonce A Cappella? Wir werden sehen.

In den letzten Tagen bin ich ziemlich sentimental, denn langsam dämmert es mir: In ein paar Tagen bin ich 6 Monate hier. Mir bleiben also nur noch ungefähr 4 Monate, bevor ich nach Berlin zurückfliege (sozusagen in das richtige Leben), was mich gleich einmal in eine existentielle Krise gestürzt hat. Ich habe noch so viel vor, und weiss, dass ich dann eine Menge hinter mir lassen muss…

Derweil werde ich mich mit ein paar Folgen „Target Women“ von Sarah Haskins aufmuntern. Hier eine zu Schokolade und hier eine zu Online Dating.


Der ultimative Rückblick

Dezember 17, 2008

OH MY GOD (gott ist hier ein weit gedehnter Begriff). Die letzten 2 Wochen waren verrückt: 3 Hausarbeiten fertig. 10, 15 und 18 Seiten. Mein Mini-irgendwie-doch-nicht-so-Mini-Forschungsprojekt über die internationalen Studis und Feminismus ist abgeschlossen. Französisch Exam geschrieben. Essay geschrieben. Und alles (fast) pünktlich abgegeben. Ansonsten noch tausend andere Dinge gemacht. Aber jetzt mal chronologisch:

Samstag, 6.12.: Nikolaus! Eine schöne Feier im Deutschen Haus mit einem Nikolaus, der Geschenkedsc007801 verteilt. Ich habe fleißig für die Nicht-Deutschen übersetzt (und weiß jetzt, welchen Beruf ich nicht ergreife) und viel Schokolade abgestaubt. Eva und ich hatten vor einiger Zeit den Weihnachtsbaum besorgt und das Haus war sehr festlich geschmückt. Hach.

Sonntag, 7.12.: Habe mit ein paar Mädels ein Fanzine namens „Rude Girl“ zusammengestellt, wofür ich ‘nen Comic gezeichnet habe.. Bin sehr stolz, mein erstes Zine ;-) !! Montag ging es dann in den Druck und wurde in der Uni verteilt. Nachmittags: A Capella-Chor Probe.

Dienstag, 9.12.: Letzte „Feminism – Comparative & Historical Perspectives on Women’s activism“ Klasse, die immer sehr angenehm und stressfrei war… werde ich ein wenig vermissen, auch Dank der tollen Professorin (die übrigens in der Ukraine geforscht hat und ganz entzückt war, dass ich ostdeutsche Wurzeln hab). Abends: A Capella Probe.

Mittwoch, 10.12: Letzte Französisch-Stunde mit Abschluss-Examen, beaucoup de subjonctive. Letzter „Sex, Gender & Political Theory“ Kurs, der inhaltlich und arbeitstechnisch (4 Essays und 2 Hausarbeiten) der wohl anspruchsvollste aber auch spannendste Kurs war.

Donnerstag, 11.12.: Abends bin ich zu einem informellen Abendessen mit all den Soziologie-HauptfächlerInnen und Profs gegangen, wo es lecker Essen im Potluck Style gab – ein Essen sozusagen, bei dem jede/r etwas mitbringen sollte. Man muss sich mal vorstellen, dass wir eine kleine, völlig private Feier mit unseren Profs in Berlin haben. Das will ich mal erleben… Danach: A Capella Probe.

Freitag, 12.12.: Morgens haben Eva und ich einen Studenten getroffen, der wahrscheinlich an die FU gehen möchte und ich habe ordentlich Werbung gemacht. Er ist Physiker und ich habe mit all meinen tollen (!) Physiker-FreundInnen angegeben. Danach habe ich kurz mit Eva die Noten für die Deutschklasse besprochen, die Eva unterrichtet und von denen ich die Hausaufgaben korrigiere. Bin ganz froh, jetzt erst mal ein paar Wochen von deutscher Grammatik verschont zu bleiben…

img_16531Abends: A Capella Konzert! Wir haben sechs A Capella Songs gesungen, unter anderem „Eye of the Tiger“, „Trashin the Camp“ aus dem Tarzan Film (yeah! check it out: youtube) oder „Fidelty“ von Regina Spektor, bei dem ich das Soloimg_1649 gesungen habe (hier eine wunderschöne Live-Version auf youtube). Die internationale Truppe war natürlich da und meine Gastfamilie auch, die mir einen kleinen Glücksbringer geschenkt hat (eine schützende Hand aus Tunesien).

Danach bin ich mit Jordan und Schwartz (aus meinem ÜBER-spannenden „Comparative Politcs„-Kurs und ohne die ich regelmäßig eingeschlafen wäre…) zu einem jüdischen Dinner gegangen, was ich ganz toll fand. Falls ich mal in ein tiefes Loch falle und nach Gott suche, nehme ich auf jeden Fall eine Thora in die Hand. Der Rabbi war witzig, herzlich und fröhlich und alle haben gesungen, wobei Beatbox-Laute und auf den Tischen trommeln äußerst erwünscht war. Ich habe ein paar sehr interessante Rituale mitgemacht (z.B. die Hände dreimal mit Wasser begießen vor dem Mahl und dann nicht sprechen, bis das Brot angeschnitten wird. Die Schweige-Regel ist hier aber relativ, denn summen, beatboxen oder grunzen darf man trotzdem). Danach waren wir noch auf einer Techno-Tanz-Party (allerdings: von einem A Capella Konzert zu einem jüdischen Dinner zu einer Techno-Party).

Samstag, 13.12.: Nach drei Stunden Schlaf zurück in die Bibliothek. Falls ich es noch nicht erwähnt habe: In der Bibliothek saß ich immer, wenn ich nicht gerade gesungen, gegessen oder getanzt habe. Schlaf existierte letzte Woche nur marginal und in Form von Power-Nickerchen in der Bib. Um 15Uhr hatte ich A Capella Probe, vier Weihnachtslieder inklusive „Hark how the bells…“ (da habe ich noch so eine Totally Stressed Erinnerung) und eines jüdischen Songs einstudiert, um dann gegen 18Uhr auf der Alumni-Feier zu singen. Die Konzerte liefen beide ganz gut, auch wenn ich meine Improvisation Skills wegen akuter Songtext-Amnesie anwenden musste.

Abends gab es eine Vor-Weihnachtsfeier mit meinen internationalen Kumpels und Kumpelinnen, was wirklich sehr schön und feierlich war. Wir haben uns alle reich und kreativ beschenkt. Ich habe mich riesig über meine Geschenke gefreut: María und Remi haben mit ein Paar pinke Sneakers (!!) und ein Kalender mit witzigen und „irrelevanten“ Sprüchen von Frauen geschenkt (so die Beschreibung), Piotr verteilte Kommunisten-Minz-Bonbons und hat mir ein „Feminismus und Popkultur“ Buch geschenkt (und dass von einem alles anzweifelnden Russen, mit dem ich leidenschaftliche Diskussionen führe), und Eva hat extra das „Spiegel Special“ über die USA aus Deutschland schicken lassen, weil ich es wirklich ziemlich vermisse, mich über den Spiegel aufzuregen (ACH ÜBRIGENS: Eva hat mit vor einigen Wochen einen kleinen Raum in der Bibliothek gezeigt, wo ausländische Zeitungen ausliegen, u.a. auch die „Zeit“ und der „Spiegel“, die ich jetzt wöchentlich lesen kann!).

Sonntag, 14.12.: Es schneit! Es schneit! ES SCHNEIT!! Bin morgens aufgewacht, blinzele aus dem Fenster und Reedn718183985_1737153_66011 präsentiert sich in feinster weißer Pracht. Es ist saukalt (-9°C – Ja! Celsius!) und unheimlich glatt. Zu meiner Überraschung bin ich dennoch noch nicht gefallen. Schneien tut es in Portland übrigens nicht sehr oft, deshalb rannten alle Reedies wie kleine Kinder durch den Schnee und tanzten. Eva ist morgens zurück nach Deutschland geflogen, María fliegt am 19.Dez, die Jungs und ich bleiben in den USA und reisen (ich nach South Carolina, am 18. Dezember). War ziemlich melancholisch, weil das erste Semester nun zu Ende ist und die Zeit hier so rennt…

Montag, 15.12.: Es schneit immer noch. Hausarbeiten geschrieben. Abends ein Abendessen mit ein paar KumpelInnen, die mich nun fast überredet haben, nächstes Semester Rugby zu spielen.

Dienstag, 16.12.: Hausarbeiten. FERTIG! Ich habe in der Bibliothek getanzt (wirklich).

Mittwoch, 17.12.: Weihnachts-Shopping mit María. Hab jetzt auch Geschenk für meine amerikanischen KumpelInnen (die im Gegensatz zu meinen UNGEDULDIGEN deutschen Kumpels bis Weihnachten warten müssen). Um 17:00 hätte ich eigentlich in der Bibliothek „Eye of the Tiger“ mitsingen müssen. Ja. In der Bibliothek. Kurze Erklärung: In der letzten Woche, die hier finals week heisst und wo alle Studis wie schlaflose Zombies in der Bib hocken, um ihre Hausarbeiten zu schreiben, erklingt zu jeder vollen Stunde „Eye of the Tiger“ und „Final Countdown“. Außerdem ist in der Bibliotheks-Lobby ein riesiger Tisch (Stimulance Table) mit Muntermachern aufgebaut (unter’m Tisch gibt’s auch so manch unkonventionelles Aufputschzeugs, hab ich mir sagen lassen). Die A Capella Gruppe hat jeden Tag einmal „Eye of the Tiger“ live performed, was ich irgendwie… hmm, naja… peinlich finde, also bin ich ganz froh, dass ich es heute WIEDER verpasst habe.

Jetzt: Wäsche waschen, Koffer packen. Haare färben. Film gucken. Kaffee trinken. Wetter checken: Portland, Oregon -8°C. Columbia, South Carolina 22°C. Mal so 30°C Unterschied! Das riecht nach Urlaub…hmmm. Morgen geht’s los! Endlich mal wieder schlafen!

Link der Woche:

Verrückte amerikanische Familie, die ihre Kinder entzückende Namen wir Adolf Hitler gibt und sich wundert, warum die örtliche Bäckerei keinen Kuchen backen will, auf dem steht: „Happy Birthday, Adolf Hitler“ (english).