New Orleans II

Oktober 24, 2008

Montag, 20.10.08: An diesem sonnigen Morgen machte ich mich Richtung Downtown New Orleans auf, wo das ‘French Quarter’ mit all seinen drolligen, bunten Häusern und Märkten zum spazieren gehen einlud. Habe das streetcar genommen und bin am Mississippi entlang runterspaziert. Auf beiden Fotos könnt ihr die Crescent City Connection Bridge (Crescent = Halbmond, Spitzname für New Orleans) sehen. Bin dann am Wasser weiter entlang des French Quarters gelaufen, um zu den Märkten zu gelangen, die aber leider nicht traditionell sondern voller Touri-Schrott waren. Na gut, ich bin ja nun mal ‘nen Touri, also habe ich mir auch ein nettes Poster und Postkarten gekauft. Bin dann in das ‘French Quarter’ reingelaufen, wo man sich gleich sehr europäisch fühlt. Die kleinen bunten Häuser und die vielen kleinen Gassen erinnern sehr an Italien oder Frankreich (aha, daher der Name!).

Danach habe ich mich in den ‘Jackson-Park’ gesetzt und versucht, in verschiedenen Museen anzurufen, von denen aber die meisten geschlossen waren. Zum einen erholen sich die New Orleans-Einheimischen am Montag vom exzessiven Party machen (viele Geschäfte, Museen und Bars sind geschlossen oder machen früher zu) und zum anderen war ich wohl auch nicht in der Touri-Zeit da. Habe mir also einen Kaffee gekauft und mein Buch rausgeholt und mich in den Park gesetzt, der ziemlich hübsch und gepflegt war. Auf dem Foto seht ihr den Jackson-Park und im Hintergrund die St. Louis Cathedral (die älteste katholische Kirche in den USA). Die Statue vor der Kirche zeigt im Übrigen Andrew Jackson mit dem Spruch: „The Union must and shall be preserved“.

Abends bin ich dann ins Bubba Gump Restaurant gegangen (Forrest Gump!) und habe einen Schrimps Po’ Boy gegessen (‘po’ kommt von ‘poor’ und nicht etwa von ‘Hintern’, also übersetzt: ‘armer Junger’), ein typisches Louisana-Gericht. Danach habe ich Phil getroffen und wir sind noch einmal die Bourbon Street (die Partymeile) runtergelaufen, wo wir dann in einer Bar mit einer coolen Band steckengeblieben sind. Unglaublich, was für Talent in New Orleans rumschwirrt! Es scheint fast so, als könne jeder ein Instrument spielen (singen sowieso – gerne auch das ganze Lied 3-stimmig und dabei noch lachen!).

Dienstag, 21.10.08/Mittwoch 22.10.08: Nachdem ich die wichtigsten Touri-Sachen abgehakt hatte, lechzte ich nach purer Entspannung, und so habe ich die beiden Tage genutzt, um entweder im French Quarter spazieren zu gehen, im Park zu sitzen und zu lesen/schlafen/Jazz Bands zu lauschen und im ‘Café du Monde’ Milch-Kaffee zu trinken und Beignets zu essen, eine französische Spezialität, die stark an Quarkkeulchen erinnert (hmmmm).

Nachmittags war ich dann noch im IMAX, wo ich den Film „Hurricane on the Bayou“ auf einer mega-riesen-Leinwand gesehen habe. Darin geht es hauptsächlich um die Tatsache, dass Hurrikan Katrina zumindest hätte abgemildert werden können, wenn die so genannten ‘wetlands’ um New Orleans herum, die als natürliche Puffer gegen die Wassermassen gedient hätten, in den letzten Jahrzehnten nicht immer mehr verschwunden wären (und dies verursacht durch den Menschen).

Am Mittwoch Abend, der letzte in New Orleans, hiess es noch einmal: Nachtleben, Musik und endlich einen ordentlichen Tequila. Zuerst sind wir in eine kleine Bar gegangen, wo Phil schon den Künstler kannte, ein unheimlich dicker Mann, der sich kaum bewegen kann, aber unglaublich gut sand. Big Willie (oder so) sucht sich jeden Abend eine andere Frau aus, die dann in der Bar rumlaufen darf, um für die Band Trinkgeld zu sammeln. Krrr. Bewaffnet mit einem Erdbeer-Daiquirie sind wir dann weitergezogen, in eine Bar mit den klangvollen Namen ‘The Spotted Cat’ (die KATZE!!), wo man weniger Touris findet und eher die Einheimischen feiern. Die Band war wirklich cool, der Tequila auch wirklich Tequila (und kein Wasser) und die Stimmung super. Hier ein kleines Video:

Gegen halb eins mussten wir gehen, weil Phil einen midterm am nächsten Tag hatte (hey, es ging um Jazz und wir waren in einem Jazz Club, kann man besser für einen Test büffeln??). Irgendwie haben wir es trotzdem geschafft, die streetcars zu verpassen und standen dann noch ‘ne Stunde rum. Lerne: Streetcars kommen selten, unpünktlich und nie, wenn man sie braucht!

Donnerstag, 23.10.08: Der Abschied naht… ab zum Flughafen und zurück nach Portland. Aber die Fahrt zum Flughafen war schon sehr ereignisreich. Touristin mit Kamera und Handy in der Hand, viel zu schwerem Rucksack auf dem Rücken, Labtop-Tasche um den Hals und oranges Tuch um den Kopf gewickelt (strömender Regen!) stand im absoluten Ghetto der Stadt und wartete eine Stunde auf den Bus – so fangen ja wohl Horror Filme an. Oder halt ein Tag in meinem Leben. Nachdem ich am Abend zuvor noch einen Israeli kennengelernt hatte, der mir einen „super Express-Bus“ zum Flughafen empfahl und ich ihm trotz meines angeborenen Misstrauens vertraute, latschte ich also durch das Viertel meines Hostels, was zugegebenermaßen in einem nicht-so-guten Stadtteil liegt und wartete wie gesagt ‘ne Stunde auf den verdammten Bus. Larry, 1961 geboren, schwarzer Autoverkäufer und „verliebt in meinen Namen“, kurvte die ganze Zeit mit seinem Trolley um mich herum und warnte mich vor den Mexikanern („den kannste nicht vertrauen!“). Er versicherte mir eine dreiviertel Stunde, dass der Bus bald kommen würde, aber langsam wurde es dunkel, und der Regen liess auch nicht nach. Das sind dann so Momente, wo ich laut schreien möchte. Lustigerweise hielt wirklich ein Mexikaner an, der mich fragte, ob er mich zum Flughafen mitnehmen solle, aber da Larry sagte, dass ich denen nicht vertrauen kann, bin ich natürlich NICHT mitgefahren. Der Bus kam dann endlich und ich fragte, wie lange es dauern würde zum Flughafen: 30 Minuten, meinte der Busfahrer. Hat zwar ‘ne Stunde gedauert, aber hey, mein Flug wartet bestimmt auf mich… Fazit: Vetraue keinen Mexikanern und keinen Israelis! Aber Larry ist gut.

Jetzt bin ich wohlauf in meinem Zimmer in Portland und schreibe fleissig an meinen letzten Hausarbeiten. Zurück an die Bücher!

Nachtrag: Fotos gibt’s: hier. Und noch mehr New Orleans Videos unter Foto- und Videoecke! Enjoy. Haha.


New Orleans

Oktober 21, 2008

Es riecht wie Urlaub. Es fühlt sich an wie Urlaub. Es IST Urlaub!

Die Sonne scheint hier wie erwartet großzügig (25°C) und wenn man die von Palmen umsäumten, endlos erscheinenden Strassen so runterschaut, ist das fast wie einen Schritt zurück in die Vergangenheit – damals mit 16, in South Carolina. Aber mal von Anfang an:

Freitag, 17.10.08: Abends habe ich den Reed Campus verlassen, um meinen Flieger kurz vor Mitternacht zu bekommen. Erst einmal ging’s nach Houston, Texas, wo ich gegen 4 Uhr morgens Ortszeit gelandet bin. Habe folgendes in der dreistündigen Wartezeit geschrieben:

4:29 morgens: Bin vor einer halben Stunde in Houston/Texas gelandet. Habe mich noch nie so gefreut, das Starbucks-Emblem zu sehen. Kaffee! Der knapp 4stündige Flug von Portland nach Houston war eine Qual, weil ich meinen reservierten Fensterplatz nicht bekommen habe, sondern außen sitzen musste. Habe kaum schlafen können, obwohl ich die Nacht davor auch nur wenige Stunden geschlafen habe. Dafür habe ich den 20-Monate alten Zwillingen hinter mir gelauscht. Eine wahre Symphonie. Habe lustigerweise zwei Reed Studentinnen im Flugzeug getroffen und gelernt, dass die Hauptstadt von New Orleans Baton Rouge ist (vielleicht habe ich meinen Abschluss in Nordamerikastudien wirklich nicht verdient). Bin hier übrigens im ‚George Bush’ (senior, glaube ich) Flughafen gelandet und spüre ein wenig Enttäuschung, dass ich noch kein großes Schild oder Pappmaché-Figuren entdeckt habe. Eine der beiden Reed-Studentinnen erzählte mir, dass sie in die Privat-High School ging, in die die Bush-Sippe ihren ganzen Nachwuchs steckt. Als Bush Opa dann mal zu einer Schulaufführung kam, waren dementsprechend reichlich ‚secret service’-Beamte vorhanden.

Um 8:45 geht dann mein nächster Flug nach New Orleans.

Apropos Bush. Kurze Durchsage gerade: Unangemessene Witze bezüglich Sicherheit am Flughafen können zum Arrest führen.

Samstag, 18.10.08: In New Orleans angekommen hat mich Philip dann vom Flughafen abgeholt, ein Komilitone aus der FU, der hier mit ein paar anderen Leuten an der Universität Tulane studiert. Wir sind gleich ins India House gefahren, ein sehr charmantes und buntes Hostel, in dem ich mich für die nächsten Tage eingebucht habe. Erst einmal haben wir ein paar Lebensmittel eingekauft, Cornflakes, Maccaroni&Cheese (yeah) und Wasser, und sind dann mit einem street car zu Tulane gefahren, wo Phil mir den Campus gezeigt hat. Interessanterweise hatte Tulane gerade eine Pro-Life Aktion (also: gegen Abtreibung). Auf dem Rasen waren tausende kleine Flaggen für jedes Kind aufgestellt, dass abgetrieben wurde. Ein Mahnmal sozusagen. Ich denke, dass es am Reed College deswegen harten Protest gegeben hätte… Haben dann Simon (studert auch an der FU) getroffen und haben sonst an diesem Tag nur gechillt. Es ist ungewöhnlich, mal gar nichts zu tun!

Abends haben Phil und ich erst einmal Nassi (auch FU) getroffen. Wir sind auf der Bourbon Street im French Quarter rumspaziert, welches die Altstadt New Orleans und eine ziemlich bekannte Party-Meile ist und wo allerlei Clubs und Bars sind. Und ja: die Leute hier wissen, wie man richtig Party macht! Es war unheimlich laut und geschäftig und voller Touristen, ab und zu roch es stark nach Erbrochenen (trage keine Flip Flops!) und verschiedene Bands hallten aus den Clubs. Bunte Ketten wurden an Mädels verteilt, die ein wenig von sich zeigten und die glitzernden Touri-Shops lockten mit allerlei Krimskrams von Masken, T-Shirt und Reizwäsche. Danach haben wir an der Kreuzung Canal Street/Carandolet noch einen Komilitonen von der FU getroffen, Clemens, der eine Freundin von Tulane mitbrachte. 4 Deutsche und eine Amerikanerin – und der Plan war: auf zum Oktoberfest!

Clemens, Nassi, Phil und ich

Clemens, Nassi, Phil und ich beim Oktoberfest

Oh ja. Mein zweites! Dieses war auch etwas größer, hatte eine Band und irgendwie nahmen die Amis die deutsche Kultur auch etwas ernster, was man z.B. an den lustigen Hüten, Lederhosen und undefinierbaren Tänzen ablesen konnte. Es gab natürlich Bier en masse, doch leider waren wir etwas spät dran, denn um Mitternacht war die Feier zu Ende. Schnell einen Pitcher Bier bestellt, von betrunken Amis vollabern lassen und dann mussten wir auch schon gehen. Da ich echt krass müde war, habe ich mich entschieden, zurück ins Hostel zu fahren. Zuerst wollte ich ja laufen, aber alle meinten, dass dies in New Orleans nachts in dieser Gegend keine gute Idee wäre, wenn mir mein Leben lieb sei. Also gut. $8 in ein Taxi investiert. Und: Schlafen!

Sonntag, 19.10.08: Gegen 13Uhr habe ich Phil an der Louisana Avenue getroffen, um auf eine Strassen-Parade zu gehen. Anfangs noch ziemlich klein, wuchs diese mit jedem Meter, den wir uns bewegten zu einer stattlichen Parade voller Musik und tanzender Menschen. Es gab sogar einen buntgeschmückten Wagen mit ein paar drolligen Damen in Kostümen. Der Weg führte uns durch eine Nachbarschaft in der Nähe des Superdoms (in dem während Hurrikan Katrina 2005 mehrere tausend Menschen  Zuflucht fanden.)

Kunst im Business District

Kunst im Business District

Gegen 16:00 haben wir dann frühzeitig die Parade verlassen und sind erst durch das Business District gelaufen (New Orleans hat sogar 4 Hochhäuser :-) !!) Richtung Downtown, wo wir uns mit McDonalds gestärkt haben. Ein $1 Cheeseburger hat übrigens 2 Stück Fleisch und Käse. Jawohl. Da Phil zu seiner Lerngruppe musste, bin ich noch einmal die Bourbon Street im French Quarter runtergelaufen und dann ins Hostel zurück. Ich musste immer noch ein wenig Schlaf nachholen.

Teil 2 folgt bald!