Thomas Beatie und seine Frau aus Oregon bekamen ihr zweites Kind. Und zwar Thomas, und nicht seine Frau (Die taz berichtet). Und die Mädchenmannschaft merkt an, dass so etwas in Deutschland auf Grund des Transexuellengesetzes leider nicht möglich sei, denn die Voraussetzungen für eine „erfolgreiche“ Geschlechtsumwandlung sei nur bei „dauernder Fortpflanzungsunfähigkeit“ und „geschlechtsangleichende Operationen“ gegeben. Aha. Transexuelle sollen also keine Kinder bekommen können, weil…?
Wie die New York Times heute berichtet, hält der kalifornische Supreme Court das Verbot der gleichgeschlechtliche Ehe aufrecht, welches durch Proposition 8 im letzten November entschieden wurde. Allerdings werden die Ehen, die vor letzten November geschlossen wurden, nicht (wie von rechten Konservativen erhofft) annuliert.
Gute Nachricht:
Obama hat seine Nominierung für Sonia Sotomayor als Supreme Court Richterin bekannt gegeben. Konservative laufen Sturm. Eine liberale Hispanoamerikanerin! Um Gottes Willen.
… besonders wenn sie naiven Republicans erklärt, warum die Kriminalisierung von Abtreibung verheerendere Konsequenzen hat als eine transparente, lehrreiche Sexualerziehung, in der Abtreibung als eine Option dargestellt wird.
Heute habe ich einen Workshop mitgestaltet, der die Konstruktion von „Weißheit“ und die damit verbundenen Privilegien kritisch untersucht. Ich war für die Gruppendiskussion verantwortlich (dass jede/r mal drankommt etc.) , was aber problemlos verlief, da wir letztendlich nur 12 Leute waren. Den Workshop hat eine Psychologin geleitet, die eine 680 (!) seitige Dissertation schrieb mit dem Namen: „Blinded by Whiteness: Understanding and Transforming Internalized Racism and White Privilege“ (Geblendet von Weissheit: Internalisierten Rassismus und „White Privilege“ verstehen und transformieren). Die Beschreibung war wir folgt:
This workshop will plumb the depths of American history and explore the roots of racism in America as a means to illuminate the ways racism is both institutionalized and internalized. This will allow us to identify some of the ways racist worldviews permeate our society and imagine ways to improve it. It will be conducted by Dr. Nancy Rogene, author of a 680-page dissertation on racism as a complex of the American cultural psyche.
Wir haben folglich die historische Entwicklung und Institutionalisierung von „White Privilege“ in europäisch-amerikanischer Geschichte untersucht und diskutiert, welche Auswirkungen das auf die heutige amerikanische Gesellschaft hat. Stichwort: Gesundheitssystem, Gefängnissystem, Wirtschaft und Ausbildung. Einer der prominentesten Forscher und Sprecher zu diesem Thema ist Tim Wise, der von dem neuem „Rassismus web 2.0″ spricht, der weniger offensichtlich, aber genauso gefährlich ist. Hier ein beeindruckendes Video:
Wer ein wenig mehr Interesse hat, checkt mal folgende Bücher aus:
Und hier noch die seeehr interessante Studie, die Tim Wise im Video erwähnte, in der 5000 identische Job-Bewerbungen rausgeschickt wurden, jeweils versehen mit „weiß“ oder „schwarz“ konnotierten Namen und man herausfand, dass die Antwort-Rate auf von angeblich weissen BewerberInnen geschriebenen Bewerbungen 50% höher war. Die Antwortrate war erst ungefähr gleich, als man durchschnittlich qualifizierte Bewerbungen von weissen BerwerberInnen gleichzeitig mit überdurchschnittlichen Bewerbungen (im Durchschnitt 8 Jahre mehr Erfahrung) von schwarzen BewerberInnen abschickte.
Mir ist gerade aufgefallen, dass ich euch noch gar nicht die Nachrichten des Monats mitgeteilt habe: María, Remi und ich haben vor ein paar Wochen unsere irgendwie spontanen spring break Pläne in die Tat umgesetzt und unsere Tickets nach Hawaii gebucht! HAWAIIIIIIII!!!
Nachdem Remi uns vor einiger Zeit erzählte, dass wir die Möglichkeit hätten, im Haus von ein paar Freunden seiner Host Family in Hawaii zu übernachten, wurde die Idee in Stein gemeißelt. Sonntag (15. März) geht’s los und Dienstag (24. März) früh gegen 7 Uhr kommen wir zurück, so dass ich vom Flughafen sozusagen in den Klassenraum reinstolpere.
Ansonsten geht es mir ganz gut, meine Kurse laufen prima und halten mich ordentlich beschäftigt. Habe schon meine ersten Arbeiten eingreicht, und gleich neue aufbekommen. Pro Kurs werde ich dieses Semester auf 2-3 kleinere Hausarbeiten von je 5-7 Seiten kommen, plus die Abschlussarbeiten von 10-15 Seiten. Da ich mich an das Arbeitspensum gewöhnt habe, schocken mich die vielen Arbeiten nicht mehr so sehr. Eine Menge Kaffee und wenig Schlaf wird mich auch dieses Semester durchbringen.
Schon seit Wochen habe ich mich auf Samstag (21. Februar) gefreut, denn Angela Davis gab dem Reed College die Ehre und hielt eine beeindruckende Rede über Obama, ihre Kritik zum Gefängnis-System und die Hoffnung auf eine politisch aktive und „rassen“-& geschlechter-&klassen-&sexualitäts-sensible Zukunft.
Angela Davis ist eine radikale Aktivistin, die sich in Form von Büchern, Reden und Protesten zu Themen wie Klasse, „Rasse“, Gender und Sexualität damals wie heute äußert/e. Stark engagiert in der Bürgerrechtsbewegung, die sie vorzugsweise als freedom movement (Freiheitsbewegung) bezeichnet, da die Zielsetzung ursprünglich über das Erreichen von Zivilrechten hinausging, war sie Mitglied in mehreren Organisationen (Black Panther, Kommunistische Partei der USA etc.). Anfang 1970 war sie auf der FBI Most Wanted List und wurde kurz daraufhin verhaftet, was eine weltweite Welle des Protest nach sich zog (an der meine Mama teilgenommen hat, jawohl). Nach zwei Jahren wurde sie entlassen und widmete sich seitdem insbesondere ihrer Kritik des (amerikanischen) Gefängnissystems.
Angela Davis@Reed College
Ungefähr 45 Minuten vor Beginn war die Schlange auf dem Campus vor dem Kaul Auditorium schon wahnsinnig lang; gut, dass meine KumeplInnen strategisch günstig platziert waren, so dass ich mich weiter vorne reinschmuggeln konnte. Trotzdalledem saßen wir so ungefähr in der Mitte, aber leicht erhöht mit guter Sicht. Der Saal war mehr als gefüllt und dafür, dass Portland ziemlich weiss ist, war der Saal ein Musterbeispiel an Vielfalt.
Leicht verspätet wurde Angela Davis schwungvoll angesagt und mit tosenden Applaus empfangen; diese freute sich über den vollen Saal und fragte: „Ihr seid doch nicht alle College Students, oder?“ worauf jemand antwortete: „Nee, wer kann denn $40.000 für’s studieren aufbringen?!“. Davis lachte laut und meinte: „Ja, davon spreche ich heute noch!“.
Sie begann mit einer kurzen Rekapulation des Black History Month („Monat für Schwarze Geschichte“), auf Grund dessen sie eingeladen wurde. Sie betonte insbesondere, dass es ein Fehler sei, den freedom movement immer nur mit individuellen Helden zu assozieren (z.B. Martin Luther King) und verwies besonders auf die vielen Afroamerikanerinnen, die die Bus-Boycotte organisierten und eine ebenso bedeutende Rolle in den verschiedensten Organisationen spielten. Im folgenden Zitat verdeutlicht Davis, warum es wichtig sei, soziale Bewegungen nicht als Akt Einzelner zu verstehen:
„History is seen as the accomplishment of individual heroes which makes it so hard to see ourselves as powerful agents“
Geschichte wird normalerweise als Verdienst einzelner Helden verstanden, was es erschwert, uns selbst als einflussreiche Handelnde zu sehen.
Angela Davis@Reed College
Demnach bedeutet ein schwarzer Präsident gar nichts, wenn der Rest der Elite aus vielen weißen Männern und ein paar weißen Frauen bestehe und die Gefängnisse offensichtlich überwiegend mit schwarzen und/oder armen Männern gefüllt sind. Sie kritisierte die Gefängnisse als Abfalleimer der amerikanischen Gesellschaft, in denen der Überschuss der Menschen, die der Kapitalismus nicht verwerten kann, abgeschlossen und ohne hinreichende Behandlung marginalisiert werden. Einer der Gründe für den enorm hohen Anteil an insbesondere schwarzen, jungen Männern in Gefängnissen seien rassistische Taktiken, wie z.B. racial profiling (Fahnung nach rassischen Kriterien), bei denen oftmals unschuldige schwarze Männer beschuldigt und/oder fälschlicherweise bestraft werden. Selbst bei einer offensichtlichen Schuld böte das Gefängnis nicht die ausreichenden Möglichkeiten zur Therapie sondern sei lediglich als Ort des Wegschlusses vom Rest der Gesellschaft zu verstehen (klingelingeling: Michel Foucault). Anstatt den InsassInnen zu helfen, werden sie stigmatisiert und oftmals falsch beraten/verteidigt, was zum civil death (zivieln Tod) führe. Als einer der Hauptgründe für diesen Zustand sieht Davis den Mangel an ausreichender Bildung. Im folgenden Video spricht sie vom Zusammenhang von schlechter Bildung und Inhaftierung und von Inhaftierten, die lernten sich selbst zu verteidigen, weil sie ungenügend Verteidigung erhielten.
Im zweiten Video appeliert Davis an die Obama-Administration Islamophobie, Homophobie und Rassismus ernst zu nehmen. Sie verlangt die Beendung des racial profiling, und bedauert den Erfolg von Proposition 8. Außerdem betont sie, dass rassistische Diskriminierung eine institutionalisierte Praxis sei, an der auch Schwarze teilnehmen.
„Racism is not attached to particular kinds of bodies (…) we assume that you can’t be racist if you’re black but there are a lot of black people who are in positions of power who use racism in order to do their work“
Rassismus ist nicht an bestimmte Körper gebunden (…) wir nehmen an, dass man nicht rassistisch sein kann, wenn man schwarz ist, aber es gibt eine Menge schwarzer Menschen, die hohe Positionen innehalten und Rassismus dazu benutzen, ihre Arbeit zu erledigen.
Die Rede war ungefähr 90 Minuten lang und hatte viele starke Momente, die ich leider hier nicht wiedergeben kann, aber ich denke, dass die Videos einen kleinen Eindruck geben,
Zum Schluss noch die junge Davis mit dem alten Honecker. Muss auch mal sein.
Berlusconi zeigt sich mal wieder von seiner besten Seite.
29. Januar:
Frankreich streikt. Während der Spiegel International (english) von einem Misserfolg spricht, stellt die Huffington Post (english) so einige Erfolge fest.
Der Lilly Ledbetter Fair Pay Act of 2009 wurde von Obama unterschrieben! Jenes Gesetz setzt die Verjährungsfrist von Gehaltsdiskriminierung mit jedem neuen Gehaltscheck zurück (im Gegensatz zum vorherigen Gesetz, welches den ersten Gehaltscheck als Stichtag nahm), was eine Klage nun auch nach Jahren nicht bemerkter Gehaltsdiskriminierung ermöglicht. „Change“ in zwei Bildern ausgedrückt:
Das erste Bild zeigt Bush, umringt von seinen Kumpanen, mit denen er 2003 ein Gesetz unterschreibt, welches Abtreibung im fortgeschritten Status unter Strafe stellt
Das zweite Bild zeigt Obama 2009, der das oben beschriebene Gesetz unterschreibt.
Magda hat all dies verschlafen, weil sie amerikanische Medizin (NyQuil) genommen hat, die sie für 24h völlig ausgeknockt hat. Ich habe nun den offiziellen Rekord im Krank-Sein gebrochen (4mal in 6 Wochen oder 6 Wochen hintereinander, wie man es auch interpretieren mag)
30. Januar:
Ein wahrlich historischer Tag. Mein Bruder hat Geburtstag und wird irgendwas mit 20. Und wenn ich etwas mehr Zeit habe, kümmere ich mich auch um ein angemessenes Geschenk.
Außerdem: ich habe jetzt meine Noten vom letzten Semester, welche das Reed College anscheinend ungern aushändigt, da ich erstens den so genannten Transkript beantragen und dann auch noch bezahlen musste. In einem kleinen Statement zur Noten-Politik am Reed (hier, als PDF in english) heisst es, dass Noten die StudentInnen nicht vom Lernen abhalten sollen. Und dass unter den Arbeiten in der Regel keine Noten, aber längere Kommentare stehen (oh ja!), weil konstruktive Kritik ja mehr sagt als eine Note. Reedies haben mir erklärt, dass es wohl eher etwas damit zu tun hat, dass die Uni keinen Aufstand der Studis wünscht, da gute Noten hier weniger großzügig verteilt werden. Also alles schön geheim halten.
31. Januar:
Vor ein paar Stunden wurde bekannt gegeben: US-Republikaner wählen erstmals Schwarzen zum Parteichef (zitiert nach Spiegel). Ich finde die RepublikanerInnen ja echt pfiffig: Erst versuchen sie es mit der Frauenquote und nun wählen sie auch noch eine Afroamerikaner. Wo soll das nur enden??
Es ist Freitag Nacht und ich kontrolliere Deutsch-Hausaufgaben. Anstatt mir auf einer College-Party Tequila den Rachen runterzujagen, versuche ich nun, das auf Grund meines gestrigen Totalausfalls Versäumte zu lesen. Das Semester hat offiziell begonnen!
Außerdem: Heute vor 36 Jahren trat Roe v. Wade In Kraft, das bahnbrechende Urteil zum Abtreibungs-Recht, welches dieses unter Privatrecht stellte und somit die Entscheidungen der einzelnen Bundesstaaten kippte, in denen Abtreibung illegal ist. Mit Obama kann man nun hoffen, dass es auch in den nächsten vier bzw. acht Jahren nicht vom Supreme Court aufgehoben wird.
Guten Abend. Ich bin gerade zurück nach Portland gekommen und dementsprechend sehr glücklich. Das ist aber nicht das wichtigste Ereignis heute, dem 20. Januar 2008, sondern selbstverständlich die Amtseinführung Obamas. (Inauguration). „Ein historischer Moment“ – wie mehrmals im amerikanischen Fernsehen erwähnt – war die Amtseinführung Obama’s allemal. Nach der wunderbaren Aretha Franklin, einem klassischen Quartett und einer nervösen aber berührenden Poetin Elizabeth Alexander wurde President Elect Obama Punkt 12 Uhr Mittag zum 44. Präsident der US of A – noch bevor er etwas stolperig aber symphatisch den Amts-Eid aufsagen konnte.
Seine Rede war wie immer intelligent, politisch korrekt und den-richtigen-Nerv treffend. Irgendwie gruselig.
Auf Sociological Images, meiner neuen Lieblingsseite, habe ich folgende Graphik gefunden, die nach Häufigkeit sortiert die Schlüsselwörter hervorhebt, die Obama in seiner Rede benutzte. Die gelb-hervorgehobenen Wörter sind jene, die verglichen mit anderen Amtseinführungs-Reden überproportional oft verwendet wurden.
Ich habe bis ungefähr 13 Uhr (bis ich zum Flughafen musste) und dann wieder im Flugzeug quasi den ganzen Tag CNN geguckt und Obama auf jeden seiner Schritte begleitet. Inklusive seiner Party-Tour, bei der das frischeingeschworene Präsidenten-Ehepaar auf zehn Bällen kurze Reden hielt und jeweils ein Tänzchen hinlegte. Großes Thema ürbigens auch Michelle Obamas Kleid, welches laut einer „Fashion Expertin“ leider nicht überzeugte. Ich mag CNN. Wirklich. Aber Berichte über Michelle Obamas Garderobe (und die der anderen Damen des Abends) sind wirklich lächerlich.
Hier zwei interessante Links zu den Obama’s:
Obama ist nun Präsident. „Und nun?“ fragt sich Bernd Volkert in der Jungle World:
Was wird aus der riesigen Grassroots-Bewegung, die Obamas Wahlkampf unterstützt hat? Wird sie in die Demokratische Partei integriert oder bildet sie künftig eine unabhängige politische Struktur
Fotos von oben wurden übrigens aus der Huffington Post geklaut.
PS: Ich habe gerade den Feueralarm in meinem Zimmer aktiviert. Zu viele Kerzen, mit denen ich versucht habe, etwas Wärme in diesen kalten Raum zu bringen. Nach einem hektischen Kerzen-Auspusten und Fenster aufmachen ging der Alarm dann wieder aus. 5 Minuten später klopfte die Campus-Polizei an meine Tür, um sich zu vergewissern, dass ich das Reed College nicht abrenne. Ich habe überzeugend erklärt, dass ich ohne die Kerzen fast erforen wäre und mich tausendmal entschuldigt. Anstatt mich zu ermahnen, bemitleidete mich der Sicherheitstyp und meinte: „Ich will doch nicht, dass dir kalt ist!!“ und wünschte mir eine tollen Abend. Meinen Namen musste er trotzdem aufschreiben. Wahrscheinlich komm ich jetzt auf ‘ne schwarze Liste.
Das amerikanische Repräsentantenhaus hat eine Resolution (pdf) erlassen, die die offizielle Sprache gender-neutral macht. Chairman (Vorsitzender) ist nun nur noch Chair. Von Mann zu Möbel quasi. Wenn vorher von him oder his (z.B.: his vote = sein Votum) die Rede war, wird das von nun an durch such (= solche) oder durch gender-neutrale Bezeichnungen ersetzt. Selbst wenn schon von beiden Geschlechtern die Rede ist, wird he and she durch such individual ersetzt. Kleiner Ausschnitt (via thinkprogress.org):