… ist gerade in aller Munde. Die Band aus Portland/Oregon ist gerade auf Deutschland-Tour und das einzige, was eingehend beleuchtet wird, sind ehr so triviale Dinge. Dabei ist die Musik so dufte:
Hier ein cooles Live Video mit einem ihrer Smash-Hits „Jealous Girls“
Und hier ein Solo von Beth Ditto bei der „2nd Annual Dolly Parton Night“, eine Benefizveranstaltung für die „Siren Nation Women’s Music and Arts Festival“ in Portland, Oregon
Die letzten Tage waren unglaublich anstrengend, weil Aufwiedersehen sagen und traurig sein unheimlich ermuedend ist. Habe mit fast allen meinen KumpelInnen Abschied gefeiert:
Donnerstag abend hatte die internationale Gang ihr letztes gemeinsame Dinner. Ich habe jedem ein Fotoalbum gemacht, Peter hat uns jedem ein Buch geschenkt und Remi hatte uns herzzerreissende Briefe ins Postfach gelegt.
Freitag haben wir meinen franzoesischen Bruder morgens um 4 Uhr zum Flughafen gefahren, nachmittags habe ich mit Molly, meiner ACapella Kumpanin, in der Sonne Kuchen gegessen, abends sind wir mit anderen internationalen Studis peruanisch essen gegangen und danach Bier trinken mit Dana und Pooja, meine (Leid)Genossinen aus meinem Franzoesisch Kurs.
Samstag habe ich wie wild gepackt.
Sonntag haben wir fruehs schoen in der Sonne gefruehstueckt und sind anschliessend ein letztes Mal nach Hawthorne gefahren um Ben&Jerrys Milkshake und Kaffee zu trinken. Da unsere Kumpeline Polia uns Karten fuer das Graduation-Dinner geschenkt hat, haben wir abends schoen gegessen, bei Live Musik noch mal ordentlich abgedanct und Fotos mit Reed Praesident Colin Diver gemacht.
Montag war dann Graduation der Senior Class. Es war superheiss und der Reed Campus war voll mit Verwandten und der stolzen Abschlussklasse.
Maeve hat ihren Abschluss!
Magda und Maria am dancen
Peter, Maria, Colin Diver (Praesident von Reed College), Eva und Polia
So. Und jetzt sitze ich im Portland Flughafen und warte auf meinen Flug nach New York. Habe eine Stunde geschlafen und bin munter wie ein Eichhoernchen. Eva, Maria und Peter haben mich zum Flughafen gebracht. Einchecken war problemlos. Bald bin ich zu Hause.
Freitag Mittag hat meine Kumpeline Dana ihre Bachelorarbeit abgegeben, was mit Schampus, einem festlichen Lorbeer-Kranz als Kopfschmück und das Anbringen eines Stickers an die Wall of Fame der Seniors gefeiert wird.
Renn Fayre hat mit dem Einreichen der Abschlussarbeiten offiziell begonnen: 3 Tage Party, spielen, tanzen und chillen!
Renn Fayre begann mit der Thesis Parade, bei der die Seniors die Rohfassung ihrer Abschlussarbeiten verbrannten, der Schampus in Massen floß, sich alle abknutschten und dann die ganze Horde ins Eliot Hall Gebäude lief, um von Colin Diver, Präsident der Uni, beglückwunscht zu werden. Auf den Fotos seht ihr Dana auf dem Weg ihre Bachelorarbeit zu verbrennen und die drei Madels, Magda, Eva und Maria
Hier brennen ein paar Bachelorarbeiten
Der Sekt flog nur so durch die Luft, die Arbeiten brannten, die Marching Band spielte auf und alle tanzten. Ich litt nach einer Weile an absoluter Reizüberflutung inklusive überhöhten Alkoholkonsum, so dass wir nach der Parade erst einmal für ein paar Stunden im deutschen Haus crashten. Danach fertig machen, denn überall auf’m Campus waren Parties. In der SU (Student Union, Partysaal) spielte eine afrikanische Band und danach gab’s Punkrock Party.
Es gab verschieden Lounges, die jeweils ein bestimmtes Thema hatten, z.B. die
„Blue Lounge Sub-Free“ (drogenfrei), wo Alkohol und sonstiges unerwünscht ist und wo man Lego spielen kann
einen Raum voller Luftballons zum Toben
einen Raum mit Matratzen zum chillen und pennen
eine Erdnussbutter und Marmeladen Station
ein Open-Mic Raum mit Kaffee und Tee, wo jede/r musizieren kann
Techno und Dancehall Raum
Samstag war es sonnig und überall aufm Campus gab es verschiedenste Veranstaltungen. Die Departments haben gegeneinander Softball gespielt (Soziologie gegen Anthropologie); es gab eine riesige Rutsche mitten vor Eliott Hall; Schokoladenbrunnen (!!!), Essensstände, Bands und MusikerInnen überall! Ein Highlight waren die „Pictures“, eine Gruppe nackter Reedies getunkt in blauer Farbe, die über den Campus rannten und jede/n umarmten und küssten, der/die nicht schnell genug nein schrie – die so genannten „Anti Pictures“ haben die die „Pictures“ mit oranger Farbe gejagt
Es gab ein großes Festessen genannt „The Feast“, wo wir umsonst mit Lachs, Schwein, Maccaroni&Cheese und Kuchen verköstigt wurden (Reedies konnten im Vorfeld Punkte ihrer Essenskarte dafür sponsern)
Bands haben draussen gespielt und selbst als es in Strömen regnete, tanzten alle einfach in den Pfützen weiter.
Abends gab es ein riesiges Feuerwerk mit Musik und gegen Mitternacht gab es eine Überraschung in Form eines bekannten DJ’s, der nur für eine Stunde auflegte, weil er anscheinend unheimlich teuer war (unglaublich, es gibt etwas, was sich Reed nicht leisten kann!). Meine HA (house advisor) Marushka hat dann in der Blue Lounge beim Open Mic ein paar Lieder gesungen, als dann jemand vorschlug, dass ich doch auch mal was singen soll. Habe dann die Gitarre geschnappt und Fidelity gesungen, was mehr oder weniger gut klingt, wenn man schon lallig ist (aber in der alk-freien Zone nicht zugeben will, dass man schon getrunken hat)
Sonntag ging es munter weiter: es gab Unmengen an Spiele, Rodeo-Reiten, mehrere Bluegrass Bands und als Highlight eine Samba Marching Band, die den halben Campus zum tanzen brachte. Außerdem: ein Lube-Wrestling Contest
Mir wurde auf keinen Fall zu wenig versprochen: Renn Fayre war ein superbes Fest! Absolute Reizüberflutung. Hippie Alumnis überall. Illegale Substanzen en masse. Teenager auf ein paar skurillen Trips… Aber letztendlich lief alles smooth. Die von den Studis organisierten Patrouillen sorgten dafür, dass nur Leute mit gelben Bändchen auf’n Campus waren. Die Wasser- und Bagel-Patrouillen versorgten die Hungrigen und Durstigen. Es war skurill, aber der Spass meines Lebens. 3 Tage durchgetanzt und nun hab ich genügend Power für die letzten Tage: Ab morgen habe ich 72 Stunden, bis ich meine Abschlussarbeiten einreichen muss. Und jetzt: Schlaf.
Heute stelle ich euch eine Tradition vor, welche nicht nur einer der beliebtesten sondern auch verrücktesten von Reed’s Traditionen darstellt: RENN FAYRE (original: Rennaissance Fayre).
Renn Fayre ist eine 3-Tages Party am Ende des akademischen Jahres, welche interessanterweise vor den Examen und Hausarbeiten-Deadlines stattfindet. Renn Fayre beginnt am Freitag mit der so genannten Thesis Parade, welche die Verbrennung der Rohfassung der Abschlussarbeit zelebriert und in einer großen Rumknutsch-und-Sauf-Orgie endet.
Im Vorfeld wurden Treffen zu Drogengebrauch, Sex und Alkoholkonsum gehalten und eine große Veranstaltung für alle ErstsemesterInnen (inklusive exchange students) in Vollum organisiert, für die in der E-Mail drum gebeten wurde, bitte keinen Pot zu rauchen. Die Veranstaltung wurde von ein paar biertrinkenden Junior und Senior Studis gehalten, die uns darauf hingewiesen haben, dass die unter 21jährigen (alle im Raum, ausser Magda), verantwortlich mit Alkohol und „sonstigem“ umgehen sollen, damit die Polizei nicht kommt und die Party platzt. Folgendes bietet Renn Fayre neben Live Musik, Hüpfburgen, Spielen, Alkohol etc.: einen Ausruh- und Chill-Raum voller Kuscheltiere, eine Gruppe von Studis, die sicherstellt, dass keine Unbefugte den Campus betreten (wir haben alle Bändchen um den Arm), es wird eine extra Krankenstation (24h geöffnet) geben, ein Abschlussfeuerwerk etc. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm, weil vor ein paar Jahren Fremde auf den Campus gekommen sind und einen Schaden von $30.000 angerichtet haben. Eine Freundin hat mir folgendes Zitat geschickt, welches besagt, dass Renn Fayre wohl mal vom Playboy zu einer der besten Parties gewählt wurde. Ich weiss jetzt nicht, ob das gut oder schlecht ist…
Renn Fayre is Reed’s year end celebration. It was once listed in Playboy as one the coolest, most exclusive parties in the country, second only to burning man. Tickets are highly coveted by locals and nationwide party connoisseurs alike. Renn Fayre isn’t a party. It is a celebration our graduating class who have survived the agony of writing a thesis, completing a degree at one of the most difficult and prestigious schools in the country. It is celebrating the wild side of Reed and Reedies. We bring in outside performers, book our friends for varioius productions during the event and bring a loved one or three, but all of these people have made some valid contribution to the Reed community.
Wer ein Video von Reed’s Renn Fayre vom vorletztem Jahr ansehen will, klickt hier.
Heute ist mein letzter Unitag, morgen beginnt Renn Fayre. Dienstag und Mittwoch gebe ich meine Hausarbeiten ab und die Woche drauf habe ich noch ein Französisch Exam. Tja, und dann bin ich schon fast wieder da…
Portland: 27°C. Gefühlte Temperatur: 27°C. Die Vögelchen zwitschern.
Magda sitzt abwechselnd in ihrem Zimmer, in der Bibliothek oder im Gras und schreibt/liest/meckert über ihre Hausarbeiten.
Sonntag haben wir einen Road Trip zur Küste gemacht und am Strand gefroren, weil es so windig war. Wir sind dann zurück nach Portland und haben im Alberta District bei Zitronenkuchen, Kaffee und Nachmittags-Sonne realisiert, dass wir uns in weniger als 4 Wochen voneinander verabschieden müssen.
Grundstimmung: bedeckt. So werden auch die nächsten Tage: wolkig, bei 14°C.
Apropos ‘bedeckt’: Ein Sturm kommt auf! Homosexuelle Pärchen verursachen nun einmal krass schlechtes Wetter…
… nutzt ihre Zeit aber (im akademischen Sinne) nicht immer sinnvoll. Obwohl ich bereits an meinen Abschlussarbeiten werkele, und versuche, zumindest das Meiste meines Lesestoffes auch wirklich zu lesen, habe ich mir vorgenommen, so viel wie möglich hier noch zu erleben und mich mit vielen Leute zu betrinken zu treffen und nicht nur in der Bibliothek zu hocken.
Als Manu in den letzten Wochen hier war, hatte ich zeitweise meine Arbeit niedergelegt (in manchen Ländern nennt man das Streik), und
mit Eva und dem deutschen Department einen Filmabend organisiert („What Revolution?“ – Ostdeutschland 20 Jahre nach dem Mauerfall)
mit Manu und Alex Reed’s Fetish-Ball besucht (wo Manu und ich tolle Masken getragen haben)
war im Kino (Revolutionary Road!) & shoppen & lecker essen (Pizza mit Trüffeln)
habe eine tolle Vorlesung von Kimberly Springer zu „Black Feminists’s Critique on Neoliberalism“ gehört
einer zukünftige Studentin Reed gezeigt („Host a Prosby“-Programm)
ein dekantes Osterfest verlebt, für das Eva extra ein Buffett ins deutsche Haus hat liefern lassen (Dank ihrere Essenskarte, auf der noch so viele Punkte drauf sind)
Und: wir haben ein Dinner im Titanic Style besucht! Dafür wurde extra ein Teil der Mensa abgesperrt und ein original Titanic Dinner aufgetischt. Und wir haben den Dresscode natürlich ernst genommen: Piotry und Remi haben sich über ihre Anzüge Schwimmwesten übergezogen, Maria und Eva spielen die gutbürgerlichen 1. Klasse Madels und ich bin die neureiche, russische Extravaganza.
Dank Eva hier ein paar Fotos:
Nun geht’s aber in den akademischen Endspurt. For real. Alle Hausarbeiten sind in 3 Wochen fällig, und nebenbei noch Kurse besuchen, lesen, und die anderen tollen non-akademischen Dinge machen, die ich so plane. (z.B. vielleicht mal nen bissel Sightseeing in Portland, ähm). Die Umfragen für eines meiner Research-Projekte („Non-professionelle RockmusikerInnen in Berlin“) habe ich abgeschickt und sammele und analysiere nun die Antworten (liebe MusikerInnen, bitte meine Umfragen ausfüllen ). Die anderen beiden Hausarbeiten haben zumindest schon ein Thema und Theorie.
Tunten von rechts nach links: Magda, Alex und Manu
Manu ist hier und zwar pünktlich zum berühmten Dragball, der letztes Wochenende stattgefunden hat. Mehr Infos auf Manu’s Blog. Ich leide an akuter Zeitnot, aber Fotos von uns duften Schnitten werde ich euch natürlich nicht vorenthalten.
In der letzten Woche habe ich 2 fette Hausarbeiten und ein Essay geschrieben und zu meinem Glück diese Woche noch eine Mini-Analyse in Französisch dazubekommen. Aber das ist nun Vergangenheit, denn ich habe gerade meinen letzten Satz geschrieben. Hell Yeah. Hausaufgaben drucken, einreichen und mal ‘ne Runde chillen ist nun angesagt. Heute Abend geht’s dann wahrscheinlich ins Kino „Watchmen“ angucken und morgen wird ausgeschlafen, Kofferchen gepackt, Haare gefärbt und sich ganz doll auf Hawaiiii gefreut. Sonntag Mittag gehts los auf die kleine Insel O’hau mitten im pazifischen Ozean. María, Remi und ich (aber am meisten María) sind die besten last-minute UrlaubsplanerInnen die’s so gibt – Hostel und Auto sind seit gestern nun auch gebucht. Spitzenleistung.
Hier könnt ihr ein wenig mit Google rumspielen und euch angucken, wo ich bald im Pazifik schwimmen werde.
Ansonsten:
Ich war Mittwoch vormittag mit Eva beim Gender Symposium im Lewis&Clark College, das zweite private, liberal arts College in Portland, weil sich ein Teil dessen mit Deutschland beschäftigte. Das Symposium wurde hauptsächlich von Reed oder Lewis&Clark Studis und Profs durchgeführt und die Vorträge waren allesamt sehr interessant. Hier der Ausschnitt:
Engendering Germany
Moderator: Maureen Healy, LC Associate Professor of History Jacqueline Dirks, Cornelia Marvin Pierce Professor of History and Humanities, Reed College, and Devin McGeehan Muchmore, Reed College student, “Mädchen in Uniform: German Girlhood, Lesbian Representation, and Anti-Fascist Politics in Interwar America” Luke Rodeheffer, LC student, “Female Homosexuality and National Socialism: Policy and Persecution” Emily Katzman, LC student, “Women in Post-WWII Germany” Maureen Reed, Adjunct Professor, Portland State University, “Memoirs of a Rabenmutter: What Happened When a New American Mom Went to Old Europe”
Donnerstag nachmittags hat mich dann mal wieder meine Hostfamily getroffen, Tochter 1 beim Basketball spielen zugeguckt, mit Tochter 2 gesungen und mit der Family Falafel gegessen. Um 9 dann schnell zurück zum Campus, A Capella Probe und nachts die letzten Hawaii Planungen. So. Und jetzt werde ich ganz groß mit roter Farbe „Freiheit“ an meine Wand sprühen.
Organisiert vom Deutschen, Französischen und Spanischen Haus stieg Samstag abends in der SU (Partyzone Reed’s) die Europop Trash Dance Party, mit allen europäischen Dance Pop Klassikern aus insbesondere den ‘90er Jahren. Ich kann stolz verkünden, dass ich kaum ein Lied kannte (was viel über meinen exzellenten Musikgeschmack aussagt), aber ich hatte trotzalledem unglaublich viel Spass. Zu einer trashy Party gehören nämlich auch coole Kostüme. Und in Sachen verkleiden sind die Reedies SpitzenmeisterInnen. Die Kostüme haben auch ein kleines bisschen gezeigt, wie man hier Europa wahrnimmt – da müssen wir wohl an unserem Image arbeiten… Viel Glitzer, knallenge Leggins in Neonfarben, Netzhemden, Hemden mit Schulterpolstern, Polyester. Erinnert ein wenig an DDR mit viel Sexappeal and Glitter. Hach, und es gab eine Zuckerwatte-Maschine! Und Unmengen an Lollipops! Und Neonröhrchen! Ich liebe dieses unbekannte Europa!
PS: Heute hat Konni (Bruder II) Geburtstag!! Endlich 21! Das heisst, dass du jetzt in den USA trinken kannst, oder besser: dass du in Deutschland jetzt schon 5 Jahre trinken kannst!
Schon seit Wochen habe ich mich auf Samstag (21. Februar) gefreut, denn Angela Davis gab dem Reed College die Ehre und hielt eine beeindruckende Rede über Obama, ihre Kritik zum Gefängnis-System und die Hoffnung auf eine politisch aktive und „rassen“-& geschlechter-&klassen-&sexualitäts-sensible Zukunft.
Angela Davis ist eine radikale Aktivistin, die sich in Form von Büchern, Reden und Protesten zu Themen wie Klasse, „Rasse“, Gender und Sexualität damals wie heute äußert/e. Stark engagiert in der Bürgerrechtsbewegung, die sie vorzugsweise als freedom movement (Freiheitsbewegung) bezeichnet, da die Zielsetzung ursprünglich über das Erreichen von Zivilrechten hinausging, war sie Mitglied in mehreren Organisationen (Black Panther, Kommunistische Partei der USA etc.). Anfang 1970 war sie auf der FBI Most Wanted List und wurde kurz daraufhin verhaftet, was eine weltweite Welle des Protest nach sich zog (an der meine Mama teilgenommen hat, jawohl). Nach zwei Jahren wurde sie entlassen und widmete sich seitdem insbesondere ihrer Kritik des (amerikanischen) Gefängnissystems.
Angela Davis@Reed College
Ungefähr 45 Minuten vor Beginn war die Schlange auf dem Campus vor dem Kaul Auditorium schon wahnsinnig lang; gut, dass meine KumeplInnen strategisch günstig platziert waren, so dass ich mich weiter vorne reinschmuggeln konnte. Trotzdalledem saßen wir so ungefähr in der Mitte, aber leicht erhöht mit guter Sicht. Der Saal war mehr als gefüllt und dafür, dass Portland ziemlich weiss ist, war der Saal ein Musterbeispiel an Vielfalt.
Leicht verspätet wurde Angela Davis schwungvoll angesagt und mit tosenden Applaus empfangen; diese freute sich über den vollen Saal und fragte: „Ihr seid doch nicht alle College Students, oder?“ worauf jemand antwortete: „Nee, wer kann denn $40.000 für’s studieren aufbringen?!“. Davis lachte laut und meinte: „Ja, davon spreche ich heute noch!“.
Sie begann mit einer kurzen Rekapulation des Black History Month („Monat für Schwarze Geschichte“), auf Grund dessen sie eingeladen wurde. Sie betonte insbesondere, dass es ein Fehler sei, den freedom movement immer nur mit individuellen Helden zu assozieren (z.B. Martin Luther King) und verwies besonders auf die vielen Afroamerikanerinnen, die die Bus-Boycotte organisierten und eine ebenso bedeutende Rolle in den verschiedensten Organisationen spielten. Im folgenden Zitat verdeutlicht Davis, warum es wichtig sei, soziale Bewegungen nicht als Akt Einzelner zu verstehen:
„History is seen as the accomplishment of individual heroes which makes it so hard to see ourselves as powerful agents“
Geschichte wird normalerweise als Verdienst einzelner Helden verstanden, was es erschwert, uns selbst als einflussreiche Handelnde zu sehen.
Angela Davis@Reed College
Demnach bedeutet ein schwarzer Präsident gar nichts, wenn der Rest der Elite aus vielen weißen Männern und ein paar weißen Frauen bestehe und die Gefängnisse offensichtlich überwiegend mit schwarzen und/oder armen Männern gefüllt sind. Sie kritisierte die Gefängnisse als Abfalleimer der amerikanischen Gesellschaft, in denen der Überschuss der Menschen, die der Kapitalismus nicht verwerten kann, abgeschlossen und ohne hinreichende Behandlung marginalisiert werden. Einer der Gründe für den enorm hohen Anteil an insbesondere schwarzen, jungen Männern in Gefängnissen seien rassistische Taktiken, wie z.B. racial profiling (Fahnung nach rassischen Kriterien), bei denen oftmals unschuldige schwarze Männer beschuldigt und/oder fälschlicherweise bestraft werden. Selbst bei einer offensichtlichen Schuld böte das Gefängnis nicht die ausreichenden Möglichkeiten zur Therapie sondern sei lediglich als Ort des Wegschlusses vom Rest der Gesellschaft zu verstehen (klingelingeling: Michel Foucault). Anstatt den InsassInnen zu helfen, werden sie stigmatisiert und oftmals falsch beraten/verteidigt, was zum civil death (zivieln Tod) führe. Als einer der Hauptgründe für diesen Zustand sieht Davis den Mangel an ausreichender Bildung. Im folgenden Video spricht sie vom Zusammenhang von schlechter Bildung und Inhaftierung und von Inhaftierten, die lernten sich selbst zu verteidigen, weil sie ungenügend Verteidigung erhielten.
Im zweiten Video appeliert Davis an die Obama-Administration Islamophobie, Homophobie und Rassismus ernst zu nehmen. Sie verlangt die Beendung des racial profiling, und bedauert den Erfolg von Proposition 8. Außerdem betont sie, dass rassistische Diskriminierung eine institutionalisierte Praxis sei, an der auch Schwarze teilnehmen.
„Racism is not attached to particular kinds of bodies (…) we assume that you can’t be racist if you’re black but there are a lot of black people who are in positions of power who use racism in order to do their work“
Rassismus ist nicht an bestimmte Körper gebunden (…) wir nehmen an, dass man nicht rassistisch sein kann, wenn man schwarz ist, aber es gibt eine Menge schwarzer Menschen, die hohe Positionen innehalten und Rassismus dazu benutzen, ihre Arbeit zu erledigen.
Die Rede war ungefähr 90 Minuten lang und hatte viele starke Momente, die ich leider hier nicht wiedergeben kann, aber ich denke, dass die Videos einen kleinen Eindruck geben,
Zum Schluss noch die junge Davis mit dem alten Honecker. Muss auch mal sein.