verkaufen, verschenken, wegwerfen, packen und… shoppen. Und ein wenig Bachelorarbeit

Mai 13, 2009

Nachdem wir Montag und Dienstag Klamotten und Buecher aussortiert und verkauft haben, und ich ausserdem 4 Pakete voller Buecher Richtung Berlin verschickt habe (stolze 60 Pfund), habe ich gestern angefangen zu packen, damit ich einen Ueberblick habe, ob ich alles in zwei Koffer bekomme (nun koennte man mal anfangen zu beten). Damit das ganze Geld, was wir mit Buecher- und Klamottenverkauf bekommen haben, auch ja nicht der deutschen Wirtschaft zu Gute kommt, waren wir noch einmal shoppen um die niedrigen Preise zu geniessen. Wir sind ein letztes Mal in unseren Lieblingslaeden gegangen (Forever XI, Bath and Body Works, und insbesondere alle Second Hand Laeden in Hawthorne, oh je, wie sehr werde ich diese vermissen…) und haben stundenlang in Powells, Amerika’s groessten Buecherladen, gelesen, Kaffee getrunken und sind durch die verschiedenen Abteilungen gestoebert. 

Gestern haben mir dann ein paar Stimmen gefluestert, dass ich mal ueber meine Bachelor-Arbeit nachdenken muss, habe heute ein Themenvorschlag geschrieben und denke in den naechsten Tagen darueber nach, ob ich dieses auch wirklich behalten moechte, denn die offizielle Themenabgabe-Frist ist schon am 22. Mai. Fuer Themenvorschlaege bin ich offen

In den naechsten Tagen heisst es Abschied nehmen: Remi fliegt Freitag, 15.05., nach San Francisco und begibt sich dann auf einen Hippie Bus Roadtrip durch halb USA, Eva und ich fliegen am 19.05, Maria am 20.05 und Pyotr ein paar Tage spaeter. Muss morgen noch mein Franzoesisch Examen meistern und bin dann offiziell Reed Alumna. Einen Tag bevor ich fliege ist Graduations Feier – meine Senior Kumpels und Kumpelinnen haben somit ihren Bachelor in der Tasche. Und ich fange meine Bachelorarbeit an. Krrr.

 


El Paradiso

März 22, 2009
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Sandy Beach

18. März: Morgens sind wir ins Auto gesprungen, um die Ostküste nordwärts nach schönen Stränden Ausschau zu halten. Traumhafte Kulissen, strahlender Sonnenschein, Palmen und weißer Sand. Wie im Bilderbuch. Der Strand mit dem klangvollen Namen Sandy Beach war vor einer wunderschönen Bergkulisse und sehr verlockend, denn die Wellen schlugen hoch; laut eines roten Schilds gefährlich hoch. Ins Wasser reinzukommen war schon schwer, denn man musste einen günstigen Moment abwarten, schnell reinsprinten und hoffen, dass man nicht von den Wellen wieder ans Land gespült wird. Ein paar blutige Schrammen folgten, denn das Wasser war unglaublich mächtig. Mit Natur ist halt nicht zu scherzen. Der Strand ist auf Grund der guten Wellen auch sehr beliebt bei Surfern.

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Blick über Oahu

Nach dem Baden sind wir auf einer Mini-Wandertour einen kleinen Berg hochgegangen, auf dessen Spitze man halb Oahu überblicken konnte. Beeindruckend waren besonders die Wassermassen, die sich um die Insel herum bis ins Unendliche ziehen. Es ist ein ganz eigenartiges Gefühl zu wissen, dass Hawaii ein klitzekleiner Punkt im riesigen Pazifik ist. Das beste Erlebnis des Tages waren die Wale, die wir von weitem beobachten konnten. Wir sahen mehrere Rudel, die zwar ziemlich weit entfernt, aber noch sichtbar im Wasser spielten. Unglaublich!

19. März: Magda hat Geburtstag. Und zwar 3mal. Nach deutscher, oregonscher und hawaiianischer Zeit. Nun bin ich alt wie ein Baum mit 23 Ringen.

dscf01901Es war warm, aber etwas bedeckt, also heute mal kein schwimmen im azurblauen Wasser. Wir schnappten uns unser Leihauto und fuhren an der Westküste entlang, um den Byodo-In Temple im Valley of the Temples zu besichtigen, ein Tempel erbaut nach japanischem Vorbild zu Ehren der ersten japanischen Einwanddscf0170erInnen in den 1960ern. Auf dem Weg dahin hielten wir an einer Straßenecke, um ein paar Kokosnüsse und Bananenchips zu kaufen und picknickten an einem schönen Palmenstrand. María und Remí sangen Happy Birthday für mich und ich durfte die Kerzen auf meinen Geburtstags-Doughnut auspusten. Danach fuhren zum besagten Tempel, der inmitten eines Friedhofes gelegen war; sehr beeindruckend vor einer Gebirgskulisse, die halb im Nebel lag.

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María und ich vor dem Byodo-In Temple

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Byodo-In Temple

Abends sind María und ich ein wenig Touri-shoppen gegangen und trafen uns dann mit Remí in der Cheesecake Factory um ein anständiges Geburtstags-Mahl zu schnabulieren.

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Die MitarbeiterInnen haben ein Geburtstagsständchen gesungen und ich habe Eis und Käsekuchen bekommen. Hmm. Schokoladen-Käsekuchen. Vollgestopft und glücklich sind wir dann ins Bett gefallen. Remi hat mir mein Geburtstagsgeschenk von Piotr, dem Russki, gegeben, ein Buch, dass How to talk about books you haven’t read (Wie man über Bücher redet, die man nie gelesen hat) heißt. Genau das richtige Buch für mich, um mein Lesepensum in Reed ein wenig einzuschränken.

Am nächsten Tag mussten wir unsere Sachen packen und Honolulu auf Wiedersehen sagen. Es ging Richtung Norden, zum Northshore, wo es weniger touristisch als der Waikiki Strand im südlichen Honolulu ist, super Wanderrouten gibt und die Wellen unglaublich sind. Hier finden z.B. diese ganzen Surfwettbewerbe statt.

20. März: Wir haben gegen 9 Uhr morgens unsere Sachen gepackt und ins Surfer-Dörfchen Haleiwa gefahren, wo unser Hostel im Norden Oahu’s liegt. Auf dem Weg dahin sind wir an ein paar Stränden angehalten, um zu schwimmen. Hadscf0065be ein wenig zu viel Sonne abbekommen, und hatte dann ordentlich Kopfschmerzen. Obwohl ich mich hier alle 30 Minuten mit Sonnencreme einschmiere, habe ich mit heute einen kleinen Sonnenbrand eingefangen. Hawaii’s Sonne ist also stärker als Sonnenschutz 50.

Das Hostel ist ein kleiner Bungalowkomplex, wo fast nur Surfer wohnen. Es gibt keine Türen und die Fenster sind nur mit Moskito-Schutz behangen. Alles sehr rudimentär und urig und buntbemalt mit bunten Surfer Bildern. Aber jetzt erst einmal schlafen, Urlaub ist unglaublich anstrengend ;-)

Und hier noch ein wenig Strand-Aloha

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Magda und Remi mit viel Aloha

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María, Miss Spain

Videos und Fotos folgen. Die Internet-Verbindung ist leider nicht so gut und ich bin müüüüde.

ALOHA!!


himmelhochjauchzendzutodebetrübt

Februar 16, 2009

Mein Wochenende kann ich mit einem Wort beschreiben: himmelhochjauchzendzutodebetrübt (man nennt das compound word).

Freitag, der 13. (ui ui): Nachmittags hatte ich einen kleinen Auftritt mit meiner A Cappella Gruppe, um die neuen Möbel der Student Union (=SU, der Party-Saal) zu zelebrieren. Reedies finden die eigenartigsten Gründe um Parties zu schmeissen. Danach sind wir zu einem Vortrag zum Thema „Internationale StudentInnen und Steuererklärung“ gegangen, wo ich null verstanden habe. Weil ich hier für das deutsche Department arbeite, muss ich solch eine aber ausfüllen. Hmm. Abwarten und Kaffee trinken. Nachdem ich dann Freitag Abend ergebnislos versucht habe, mich mit dem wasserähnlichen Tequila in einer Bar in der Nähe des Campus  zu betrinken, bin ich relativ früh schlafen gegangen, weil wir Samstag eine Menge auf dem Plan hatten.

Samstag, der 14.: Morgens sind Maria und ich erst einmal fleißig ein paar Bahnen in der Schwimmhalle geschwommen, welches anschliessend mit einem exorbitant riesigen Frühstück zelebriert wurde (wer schwimmt, darf essen – insbesondere Schokoladen-Pancakes). Danach ging’s Downtown Richtung Shopping. Ich habe mir endlich einen Badeanzug besorgt, da ich in der Schwimmhalle wegen meines Fake-Shorts-und-Shirt-Badeanzugs schon giftige Blicke einfing. Für’s Protokoll: Badeanzüge sind nicht meine besten Freundinnen. Punkt.

[Um eure Phantasie ein wenig anzuheizen, wie ich in einem Badeanzug aussehen KÖNNTE, checkt mal folgendes YouTube Video aus (bitte ignoriert den bescheuerten Songttext, aber nehmt zur Kenntnis, dass einer der Tänzerinnen in Wirklichkeit ein Tänzer ist. Long live Beyonce).]

Nach dem erfolgreichen Erwerb eines Badeanzugs haben wir die Jungs (Remi und Piotr) getroffen, um ins Kino zu gehen. Nachdem wir mehrere Kinos im Umkreis abgeklappert haben, weil alle sehenswerten Filme ausverkauft waren, landeten wir in einem kleinen, ziemlich merkwürdigen Kino, in dem man im Kinosaal essen (bzw. schmatzen) darf. Der Film, Frozen River, war exzellent; das Tellergeklapper allerdings nervtötend.

Danach Pizza essen und dann schnell zurück zum Campus, denn wir wollten den 14. Februar gebührend feieren: Und nein, nicht etwa Valentinstag, sondern das bulgarische Weinfest!!! Es gab Käse, Brot und Wein für alle, und Tequila für Magda. Tja, nun kann ich nicht mehr behaupten, dass ich mich von Alkohol noch nie übergeben habe. Erst neben’s deutsche Haus (was für ein starkes Statement, by the way) und dann in meinen Papierkorb. Unglaublich, wie weinerlich betrunkene Menschen (beziehungsweise ich) werden können. Die internationale Gang hat sich aber liebevoll um mich gekümmert, mir die Hand gehalten und mich dann ins Bett gebracht.

Sonntag, der 15.: Interessanterweise wache ich am nächsten Morgen völlig munter auf und mache mich auf in die Bibliothek. Alkohol ist leider keine Entschuldigung fuer Arbeitsverzögerung. Meine erste Arbeit ist schon wieder abgegeben. Abends hatte ich Probe mit meiner A Capella-Gruppe, in der wir entschieden haben, dass wir höchstwahrscheinlich den oben verlinkten Song singen werden. Beyonce A Cappella? Wir werden sehen.

In den letzten Tagen bin ich ziemlich sentimental, denn langsam dämmert es mir: In ein paar Tagen bin ich 6 Monate hier. Mir bleiben also nur noch ungefähr 4 Monate, bevor ich nach Berlin zurückfliege (sozusagen in das richtige Leben), was mich gleich einmal in eine existentielle Krise gestürzt hat. Ich habe noch so viel vor, und weiss, dass ich dann eine Menge hinter mir lassen muss…

Derweil werde ich mich mit ein paar Folgen „Target Women“ von Sarah Haskins aufmuntern. Hier eine zu Schokolade und hier eine zu Online Dating.


Seattle

Dezember 1, 2008

Am Freitag morgen um halb neun sollte es mit einem Leihauto nach Seattle (Washington) losgehen, aber da Piotr (wie immer) verschlafen hatte und nicht gerade der Schnellste ist, ging es erst gegen 10 Uhr los. Eine 3.5 stündige Fahrt lag vor uns, der erste Stop gleich nach 30 Minuten, um Kaffee und Frühstück zu besorgen.

Seattle Skyline
Seattle Skyline

Gegen 2 sind wir dann in Seattle angekommen, wo wir unsere Sachen im Green Tortoise Hostel ablegten, ein nettes kleines Hostel mitten in der Innenstadt Seattles, 5 Minuten vom Pike Place Market entfernt (wo der erste Starbucks der Welt eröffnet wurde). Die Nacht kostete $30, inklusive Frühstück und Thanksgiving Reste-Essen, was angesichts der Tatsache, dass wir in der Innenstadt wohnten, wirklich günstig ist.

Nach der Begutachtung der Zimmer seattle at night(wir hatten ein 6er Zimmer für uns 5, und die Betten hatten so kleine Gardinen, also etwas Privatsphaere) haben wir dann die Innenstadt erkundet, die voller Menschen war, denn Freitag war „Black Friday“ (Schwarzer Freitag) – der Tag nach Thanksgiving, wo die Geschäfte ihre Waren zu extrem guenstigen Preisen anbieten – der Startschuss fuer die Weihnachtseinkäufe quasi.

Wir klapperten ein paar Läden ab (u.a. auch H&M, denn das gibt’s in Portland nicht) und schlenderten durch die Innenstadt, die voller Weihnachtsdeko war; es gab auch einen kleinen Weihnachtsmarkt mit Karrussels. Inmitten der Menschenmasse fand auch eine kleine Anti-Konsum Demo statt. Nach Klamotten- und Büchershopping (KONSUM) haben wir im Einkaufszentrum gegessen, wonach die Jungs dann müde zurück ins Hostel gegangen sind. Maria, Eva und ich, erprobte Power-Shopper, blieben noch bis 22 Uhr in der Innenstadt, um ein paar Schnäppchen abzustauben. Schuhe habe ich leider nicht gefunden, obwohl meine Stiefel nun langsam auseinanderfallen.

spaceneedleAm naechsten Morgen haben wir uns erst einmal mit Kaffee eingedeckt (Seattle hat geschaetzte Trillionen Starbucks Filialien und etliche andere Kaffeehäuser) und sind dann mit so einer Art Schwebebahn zum Space Needle gefahren, eine Art Aussichtsturm und sozusagen das Symbol Seattles. Danach sind wir zurück in die Innenstadt zum Public Market, wo es so allerlei Touristik Zeugs gibt und kleinere Läden. Wir haben den ersten Starbucks-Laden der Welt besichtigt, russische Piroschky gegessen und den Strassenbands gelauscht. Dann sind wir in einen kleinen, sdscf0449ehr gut sortierten Buchladen namens Left Bank Books gegangen, wo man so einiges alternatives Buchwerk findet, u.a. habe ich einige Riot Grrrl Fanzines gefunden. Danach haben wir uns das Auto geschnappt und sind in die Fremont Nachbarschaft gefahren, eine Künstlergegend, wo man die Skyline von Seattle sehen kann. Nach einem missglückten Versuch, in eine Bar reinzukommen (unter 21 ist hier leider nichts zu machen – Piotr ist noch 20), spazierten wir in Fremont herum, bestaunten eine riesige Lenin Statue, kauften den dritten Kaffee des Tages und aßen dann in einem Burger Laden XXL Burger.

die internale Super-Truppe

die internationale Super-Truppe

Hier ein Video einer Musikantentruppe vorm ersten Starbucks der Welt:

Am Sonntag sind wir morgens erst einmal Piroschky essen gegangen, weil es sodscf0026 lecker war und haben noch mal lustigen Strassenmusikern zugehört. Dann ging’s ab ins Modern Art (Moderne Kunst) Musuem gegangen, wo u.a. eine Edward Hopper Ausstellung stattfand. Die Weihnachtsdeko im Vorraum, die von der Decke hing, war sehr interessant und irgendwie… unkonventionell!

Danach entschieden wir uns nach Olympia zu fahren, die Hauptstadt Washingtons. Dort gab es einen Weihnachtsmarkt und einen Kinder-Weihnachtsbaum. Sehr kleinstadtmäßig. Da wir in Seattle nicht zum Hafen gegangen sind, haben wir dies in Olympia getan, was abends nicht mehr so romantisch sondern irgendwie gruselig ist. Sind also schnell wieder in die Stadt zurück und in einem netten Restaurant essen gegangen. Danach hiess es: zurück nach Portland!

Da wir noch Zeit und Benzin im Tank hatten, entschieden wir uns nach 4-stündiger Fahrt, durch die Nachbarschaft des Reed Colleges zu fahren und kitschige Häuser mit Weihnachtsdeko auszuspähen. Und es ist wirklich nicht schwer, in den USA mit Weihnachtsdeko überladene Häuser zu finden, weil sich die Amisdscf0075 zu Weihnachten wohl sagen: Ganz oder gar nicht. Wir kamen aus dem Lachen nicht mehr raus und hielten an und machten Fotos von den schrecklichsten Häusern, hier unsere 1+:

Mehr Fotos von Seattle HIER.


Von deutschen Festen, Portland und Art Spiegelman

Oktober 11, 2008

Eva und das wunderbare Essen

Die letzte Woche stand auf jeden Fall im Zeichen der Deutschtümelei, welche durch den 3. Oktober (erinnere: Tag der deutschen Einheit) eingeleitet wurde. Eva, die deutsche language scholar (Sprachlehrerin) und ich durften abends stellvertretend für das deutsche Department an die University of Portland fahren und den „Day of German Unity“ feiern, organisiert u.a. von dem deutschen Generalkonsultat in San Francisco und dem Staate Niedersachsen. Und ja, es wurden beide Nationalhymnen gesungen. Live, mit Piano und Sopranette. Die Reden waren unheimlich deutsch – Achtung: es folgen Stereotype – steif, verdammt unlustig und holprig. Aber ein Blick auf das reichhaltige Buffett ließ auf Besserung hoffen, und wirklich: gebackener Camembert gewälzt in Nüssen, Schinken, Rotkohl, Brot und Unmengen an Dips, Salate, Apfelstrudel und Käsekuchen… yammyamm. Dafür höre ich mir auch gerne mal die deutsche Nationalhymne an.

Obwohl wir hauptsächlich mit Essen beschäftigt waren, haben wir uns kurz mit einem Exil-Deutschen unterhalten, der aus dem Osten geflohen ist, nach Amerika gegangen ist, ohne Abitur hier studieren durfte und nun schon fast 50 Jahre hier lebt. Seine ganze Familie ist in Deutschland geblieben. Wenn ich so etwas höre, kriege ich immer Gänsehaut…

Am Samstag, den 4. Oktober, haben wir der Uni erst einmal komplett den Rücken gekehrt: Wir sind wir schön gemütlich frühstücken gegangen (Portland hat echt viele tolle Kaffeehäuser) und danach ein wenig in der Gegend rumspaziert, um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen. An diesem Tage habe ich übrigens 1.) mein zukünftiges Auto entdeckt ($38.000), 2.) mein zukünftiges Hochzeitskleid erspäht ($20) und 3.) mein zukünftiges Häuschen besichtigt (??$, Portland hat so viele, putzige bunte Häuser!!)

Remí und María

Abends sind wir in einem herrlichen Restaurant mir vielen französischen Gerichten gewesen, besonders zur Freude der beiden französischen language schloars Remí und Timmothé, die sich über tollen Wein und Camembert freuten. Wenn wir abends weggehen, müssen wir übrigens immer darauf achten, dass wir unsere Pässe oder einen anderen amtlich anerkannten Ausweis mit uns haben, weil wir sonst noch nicht mal ein Restaurant geschweige denn eine Bar betreten dürfen. Selbst wenn man keinen Alkohol trinken möchte, muss man in Bars immer und in Restaurants ab 22Uhr einen Ausweis vorlegen, der beweist, dass man über 21 Jahre ist und demnach Alkohol trinken darf. Einmal hatte ich nur meinen internationalen Studienausweis dabei, der nach Oregon-Gesetzt nicht rechtsgültig ist,und wir mussten die Bar verlassen.

... eine der vielen Brücken von Portland
… eine der vielen Brücken von Portland

Nachts sind wir dann noch ein in wenig Downtown Portland spaziert, eine der letzten angenehmen Nächte übrigens, die letzte Woche wurde nämlich extrem kalt. Es erscheint fast so, als gäbe es hier keinen Herbst: nachdem wir vorletzte Woche noch Sonnenschein und moderat warmes Wetter geniessen konnten, wurde es schlagartig kalt, so dass es nachts kaum mehr als 5°C sind.

Nach diesem schönen Tag hiess es wieder: Zurück an die Bücher, denn es stehen die mid-terms an (Prüfungen und Hausarbeiten zur Mitte des Semesters). Ich muss zwei kürzere Hausarbeiten (5-7 Seiten), ein Französisch-Exam schreiben und eine kommentierte Bibliographie fertigstellen (15 wissenschaftliche Arbeiten raussuchen, lesen, zusammenfassen und erklären, inwiefern diese mir bei der Beantwortung meiner Forschungsfrage für meinen Comparative Politcs helfen). Bin damit auf jeden Fall überfordert, weil ich ja nebenbei auch noch für die laufenden Kurse lesen und mich vorbereiten muss. Unter der Woche heisst das für mich, dass ich nur lese und lerne.

Gestern (Freitag, 10. Oktober) folgte dann aber ein anderes Highlight: Oktoberfest!! Und zwar mein allererstes. Das deutsche Haus hatte alles vorbereitet vor der Freifläche der Mensa und es war ein feuchtfröhliches Fest mit Bier, Bretzeln, Kartoffelsalat, Würstchen, Polka und einem Bierzelt, in dem nur Leute über 21 reindruften – sehr untypisch für Reed, denn ansonsten macht man sich hier eher weniger Sorgen, wenn Minderjährige trinken. Mehr Fotos gibt’s: hier!

Hier außerdem noch ein kleines Video (mit Maeve, die ein Jahr in München war und nun House Advisor des Deutschen Hauses ist.

Dieser Abend war übrigens voll mit kulturellen Überraschungen: Art Spiegelmann, Pulitzer Preis-Gewinner für seinen Comic „Maus“, hat hier einen Gastvortrag gehalten! In „Maus“ verarbeitet Spiegelman Erlebnisse seiner Eltern, die Auschwitz überlebt haben, in Form eines Comics, welches z.B. Juden als Mäuse und Nazis als Katzen darstellt. Unheimlich spannend, habe ich mir schon vor ein paar Wochen gekauft, hatte aber leider noch keine Zeit, mehr als 3 Seiten zu lesen. Der Vortrag war irre interessant und immer mit Comicabbildungen begleitet. Spiegelman, der sich erst einmal eine Zigarette auf der Bühne ansteckte, sprach u.a. über die verschiedenen Arten, wie man ein Comic strukturieren kann oder welche verschiedenen Formen es gibt. Er war wunderbar sarkastisch und untermalte seinen Vortrag mit vielen Comicstrips. Das war auf jeden Fall der beste Vortrag, den ich bisher von einem Gastvortragenden gehört habe. Fotos waren zwar nicht erlaubt, aber hey, ich bin ein Tourist. Also heimlich am Ende schnell ein Foto geknipst… Hinter dem Pult, das ist er!!

So, das war viel und alles auf einmal, aber unter der Woche ist einfach kaum an was anderes als Bücher zu denken – aber das ist bald vorbei: denn ab dem 18. Oktober habe ich eine Woche Herbstferien. Und dann geht’s ab in den wärmeren Süden…!


Woche 5: Politische Theorie, Bankenkrise, Präsidentschaftsdebatte… und ganz viel Uni

September 27, 2008

Hier passiert gerade unheimlich viel, deshalb hoffe ich, dass mein nun folgender Crashkurs durch die vergangene Woche nicht allzu wild wird. Wer keine Zeit hat, sollte morgen wiederkommen. Es wird lang.

Die Uni hält mich beschäftigt, Kaffee hält mich wach und das Wetter macht gute Laune. Es ist so angenehm draussen, dass wir diese Woche meinen Gender & Political Theory Kurs nach draussen verlegt haben, direkt unter die Canyon Bridge, die ich nur überqueren muss, wenn ich zu meinem Wohnheim will. Wie ihr sehen könnt, sind wir ganze 8 Leute in diesem Kurs, was ein Grund ist, warum ich mich nicht vor dem Lesen drücken kann. Der nächste Grund ist: Die Zeit der Essays und Hausarbeiten hat angefangen. Habe diese Woche schon 2 Essays abgegeben, eins folgt noch dieses Wochenende. Mein erstes Französisch-Exam verlief erfolgeich und… bizarr. Unsere Französischlehrerin verließ nämlich den Raum, nachdem sie die Arbeit austeilte: Ich war etwas verwundert und eine Komilitonin erklärte mir dann, was los sei: Bei Leistungskontrollen gehen die Profs am Reed College normalerweise aus dem Raum. Die StudentInnen sind dann allein und schreiben ihre Arbeit hoffentlich besten Gewissens. Während in Deutschland wahrscheinlich jede/r das Buch mit den Lösungen rausgeholt hätte (und ich war kurz davor), pochen die Reedies auf die Honor Principles der Uni. Wirklich seltsam.

Ich habe außerdem Konversationsstunden mit dem französischen language scholar (Sprachlehrer), welche gut verlaufen. Obwohl ich noch immer traurig bin, dass ich hier kein Spanisch belegen konnte, ist es auch ziemlich dufte, mein Französisch mal an richtigen Franzosen zu testen. Links seht ihr ein Bild der 3. Etage der ‘Eliot Hall’, wo ich die meisten meiner Kurse habe. Dort sind die Fächer der Profs, in die wir unsere fertigen Essays ablegen sollen. Da die Erstsemester (und ich :-) ) diese Woche die ersten Essays abgeben mussten, haben ältere StudentInnen dafür gesorgt, dass dies ja feierlich mit Tröten, Luftballons und TamTam abläuft. Verdammt, war ich stolz.

Ansonsten steht hier nun langsam alles im Zeichen der Präsidentschaftswahl: Austan Goolsbee, Wirtschaftsprof an der University of Chicago und Barack Obama’s Wirtschaftsberater, hat hier am Reed College einen Vortrag gehalten. Ein sehr ironischer Typ, der uns erklären wollte, wie und warum die momentane Bankenkrise verursacht wurde. Sein exzellentes Tafelbild hat mich trotzdem nicht aus dem Tal der Ahnungslosen herausgeholt. Nach den Zeichnungen ‘Mann’ und ‘Haus’ habe ich nur noch streckenweise verstanden, um was es ging. Zu viele Variablen und zu viel Fachchineschisch. Aber hey, er ist wirklich charismatisch und erscheint frisch und unverbraucht.

Ob man den Inhalt versteht oder nicht, ist ja auch irgendwie zweitrangig. Was zählt, sind Emotionen und Charisma. Zumindest erscheint dies so im gegenwärtigen US-Wahlkampf z.B. bei der Präsidentschaftsdebatte am 26. September. Während ich absolut angewidert war von McCain’s tränenreichen Kriegs-Stories („Jim, when I came home from prison…“ – zu deutsch: „Jim (=Moderator), als ich aus Kriegsgefangenschaft entlassen wurde…“), fanden meine amerikanischen KomillitonnInnen, dass dies absolut nötig ist, um das amerikanischen Volk dazu zu bringen, McCain zu wählen. Und Obama habe sich an diese Tag nicht gut geschlagen, weil er einfach zu wenig auf die Tränendrüse gedrückt hat… Gesehen haben wir die Debatte übrigens im gleichen Raum, wo auch der Golsbee-Vortrag war. Insgesamt war es recht amüsant, weil wir zwar dazu angehalten wurden, leise zu sein, die gesamte Debatte über aber laute Rufe, Geklatsche und Buhrufe zu hören waren. Interessant: Als die beiden Kandidaten vorgestellt wurden, haben vielleicht 2 Leute geklatscht, als McCains Name erklang. Als Obama vorgestellt wurde, brach der ganze Raum in tosenden Beifall aus. McCain wurde häufig richtig ausgelacht oder als motherfucker beschimpft. Hach, herrlich. In South Carolina ist dies sicherlich anders abgelaufen…

Nach dieser akademisch und politisch wirklich anstrengenden Woche sind Eva, María und ich heute morgen dann mit dem Bus nach Hawthorne gefahren, ein dufter Kiez ganz in der Nähe vom Reed College, wo man schön draussen in Cafés sitzen kann, shoppen und spazieren geht, sprich: sehr europäisch einfach mal den Tag draussen verbringt. Sehr gut Frühstück gegessen (Lachs, Ei und Pancake, yammie) und dann die Second-Hand Läden ausgecheckt, denn Hawthorne hat ‘ne Menge davon. Ein paar coole Schnäppchen entdeckt und sogar schon mal getragene Schuhe anprobiert (Fussphobie!). Wollte mir fast eine blaue Kindermütze kaufen, María hat mich aber vor diesem Fehler bewahrt. Wenn ich mir das Foto so angucke, weiß ich gar nicht, warum…

Wie ihr seht, habe ich endlich eine Brille. Zum Schnäppchenpreis von $250 inklusive Arztrechnung. Und das war preiswert, denn ich hatte Glück: just an dem Tag, an dem ich mir eine Brille aussuchte, hatte der Optiker 50%off. Falls ihr euch fragt, warum ich plötzlich zur Rockefellerin beworden bin: das deutsche Department bezahlt mich sehr gut als teaching assistant. So, meine Lieben. Das war lang, aber hoffentlich informationsreich. Fühlt euch geküsst und gegrüsst!

Und die Gewinnerin eines persönlichen Links diese Woche ist Anna: Women in Combat „Enjoy!“ (wie meine Profs hier immer unter Examen oder E-Mails mit Hausaufgaben schreiben…)


Sonntag Morgen…

September 7, 2008

…gegen 11 Uhr. Nach einem exzellenten Frühstück (Erdbeer-Bananen-Käsekuchen-Pancake) schnappte ich mir meine Bücher, um mich mit María in der Bibliothek zu treffen. Wo in anderen Teilen der USA junge Leute schlafen, in der Kirche sitzen (und schlafen) oder einfach nur ‘chillen’, trifft man die halbe Studentenschaft Reed’s in der Bibliothek.

Fleißbienchen

Fleißbienchen María

Unfassbar, wieviele StudentInnen schon wach sind und eifrig ihre Hausaufgaben machen oder lesen. María und ich können diesen akademischen Ehrgeiz kaum fassen, obwohl wir ihm schon jetzt erliegen: Die meiste Zeit verbringe ich nicht etwa in meinem wirklich gemütlichen Zimmer, sondern entweder in der Bibliothek oder in der Cafeteria, auch commons genannt. Bewaffnet mit Kaffee (meine neue Droge, ich arbeite mich hoch!), jede Menge Marker, Papier und mit gutem Willen kämpfen wir uns seit Beginn der Uni durch den Wust an Hausaufgaben und Lektüren.

Gegen 17:00 Uhr (ja, solange waren wir in der Bib!), fiel dann die gesamte Elektrizität aus. Und zwar nicht nur in der Bibliothek, sondern auf dem ganzen Campus. Dies nutzten wir als die perfekte Entschuldigung, endlich mal mit dem Lernen aufzuhören. Da auch die Cafeteria stromabhängig war und dementsprechend auf Sparflamme lief, wurde Pizza und mexikanisches Essen bestellt.

So ist also mein zweites, ziemlich ereignisreiches Wochenende hier in Portland rum: Am Freitag wurde hier auf dem Campus eine „Represent your Status“ Party veranstaltet.

grün, gelb, rot - single, whatever, vergeben!

grün, gelb, rot - single, whatever, vergeben!

Man trug rot, wenn man vergeben ist, grün, wenn man zu haben ist und gelb, wenn man sich denkt: whatever!? (was-auch-immer!?). María und ich machten aus, alle Farben zu tragen, um zur Konfusion beizutragen.

Am Samstag entschieden wir uns dann, den Campus mal zu verlassen, damit wir nicht dem so genannten Campus Bubble erliegen (ab und zu muss man einfach mal andere Menschen, Geschäfte und Geräusche wahrnehmen). Das primäre Ziel des Shopping Trip in Downtown lautete eigentlich: Magda muss sich eine neue Brille kaufen (denn sie ist mir vor einigen Tagen im Bad kaputt gegangen, verdammte Kacheln). Anstatt der so lebenswichtigen Brille fand ich „leider“ nur Klamotten, dies lag aber auch daran, dass ich ohne Rezept kein neues Gestell bekomme. Muss also einen Augenarzt aufsuchen und erst mal checken, ob das meine deutsche Versicherung überhaupt übernimmt. Wenn nicht, muss ich wohl einen Kredit aufnehmen, denn amerikanische Ärzte sind absolute Halsabschneider und können dich ein Monatsgehalt kosten, wenn sie nur sagen: „Hallo, willkommen in meiner Praxis“. Der Shopping-Trip war aber absolut erheiternd: María und ich haben nämlich das erste Mal einen Louis Vitton und Gucci-Laden von innen gesehen. Jacqueline (kurz Jacquey), meine Nachbarin hier im dorm, hat uns nämlich begleitet.

Jacqueline und Maria beim Shopping

Jacqueline und María beim Shopping

Sie kommt aus Boston, Massachussats, und anscheinend aus einem wohlsituierten Elternhaus: Wir (besser: Jacquey) shoppte in all diesen Läden, in denen María und ich uns noch nicht mal ein Wasser leisten konnten. Jacquey war nur so in ihrem Element: Eine Tasche für $200 hier, eine Jacke für $300 da. Und wir konnten nur staunen, und hoffen, dass wir uns in unserem nächsten Leben auch mal eine Louis Vitton Tasche kaufen können (um sie dann gewinnbringend bei Ebay zu verticken!!).


… und die Party geht weiter!

August 30, 2008

Anfangs schien der Freitag (29.08.) relativ ruhig zu verlaufen: Ich hatte mein erstes Treffen mit meinem Dozenten, um meine Kurse zu besprechen. Er war etwas verwundert, dass ich 4 Kurse wählen möchte (besser: muss) und dass ich mir das doch besser noch einmal überlegen solle, denn das Reed College hat traditionell ein unglaubliches Lesepensum. Ich werde es aber versuchen und wenn ich sehe, dass es nicht klappt, dann ist es eben höhere Gewalt (oder Leseschwäche).

Abends war ich mit Remi (oder wie ich ihn nenne: Remmidemmi aus Frankreich), María (Spanien) und Peter (oder Piotr aus Russland) im Kino und haben den Woody Allen Film „Vicky Cristina Barcelona“ gesehen. Unbedingt gucken. Ich fand ihn gut, auch wenn er gefüttert war mit Vorurteilen über hippe Künstler und freie Liebe und so. Aber hey: Freie Liebe und so! Als wir vom Kino zurückkamen, hat jedes Wohnheim ein Barbeque veranstalt – lecker Hot Dog abgesahnt!

Gegen 22:00 versammelten sich auf einmal eine Menge junger, bunt bis spärlich (oh ja!) gekleideter Leute, die unheimlichen Lärm mit diversesten Hilfsmitteln à la Küchengeräte, Instrumente, Pfeifen, Trommeln, selbstgebastelte Lärmmacher etc. machten. Die so genannte „Noise Parade“ (‘Geräusche-Parade’) ging los!! Ich sah darin meine einmalige Chance, meine safety whistle auszuprobieren (eine Pfeife, die man benutzen kann, wenn man angegriffen wird. Seit dem ersten Tag hängt diese an meinem Schlüsselbund und soll angeblich 120 Dezibel laut sein – muss ja auch gefährliche AngreiferInnen abhalten). Die Parade war einfach unglaublich: Feuerspiele, unheimlich laute und tanzende Menschen in den skurillsten Kostümen, die Marching Band spielte auf, es gab eine Kundgebung mit einer halbnackten Anheizerin, die schrie: „Wir lassen uns nicht sagen wie wir zu leben, wen wir zu lieben oder wie wir uns zu benehmen haben!“. Es wurden auch amerikanische Flaggen geschwungen, recht nahe am Feuer, was von lauten Rufen Burn the flag!! („Verbrennt die Flagge!!“) begleitet wurde. Und mittendrin: ich am pfeifen (und ja: 120 Dezibel) und tanzen und singen und sich freuen und… Man hatte einfach keine Chance, nicht Part dieses einmaligen Spektakels zu sein. Aber seht selbst:

Fotos:

Noise Parade

Noise Parade

Punk mit Flagge

Punk mit Flagge

Noise Parade

safety whistle (120 Dezibel!)

safety whistle (120 Dezibel!)

Hippie-Nackedeis

Hippie-Nackedeis

Heute (30. 08.) sind wir zu Ikea gefahren, das letzte Mal einkaufen (versprochen, Mama). Habe mir noch mal eine Steh-Lampe, (gaaanz viele) Kerzen, Kleiderbügel und anderen Schnullifax gekauft. Und jetzt im Anschluss folgt gleich das nächste Highlight: Karaoke. Oh je. An Schlaf wird wohl dieses Jahr nicht zu denken sein. Reed sorgt wirklich dafür, dass die StudentInnen ein hartgesottenes Partyvolk sind.


Orientierungswoche am Reed College II

August 27, 2008

Tag 3 (24. August 2008)

Heute stand der zweite Trip nach Target an und ich habe mich diesmal auf Schul- und Dekozeug für meinen Raum konzentriert. Bin nun $280 ärmer, dafür um folgende Dinge reicher:

  • Bettzeug (Kissen, Decke, Bettwäsche, Tagesdecke)
  • Handtücher
  • Spiegel
  • Kleiderbügel
  • Magnetboard + Stifte
  • Klebeband + Posterstrips
  • Bilderrahmen
  • Tischlampe
  • Lautsprecherboxen
  • Telefon (für mein Zimmer, ein Handy muss ich mir noch besorgen)
  • Waschpulver (jedes Haus hat eigene Waschmaschinen und Trockner)
  • Badzeug (irgendwie habe ich in meinen vollgepackten Koffern weder Seife noch Haarwaschmittel gefunden)
  • Make Up (meine Haut ist so schlecht, ich muss gegen irgendwas allergisch sein: entweder das gute Essen, oder die gute Luft oder die netten Leute)

Mein Zimmer

Abends gab es ein Barbecue mit unseren Host-Families. Das Barbecue wurde von einer StudentInnengruppe namens C.A.V.E.: Carnivorous Alternatives to Vegetarian Eating organisiert („die fleischfressende Alternative zu vegetarischem Essen“). Viele StudentInnen am Reed College essen vegetarisch und vegan. In der Konsequenz fühlen sich so manche FleischfresserInnen eventuell ein wenig in der Minderheit und haben deshalb eine Gruppe gegründet, die sich immer mal trifft, um Fleisch zu grillen. Da es hier die Regel gibt, dass immer auch vegetarische Angebote vorhanden sein müssen, muss die Gruppe aber immer einen Extra Grill für vegetarisches Essen bereitstellen. Reed hat im Übrigen eine Menge lustiger StudentInnengruppen, die man immer ein wenig mit Augenzwinkern betrachten sollte. Es gibt zum Beispiel eine Gruppe namens Beer Nation („Bier-Nation“), die Biergärten am Reed College planen, eine Gruppe namens Cookies For All („Kekse für alle“), die sich zum Kekse backen treffen und mehrere Gruppen wie z.B. jene für AfroamerikanerInnen oder AsiatInnen (wobei aber jede/r partizipieren darf).

Tag 4 (25. August 2008)

An diesem Tage begannen die ‚wirklichen’ Orientierungsveranstaltungen. Um 9:30 gab es die erste Diskussion zum „Honor Principle“, so etwas wie eine Anleitung oder besser: Einverständnis zum adäquaten Benehmen. Reed gibt nach Selbstaussgae nämlich weder Anleitung noch Regeln. Die einstündige Veranstaltung kann ich mit folgenden Worten zusammenfassen: Beleidige niemanden, belästige niemanden, bescheiß nicht bei Tests und Hausarbeiten. Die nächsten Stunden widmeten wir uns dem Thema: „Wie überlebe ich als AusländerIn die Anforderungen am Reed College?“. Das Schlüsselwort hier hieß: Kommunikation. Falls wir nicht hinterherkommen oder etwas verstehen (was uns versprochen wurde), sollen wir immer Kontakt zu DozentInnen suchen. Falls wir das enorme Lesepensum nicht bewältigen können (was wir auch nicht werden), sollen wir Rat suchen – oder frühzeitig lernen, Prioritäten zu setzen.

Mittags gab es wieder ein halbformelles Mittagessen mit ein paar Angestellten der Uni-Büros (halbformell deshalb, weil zwar nett gedeckte Tische und ziemlich wichtige Leute da waren, die meisten hier aber nicht auf angemessene Kleidung wert legen), bei dem jede/r internationale Student/in aufgerufen wurde, und die jeweilige Flagge des Landes aufhängen musste. Argh. Dann aber folgte das Highlight des Tages: A Talk on American Culture („Ein Gespräch über amerikanische Kultur“).

A Talk on American Culture

A Talk on American Culture

Ich liebe ja solche Diskussionsrunden (zur Belustigung), weil sie doch immer in stereotypen Phrasen enden. Und… was soll ich sagen: Die Frau hatte einen guten Start, raste durch den Mittelteil und brachte mich am Ende wirklich auf die Palme. Zuerst sollten wir jeder eine typische Eigenschaft / einen treffenden Wert für unser Land nennen. Es ging die Reihe um, es fielen Wörter wie ‚Respekt’ oder ‚Höflichkeit’. Irgendwie kam die Gruppe bei mir zum Stoppen und ich fragte, ob ich Deutschland wirklich in ein Wort packen soll. Unmöglich. Irgendwann murmelte ich dann so was wie politische Vielfältigkeit – wenigstens im Vergleich zu den USA (was nicht ein Wort war – wie rebellisch). Also bitte, was hättet ihr denn gesagt? Hiermit eröffne ich eine Diskussionsrunde: Jede/r darf nun ein Wort nennen, dass Deutschland charakterisiert. EIN WORT!

Es wird besser: Dann stellte die Professorin Konzepte vor (aber natürlich immer nur zwei Kategorien, hop oder top: Individualismus – Kollektivismus, Universalismus – Partikularismus…), in die wir die einzelnen Länder weltweit einordnen sollten. Nächstes Problem. Keine Ahnung. Deutsche sollen sehr direkt sein, und Amerikaner auch. Das bezweifele ich aber. Amis finden doch die kuriosesten Beschreibungen, um nicht das Wort Sex zu sagen. Oder das Wort Toilette. Leider hatten wir keine Zeit zur Diskussion, weil die nächste Veranstaltung folgte, in der wir über Aktivitäten, Traditionen und Besonderheiten des Reed College sprachen. Den Beschreibungen folgend wird dies ein anstrengendes aber verdammt aufregendes Jahr. Abends gab es wieder ein Dinner, diesmal in einem privaten Haus einer Professorin. Wie immer: „Wie heisst du, wo kommst du her, was ist dein Hauptfach?“ Danach gingen wir bowlen (nicht sehr erfolgreich).

Bowling

Bowling

Tag 5 (26. August 2008)

Weiter geht’s: Um 9 wurden alle unsere Fragen zu den Kursen am Reed College beantwortet. Da die meisten erzählten, dass sie lediglich 3 Kurse wählen (die jeweils zwei bis drei Mal die Woche stattfinden), fragte ich, ob es denn verrückt sei, 4 zu wählen. Denn dass muss ich tun, um in Deutschland pünktlich meinen Bachelor zu beenden. Ich glaube, dass ich kleine Sorgenfalten entdeckte. Falls es stimmt, was andere StudentInnen erzählen („es kann sein, dass ihr von einem zum anderen Tag 200 Seiten aufbekommt!“), dann ist dies der sichere Nagel zu meinem sozialen Tod.

Daraufhin folgte eine Campus Tour, bei der wir alle Gebäude und ihren Zweck kennenlernten. Es ist wirklich unglaublich: Wenn ein Reedie ins Ausland gehen möchte – es gibt ein Büro dafür. Suchst du einen Job oder ein Parktikum? Hast du Computerprobleme? Brauchst du Schulzeug? Medikamente? Kaffee? Brauchst du einen Psychologen? Oder einen Tutor? Willst du Deutsch, Russisch, Französisch, Spanisch oder Chinesisch sprechen? Willst du einfach nur entspannen? Es gibt für alles Büros oder spezielle Häuser – wie z.B. das German House, wo einige StudentInnen auch leben und schlafen und angehalten sind, nur deutsch zu sprechen. Mann kann sein Leben hier ruhigen Gewissens und ohne jeglichen Mangel verleben.

Dann folgte wieder ein Lunch mit wichtigen Leuten, diesmal vom Gesundheitscenter. Nach dem Essen wurden die Jungen und Mädchen fein säuberlich getrennt und es ging los: DAS Gespräch über Gesundheit, Sexualität und übertragbaren Krankheiten. Der Frauenkurs wurde von zwei sehr sympathischen Hippie-Krankenschwester-Muttis geführt, die die unangenehmsten Themen sehr selbstverständlich und ganz ungezwungen ansprachen. Es wurde sogar das Wort Sex ein paar Mal benutzt: „Wir sind froh, wenn ihr Sex habt, wir sind froh, wenn ihr keinen Sex habt – Bitte benutzt Kondome – Bitte kommt zu uns – Nein heisst Nein! – Wenn der/die jeweilige Partner/in betrunken ist, heisst das: Nein.“

Am Nachmittag folgte der wohl interessante Trip – Downtown Portland. Und ich kann euch sagen, dass Portland einer der schönsten Städte ist, die ich in den USA bisher gesehen habe. Viele Parks, Menschen laufen (!) und sitzen in Cafés, ein schöner Mix aus alten und neuen Gebäuden und das beste:

Powell's Bookstore - Es sieht nicht groß aus von aussen, verteilt sich aber über den ganzen Block!

Powell's Bookstore. Es sieht nicht groß aus, verteilt sich aber über den ganzen Block

Powell’s Bookstore, der größte Buchladen der USA. Und es ist keine Kette! Der Buchladen ist in mehrere Räume mit verschiedenen Farben geteilt und mein Lieblingsraum ist schon jetzt der lilane: Soziologie, Gender Studies, African American Studies, Native American Studies, Gay and Lesbian Studies (ja, ich befinde mich noch immer in den USA!)… Ich befinde mich hier im akademischen Himmel.

Abends hatten wir noch mal ein letztes offizielles Dinner bei einem Mitarbeiter von Reed, der auf einem Berg wohnt und die krasseste Aussicht EVER hat. Die Orientierungswoche für internationale StudentInnen war damit erst einmal vorüber. Puh. Ich bin auch irgendwie froh, jetzt meinen eigenen Studenplan und Tagesablauf zu bestimmen.

Neue Fotos vom Campus hier. Neue Fotos von den Orientierungsveranstaltungen hier. Wer keine Lust hat, sich ein drittes Album mit Portland Fotos reinzuziehen, bekommt hier trotzdem ein paar Eindrücke von dieser unglaublich coolen Stadt:

Downtown Portland Eindrücke

Maria (Spanien) und ich


Orientierungswoche am Reed College

August 23, 2008

Tag 1 (22. August 2008 )
Am Freitagnachmittag hat meine Host-Mom Julie mich am College abgesetzt, wo ich eine Menge neues Informationsmaterial zum lesen und eine ID-Card mit meinem Foto drauf bekam, ein Foto fürs Jahrbuch gemacht wurde und mir – juchuhhh – der Schlüssel zu meinem Zimmer im ‚Bragdon Hall’ ausgehändigt wurde, ein Einzelzimmer im 2. Stock.

Bragdon Hall - Mein Wohnheim

Bragdon Hall - Mein Wohnheim

An der Tür hing ein Schild mit meinem Namen, welches von Marushka, ein so genannter ‚house adviser’ (so was wie ein/e Ansprechpartner/in für das jeweilige Haus) liebevoll gebastelt wurde. Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass ich im ‚Frauenblock’ gelandet bin, was aber nicht auffällt, denn hier laufen trotzdem Männer rum. Wahrscheinlich heißt es lediglich, dass die Duschen ausschliesslich von Frauen benutzt werden. In meinem Zimmer begrüßte mich eine Tüte voller Aufmerksamkeiten, u.a. Schokolade, Notizblock, Stifte, Seife, Shampoo (toll! Hab ich nämlich vergessen), Obst u.s.w. Außerdem habe ich eine internationale Telefonkarte und Bustickets geschenkt bekommen. Die haben wirklich an alles gedacht! Das Zimmer in den so genannten ‚dormitories’ (Studentenwohnheimen) ist ungefähr 12m² groß und ist mit dem Nötigsten ausgestattet. Es hat ein Bett, 3 Regale, einen großen und zwei kleinere Schränke.

Ich habe kurz vor dem Abendbrot Bekanntschaft mit einigen anderen AustauschstudentInnen gemacht. Es gibt übrigens relativ wenige, die so wie ich nur ein Jahr bleiben. Die meisten kommen in die USA für die Dauer des gesamten Bachelor (4 Jahre!!). Besonders viele kommen aus Afrika (ich habe zwei Afrikanerinnen aus Simbabwe getroffen und zwei aus Ghana) oder Asien (3 oder 4 aus Indien) und ganze 5 oder 6 Leute aus England. Mein erstes Abendbrot war wunderbar: Die Salatbar ist einfach nur unglaublich! Ich habe Nudelsalat, eingelegten Tofu und verschiedenste Sorten Gemüse gegessen. Es gibt zwar auch das übliche Fast Food wie Burger, Pasta&Co, aber dafür eben auch die erwähnte Salatbar und eine sehr große Auswahl an Früchten, Gemüse und verschiedenen Säften.

Mein erstes Fruehstueck

Mein erstes Fruehstueck

Nach dem Essen trafen sich alle AustauschstudentInnen zum Kennenlernen beim Eisessen, wo ich Bekanntschaft mit einer drolligen Britin namens Alex, einer Kambodschanerin namens Mischka und einem sehr lustigen Inder machte (frag mich nicht nach Namen… wir haben ausgemacht, dass ich ihn sugar nenne, weil sein Nachnahme so ähnlich wie das deutsche Wort Zucker ist). Irgendwann stand ein Student dann mit zwei Boxen Kondomen vor uns und meinte, dass er diese dann mal auf die Bäder verteilen geht. („Gewöhnt euch an so was, wir sind ein linkes College!!“).

Tag 2 (23. August 2008 )
Heute wurden alle AustauschstudentInnen von Reed mit Vans zu ‚Target’ gebracht, ein riesiger Laden (vergleichbar mit Walmart), wo man tausend nützliche Dinge zum Einrichten seines Zimmers bekommen kann. Letzte Nacht hatte ich noch nicht mal eine Decke oder Kopfkissen, geschweige denn Bettzeug. Ein Handtuch als Decke musste also für die erste Nacht reichen. Habe erst mal nur das Nötigste gekauft (Decke, Kopfkissen, Bettzeug, Kleiderbügel, Waschzeug und eine Tagesdecke), auch wenn dies auf dem Foto nicht so aussieht :-) .

Nur das Noetigste!

Nur das Noetigste!

Morgen wird es eine zweite Shopping Tour geben, da werde ich mehr so Deko- und Schulzeug kaufen. Aktuelle Fotos von meinem Wohnheim, der Shopping-Tour und Mensa gibt’s hier. Fotos von meinem Raum folgen, wenn ich ihn vollstaendig eingerichtet habe!!

Ich wuensch euch einen guten Tag und mir eine gute Nacht!