Zurück in Berlin

Mai 22, 2009

Ich bin nun seit zwei Tagen zurück in Berlin. Meine KumpelInnen, Mama und Brüderchen haben mich vom Flughafen abgeholt und mein exorbitantes Gepäck in den Bus gehievt. Danach Kaffee und Rumschlendern in Berlin Friedrichshain. Bin heute zur Uni gefahren, um mein Bachelor-Thema abzugeben und was soll ich sagen: zurück in Deutschland – keine/r war da, keine/r fühlte sich zuständig. Ich versuche mich in Berlin einzugewöhnen, was schwer ist, wenn dir der Kopf dröhnt (Wetterfühligkeit?) und in der S-Bahn viele so blatant unfrendlich sind. Und in Portland bedankt man sich beim Busfahrer/in, wenn man aus dem Bus aussteigt.

Nächste Woche folgen dann Masterbewerbungen und die Suche nach einem Job, damit ich die nächsten Monate ordentlich was zu tun habe. Außerdem springe ich noch in einen Kurs rein, damit ich meinen Studienabschluss auch verdiene.

Mit schweren Herzen muss ich sagen: Damit ist mein Auslandsabenteuer offiziell beendet. Es hat mir Spass gemacht, nicht nur alles selbst zu erleben sondern auch darüber zu berichten. Ich weiss momentan noch nicht, was mit diesem Blog passiert. Vielleicht kommt ihr in ein paar Wochen mal wieder vorbei und mir ist etwas eingefallen. Vielleicht nicht. Ansonsten bedanke ich mich für eure stetige Aufmerksamkeit und Freude am Lesen. Jetzt sucht euch eine neue Freundin, die im Ausland bloggt – oder fangt selbst einen Blog an. Bloggen ist besser als fernsehen (mit Ausnahme von DSDS, versteht sich von selbst), also ran an die Tofu-Buletten!

Ansonsten kommt morgen in die Linse und feiert mit uns – gegen 9 geht’s los. Meine Band spielt auf und ich trinke nun auch Bier; bin also nun gesellschaftsfähig.

Kisses&Candy

Magda


3 Monate sind nun rum…

November 25, 2008

und ich bin ein wenig traurig, dass die Zeit hier so rennt!

Die letzten zwei Wochen waren vergleichsweise ruhig. Seitdem ich mich ans stundenlange Lesen in der Bibliothek gewöhnt habe und nun Masterin des skimming (schnell lesen aber trotzdem verstehen) geworden bin, läuft alles etwas entspannter. Meine Abschluss-Arbeiten für dieses Semester stehen nun bald an, welche ich mit gemischten Gefühlen betrachte: Einerseits bin ich froh, dass ich bald einfach nur frei habe und mir nicht permanent Abgabetermine um den Kopf kreisen, andererseits bin ich traurig, dass ich so manchen Kurs (und Prof) nicht mehr haben werde. Nach Thanksgiving (diesen Donnerstag) und einem verlängerten Wochenende (welches ich in Seattle verbringen werde), geht’s ran an die Buletten: 3 lange Hausarbeiten (mindestens 15 Seiten), ein Essay und ein Französisch-Exam. Abgabetermine vom 13. – 18. Dezember.

Für meine Soziologie-Klasse führe ich gerade ein krass interessantes Projekt durch, mit dem ich herausfinden möchte, wie die internationalen StudentInnen am Reed ‘Feminismus’ definieren und wie sich die Geschlechterverhältnisse von Land zu Land ihrer Meinung nach unterscheiden. Dafür habe ich an die fast 90 internationalen Studis Umfragen losgeschickt und habe ein ausführliches Interview („in-depth interview“) mit einer Studentin durchgeführt. Die Ergebnisse bisher sind fantastisch und lehrreich und das Projekt verwandelt sich langsam in ein richtiges Forschungsprojekt; es ist fast traurig, dass ich die Ergebnisse in ‘nur’ 15 Seiten quetschen muss.

Meine Hausarbeit für meinen ‘Vergleichende Politikwissenschaften’ Kurs macht mir Angst, denn mein (deutscher) Prof hat meine letzte Hausarbeit in den Boden getrampelt und nun bin ich ein wenig nervös. Abwählen kann ich nicht, wenn ich nächstes Jahr meinen Abschluss machen will, aber so knapp durchkommen ist auch nicht gerade heldenhaft. Naja. Augen zu, Hirn mobilisieren und durch.

An die dritte Hausarbeit kann ich noch gar nicht denken, weil ich zu sehr mit der Auswertung des Projekts und mit der Angst vor der zweiten Hausarbeit beschäftigt bin und irgendwie auch gerade die Zeit geniesse, wo die Abgabetermine noch in relativ weiter Ferne sind…

Wie ihr seht, die Wochen sind gut mit Uni-Kram gefüllt, aber letzten Sonntag habe ich auch mal den Campus verlassen (!!) und war mit einigen Leuten aus dem Deutschen Haus bei einem deutschen Weihnachtsmarkt, wo ich mich mit gutem Misch- und Vollkornbrot eingedeckt habe. Das esse ich nun schon seit 3 Tagen und freue mich immer noch wie eine Schneekönigin. Brot und Butter. Hmmm.

Hier wieder ein paar Links (english)

Ein Priester in Greenville, South Carolina (ja, ja… nicht anders erwartet) verweigert Obama-WählerInnen die Kommunion, weil Obama ja bekanntlich für Abtreibung ist.

Für einige vielleicht nicht neu, aber ich hab conservapedia entdeckt, die konservative Version von Wikipedia also. Bitte probiert mal so Klassiker wie „communism“. Haha.

Und hier ein interessantes Taxi-Projekt von und für Frauen in Teheran, Iran (via BBC).


Potpourri

November 13, 2008

Heute mal ein kunterbunter Eintrag im Aufzählungsstil mit einigen Uptdates dieser Woche und all jenen Dingen, die ich immer mal erwähnen wollte, aber irgendwie vergessen/verdrängt/aufgeschoben habe.

1. Großes Thema hier: Deutsch-Sein. Deutschland. Deutsche. Als Deutsche bin ich nicht nur für die gesamte Politik, Kultur und Geschichte Deutschlands verantwortlich (puh), sondern auch gleich für die gesamte EU. Wann immer ein Vergleich außerhalb der USA aufkommt, wird Magda gefragt. Man könnte fast meinen, ich sei die persönliche Assistentin meines deutschen Politikprofs. Leute begrüßen mich schon schmunzelnd mit den Sätzen: „Na Magda, erzähl uns doch was über Deutschland!!“ Aber irgendwie ist es auch komisch: Man lernt immer erst im Ausland so viel über das eigene Land.

Letzte Woche habe ich z.B. eine tolle Dokumentation im Deutsch-Amerikanischen Haus gesehen, welche von einer amerikanischen Studentin in Deutschland gedreht wurde, die die Stimmung einiger Ostdeutsche heute – knapp 20 Jahre nach der Wende – einfing, inklusive Ostalgie, Trabanten-Treffen und Kapitalismuskritik beim G8 Gipfel letztes Jahr. Wenn man 8000km von Deutschland entfernt ist, kommt einem das wie ein aufregendes, unbekanntes Land vor.

2. Ein letzte, kurze Deutschtümelei: Ich habe letzte Woche herausgefunden, dass es in der Bibliothek hier internationale Zeitungen/Zeitschriften gibt. Eva und ich haben uns erst mal die letzten Ausgaben der „Zeit“ und den „Spiegel“ reingezogen. Oh man. Ich habe mich wie ein kleines Kind gefreut, europäsiche Nachrichten zu lesen!

3. Waschmaschinenbenutzung (wie gesagt, dieser Eintrag hat keine kohärente Logik): Ich habe erst vor zwei Wochen herausgefunden, wie ich die Waschmaschine richtig benutze. Obwohl amerikanische Waschmaschinen es einem wirklich leicht machen („weiss“, „bunt“, „waschen“, „trocknen“), habe ich bis vor kurzem wohl nicht gewusst, wo ich das Waschpulver einfülle, denn ich habe es immer in die „Bleich“-Schublade gemacht – obwohl fett draufsteht: HIER KEIN WASCHMITTEL REIN. Na gut. Das erklärt auch immer wiederkehrende weisse Flecken auf meinen Klamotten.

4. Regen. Regen. Regen. Und dann plötzlich: Sonne. Aber dann wieder: Regen.

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lala5. Reedies lieben Hunde. Wer am College angestellt ist, darf seinen/ihren Hund mitbringen. Man sieht hier insbesondere viele Leute aus der Nachbarschaft mit ihren Hunden Gassi laufen. Viele StudentInnen bringen auch ihre Hunde mit in die Vorlesung und es ist durchaus gesellschaftlich nicht verpönt zu sagen, dass man ganz schnell nach Hause muss, weil der Hund krank ist.

5. In Silverton, Oregon wurde die erste transgender Bürgermeisterin gewählt. Ich habe dazu vor einigen Tagen auf genderblog gebloggt.

6. Geht es euch auch manchmal so, dass irgendwann innerhalb einer Diskussion der Killer aller Argumente in Form eines Hitler bzw. Nazi-Vergleichs auftaucht? Ja? Kein Wunder, denn es ist Godwins Gesetz! Endlich habe ich mal eine offizielle Bezeichnung für dieses Phänomen gefunden.

7. Auf USA Erklärt wird erläutert, wie die Wahl in Oregon ablief: „Warum niemand wirklich niemand in Oregon zur Wahl geht“

8. Hier ein verspätetes aber herzliches Dankeschön für all die Postkarten und Pakete voller Schokolade (Mama!).

9. Zu guter Letzt: Bitte diese Woche die Bravo kaufen – zum ersten Mal veröffentlicht eine Jugendzeitschrift ein Poster eines Politikers!


Mal so nebenbei…

Oktober 13, 2008

… ich habe heute meine erste Rechnung bekommen, weil ich meine Ausdrucke selbst zahlen muss, was zu verkraften ist, wenn man sonst umsonst isst, schlaeft und auch noch Geld fuer das Korrigieren von Deutschhausaufgaben bekommt. Dachte ich. Bis ich sah, dass ich $94 zahlen muss. Die Seite kostet 5cent. Ihr koennt euch ja mal in einer ruhigen Minute mit dem Getraenk eurer Wahl (wie mein deutscher Politikprof sagen wuerde) ausrechnen, wieviel Lektuere die hier aufgeben – neben den Buechern. Und das nur fuer 6 Wochen Uni. Dann sollte ich mal fleissig weiter Deutschhausaufgaben korrigieren ;-) . Na gut, ich beschwere mich mal nicht, oder wie mein Politikprof letztens meinte: „Wir Deutschen haben immer was zu meckern!! In Berlin heisst es nicht etwa: Das war gut!, sondern: Naja, nicht schlecht…“

Der Countdown laeuft: In 4 Tagen habe ich Herbstferien, die ich zumindest partiell in New Orleans verbringen werde. Noch 2 Hausarbeiten. Toi Toi Toi.

Ach ja: Joerg Haider ist tot. Interessanterweise ist der englische Wikipedia Eintrag laenger als der deutsche.


Von deutschen Festen, Portland und Art Spiegelman

Oktober 11, 2008

Eva und das wunderbare Essen

Die letzte Woche stand auf jeden Fall im Zeichen der Deutschtümelei, welche durch den 3. Oktober (erinnere: Tag der deutschen Einheit) eingeleitet wurde. Eva, die deutsche language scholar (Sprachlehrerin) und ich durften abends stellvertretend für das deutsche Department an die University of Portland fahren und den „Day of German Unity“ feiern, organisiert u.a. von dem deutschen Generalkonsultat in San Francisco und dem Staate Niedersachsen. Und ja, es wurden beide Nationalhymnen gesungen. Live, mit Piano und Sopranette. Die Reden waren unheimlich deutsch – Achtung: es folgen Stereotype – steif, verdammt unlustig und holprig. Aber ein Blick auf das reichhaltige Buffett ließ auf Besserung hoffen, und wirklich: gebackener Camembert gewälzt in Nüssen, Schinken, Rotkohl, Brot und Unmengen an Dips, Salate, Apfelstrudel und Käsekuchen… yammyamm. Dafür höre ich mir auch gerne mal die deutsche Nationalhymne an.

Obwohl wir hauptsächlich mit Essen beschäftigt waren, haben wir uns kurz mit einem Exil-Deutschen unterhalten, der aus dem Osten geflohen ist, nach Amerika gegangen ist, ohne Abitur hier studieren durfte und nun schon fast 50 Jahre hier lebt. Seine ganze Familie ist in Deutschland geblieben. Wenn ich so etwas höre, kriege ich immer Gänsehaut…

Am Samstag, den 4. Oktober, haben wir der Uni erst einmal komplett den Rücken gekehrt: Wir sind wir schön gemütlich frühstücken gegangen (Portland hat echt viele tolle Kaffeehäuser) und danach ein wenig in der Gegend rumspaziert, um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen. An diesem Tage habe ich übrigens 1.) mein zukünftiges Auto entdeckt ($38.000), 2.) mein zukünftiges Hochzeitskleid erspäht ($20) und 3.) mein zukünftiges Häuschen besichtigt (??$, Portland hat so viele, putzige bunte Häuser!!)

Remí und María

Abends sind wir in einem herrlichen Restaurant mir vielen französischen Gerichten gewesen, besonders zur Freude der beiden französischen language schloars Remí und Timmothé, die sich über tollen Wein und Camembert freuten. Wenn wir abends weggehen, müssen wir übrigens immer darauf achten, dass wir unsere Pässe oder einen anderen amtlich anerkannten Ausweis mit uns haben, weil wir sonst noch nicht mal ein Restaurant geschweige denn eine Bar betreten dürfen. Selbst wenn man keinen Alkohol trinken möchte, muss man in Bars immer und in Restaurants ab 22Uhr einen Ausweis vorlegen, der beweist, dass man über 21 Jahre ist und demnach Alkohol trinken darf. Einmal hatte ich nur meinen internationalen Studienausweis dabei, der nach Oregon-Gesetzt nicht rechtsgültig ist,und wir mussten die Bar verlassen.

... eine der vielen Brücken von Portland
… eine der vielen Brücken von Portland

Nachts sind wir dann noch ein in wenig Downtown Portland spaziert, eine der letzten angenehmen Nächte übrigens, die letzte Woche wurde nämlich extrem kalt. Es erscheint fast so, als gäbe es hier keinen Herbst: nachdem wir vorletzte Woche noch Sonnenschein und moderat warmes Wetter geniessen konnten, wurde es schlagartig kalt, so dass es nachts kaum mehr als 5°C sind.

Nach diesem schönen Tag hiess es wieder: Zurück an die Bücher, denn es stehen die mid-terms an (Prüfungen und Hausarbeiten zur Mitte des Semesters). Ich muss zwei kürzere Hausarbeiten (5-7 Seiten), ein Französisch-Exam schreiben und eine kommentierte Bibliographie fertigstellen (15 wissenschaftliche Arbeiten raussuchen, lesen, zusammenfassen und erklären, inwiefern diese mir bei der Beantwortung meiner Forschungsfrage für meinen Comparative Politcs helfen). Bin damit auf jeden Fall überfordert, weil ich ja nebenbei auch noch für die laufenden Kurse lesen und mich vorbereiten muss. Unter der Woche heisst das für mich, dass ich nur lese und lerne.

Gestern (Freitag, 10. Oktober) folgte dann aber ein anderes Highlight: Oktoberfest!! Und zwar mein allererstes. Das deutsche Haus hatte alles vorbereitet vor der Freifläche der Mensa und es war ein feuchtfröhliches Fest mit Bier, Bretzeln, Kartoffelsalat, Würstchen, Polka und einem Bierzelt, in dem nur Leute über 21 reindruften – sehr untypisch für Reed, denn ansonsten macht man sich hier eher weniger Sorgen, wenn Minderjährige trinken. Mehr Fotos gibt’s: hier!

Hier außerdem noch ein kleines Video (mit Maeve, die ein Jahr in München war und nun House Advisor des Deutschen Hauses ist.

Dieser Abend war übrigens voll mit kulturellen Überraschungen: Art Spiegelmann, Pulitzer Preis-Gewinner für seinen Comic „Maus“, hat hier einen Gastvortrag gehalten! In „Maus“ verarbeitet Spiegelman Erlebnisse seiner Eltern, die Auschwitz überlebt haben, in Form eines Comics, welches z.B. Juden als Mäuse und Nazis als Katzen darstellt. Unheimlich spannend, habe ich mir schon vor ein paar Wochen gekauft, hatte aber leider noch keine Zeit, mehr als 3 Seiten zu lesen. Der Vortrag war irre interessant und immer mit Comicabbildungen begleitet. Spiegelman, der sich erst einmal eine Zigarette auf der Bühne ansteckte, sprach u.a. über die verschiedenen Arten, wie man ein Comic strukturieren kann oder welche verschiedenen Formen es gibt. Er war wunderbar sarkastisch und untermalte seinen Vortrag mit vielen Comicstrips. Das war auf jeden Fall der beste Vortrag, den ich bisher von einem Gastvortragenden gehört habe. Fotos waren zwar nicht erlaubt, aber hey, ich bin ein Tourist. Also heimlich am Ende schnell ein Foto geknipst… Hinter dem Pult, das ist er!!

So, das war viel und alles auf einmal, aber unter der Woche ist einfach kaum an was anderes als Bücher zu denken – aber das ist bald vorbei: denn ab dem 18. Oktober habe ich eine Woche Herbstferien. Und dann geht’s ab in den wärmeren Süden…!