Sandra Day O’Connor

Letzte Woche habe ich eine Mail von meinem (deutschen) Comparative Politics-Prof hier bekommen, mit dem Hinweis, dass Sandra Day O’Connor in Portland eine Rede halten wird. Und wenn ich schnell genug wäre, würde ich auch noch ein Ticket bekommen – und zwar umsonst (kostete nämlich $50-$80). Und ich war schnell genug (oder meine wirklich brennend überzeugende E-Mail, warum gerade ich das letzte Ticket bekommen sollte, hat geholfen).

O’Connor war die erste Frau, die in den Supreme Court (= Oberster Gerichtshof) berufen wurde. Dies geschah überraschenderweise 1981 und noch viel überraschender: Ronald Reagan war dafür verantwortlich – ein Präsident der republikanischen Partei, der sich nicht gerade mit Ruhm beckleckerte, wenn es um Frauen und politische Ämter ging (oder um die Ratifizierung der ERA, aber das ist nur etwas für Interessierte). Jedenfalls klang die Beschreibung der Veranstaltung verlockend:

In an election year where the „gender card“ is being played in the most cynical and offensive fashion, spend an evening with a woman who legitimately earned her place in history: Sandra Day O’Connor, the first woman appointed to the Supreme Court.

(zu deutsch: „Im Wahljahr, wo die ‚Gender-Karte‘ in einer zynisch beleidigenden Art und Weise ausgespielt wird, koennen Sie einen Abend mit einer Frau verbringen, die ihren Platz in der Geschichte auf legitime Weise verdiente: Sandra Day O’Connor, die erste Frau, die in den Obersten Gerichtshof berufen wurde.“)

Arlene Schnitzer Concert Hall

Arlene Schnitzer Concert Hall

Ich bin also mit einem Kommilitonen aus meinem Comparative Politics Kurs nach Downtown Portland in die Arlene-Schnitzer Konzerthalle gefahren, in der Hoffnung, dass O’Connor ein wenig über die aktuelle Wahlkampfsituation erzählen würde oder dass wir zumindest ein gutes Essen abstauben würden. Na gut. Irgendwie hat beides nicht geklappt. O’Connor hat eigentlich nur zusammengefasst, was amerikanische und einige europäische Gerichtshöfe nach 9/11 für neue Gesetze verfasst haben. Irgendwie nix neues, dass in Deutschland jetzt beispielsweise Bankdaten* gespeichert werden dürfen oder wir im Internet ausspioniert werden (dürfen).

Ein wirklich interessanter Satz auch: „Der Supreme Court wird noch entscheiden, welche Foltermethoden auch wirklich Foltermethoden sind“. Damit spielte sie auf das so genannte Waterboarding an, was ja irgendwie Folter (= Menschenrechtsverletzung) ist, nur nicht nach amerikanischen Gesetz. Man kann von Glück reden, dass sie die Entscheidungen nicht mehr zu fällen hat, denn das selbst ernannte „arbeitslose Cowgirl“ (ich zitiere!) ist 2006 aus dem Amt ausgeschieden und war irgendwie berüchtigt für ihre (sozial**-)konservativen Entscheidungen. In der Fragerunde hat sie dann auch wirklich keine einzige Frage beantwort. Besonders bei heiklen Fragen, z.B. warum sie 2004 dieses Wahl-Dilemma in Florida für beendet entschieden und somit George W. Bush zum Präsidenten gemacht hat, wollte sie pertout nicht kommentieren.

Naja. Ich habe Sandra Day O’Connor gesehen, zumindest in Umrissen. Die College StudentInnen, die Karten umsonst bekommen haben, mussten nämlich auf den billigen Plätzen hinten sitzen. Aber zumindest hat mich diese Veranstaltung mal aus der Bibliothek gerissen.

*Apropos Bank: Ich musste mir ein amerikanisches Konto besorgen, damit das Deutsche Department mir Geld überweisen kann – ich habe also ein Konto bei der Washington Mutual Bank eröffnet. Großer Fehler. Ihr habt sicherlich gehört, dass diese pleite ist. Fuck die Finanzkrise. Wehe die verschleudern meine Kohle!!

** Ich habe hier gelernt, dass man zwischen ’sozial‘ und ‚ökonomisch‘ differenziert, wenn man sich politisch einordnet. Man kann also sozial liberal (im amerikanischen Sinne, also: tendenziell links) sein und ökonomisch republikanisch. Das ist natürlich ein Dilemma und ist ein Grund, warum es noch einige Unentschiedene gibt.

Eine Antwort zu Sandra Day O’Connor

  1. goddamnstalker sagt:

    haha. du hast sandra day o’connor gesehen, phil ralph nader und ich den montanschen governeur schweitzer… was n zufall🙂

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