Von deutschen Festen, Portland und Art Spiegelman

Eva und das wunderbare Essen

Die letzte Woche stand auf jeden Fall im Zeichen der Deutschtümelei, welche durch den 3. Oktober (erinnere: Tag der deutschen Einheit) eingeleitet wurde. Eva, die deutsche language scholar (Sprachlehrerin) und ich durften abends stellvertretend für das deutsche Department an die University of Portland fahren und den „Day of German Unity“ feiern, organisiert u.a. von dem deutschen Generalkonsultat in San Francisco und dem Staate Niedersachsen. Und ja, es wurden beide Nationalhymnen gesungen. Live, mit Piano und Sopranette. Die Reden waren unheimlich deutsch – Achtung: es folgen Stereotype – steif, verdammt unlustig und holprig. Aber ein Blick auf das reichhaltige Buffett ließ auf Besserung hoffen, und wirklich: gebackener Camembert gewälzt in Nüssen, Schinken, Rotkohl, Brot und Unmengen an Dips, Salate, Apfelstrudel und Käsekuchen… yammyamm. Dafür höre ich mir auch gerne mal die deutsche Nationalhymne an.

Obwohl wir hauptsächlich mit Essen beschäftigt waren, haben wir uns kurz mit einem Exil-Deutschen unterhalten, der aus dem Osten geflohen ist, nach Amerika gegangen ist, ohne Abitur hier studieren durfte und nun schon fast 50 Jahre hier lebt. Seine ganze Familie ist in Deutschland geblieben. Wenn ich so etwas höre, kriege ich immer Gänsehaut…

Am Samstag, den 4. Oktober, haben wir der Uni erst einmal komplett den Rücken gekehrt: Wir sind wir schön gemütlich frühstücken gegangen (Portland hat echt viele tolle Kaffeehäuser) und danach ein wenig in der Gegend rumspaziert, um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen. An diesem Tage habe ich übrigens 1.) mein zukünftiges Auto entdeckt ($38.000), 2.) mein zukünftiges Hochzeitskleid erspäht ($20) und 3.) mein zukünftiges Häuschen besichtigt (??$, Portland hat so viele, putzige bunte Häuser!!)

Remí und María

Abends sind wir in einem herrlichen Restaurant mir vielen französischen Gerichten gewesen, besonders zur Freude der beiden französischen language schloars Remí und Timmothé, die sich über tollen Wein und Camembert freuten. Wenn wir abends weggehen, müssen wir übrigens immer darauf achten, dass wir unsere Pässe oder einen anderen amtlich anerkannten Ausweis mit uns haben, weil wir sonst noch nicht mal ein Restaurant geschweige denn eine Bar betreten dürfen. Selbst wenn man keinen Alkohol trinken möchte, muss man in Bars immer und in Restaurants ab 22Uhr einen Ausweis vorlegen, der beweist, dass man über 21 Jahre ist und demnach Alkohol trinken darf. Einmal hatte ich nur meinen internationalen Studienausweis dabei, der nach Oregon-Gesetzt nicht rechtsgültig ist,und wir mussten die Bar verlassen.

... eine der vielen Brücken von Portland
… eine der vielen Brücken von Portland

Nachts sind wir dann noch ein in wenig Downtown Portland spaziert, eine der letzten angenehmen Nächte übrigens, die letzte Woche wurde nämlich extrem kalt. Es erscheint fast so, als gäbe es hier keinen Herbst: nachdem wir vorletzte Woche noch Sonnenschein und moderat warmes Wetter geniessen konnten, wurde es schlagartig kalt, so dass es nachts kaum mehr als 5°C sind.

Nach diesem schönen Tag hiess es wieder: Zurück an die Bücher, denn es stehen die mid-terms an (Prüfungen und Hausarbeiten zur Mitte des Semesters). Ich muss zwei kürzere Hausarbeiten (5-7 Seiten), ein Französisch-Exam schreiben und eine kommentierte Bibliographie fertigstellen (15 wissenschaftliche Arbeiten raussuchen, lesen, zusammenfassen und erklären, inwiefern diese mir bei der Beantwortung meiner Forschungsfrage für meinen Comparative Politcs helfen). Bin damit auf jeden Fall überfordert, weil ich ja nebenbei auch noch für die laufenden Kurse lesen und mich vorbereiten muss. Unter der Woche heisst das für mich, dass ich nur lese und lerne.

Gestern (Freitag, 10. Oktober) folgte dann aber ein anderes Highlight: Oktoberfest!! Und zwar mein allererstes. Das deutsche Haus hatte alles vorbereitet vor der Freifläche der Mensa und es war ein feuchtfröhliches Fest mit Bier, Bretzeln, Kartoffelsalat, Würstchen, Polka und einem Bierzelt, in dem nur Leute über 21 reindruften – sehr untypisch für Reed, denn ansonsten macht man sich hier eher weniger Sorgen, wenn Minderjährige trinken. Mehr Fotos gibt’s: hier!

Hier außerdem noch ein kleines Video (mit Maeve, die ein Jahr in München war und nun House Advisor des Deutschen Hauses ist.

Dieser Abend war übrigens voll mit kulturellen Überraschungen: Art Spiegelmann, Pulitzer Preis-Gewinner für seinen Comic „Maus“, hat hier einen Gastvortrag gehalten! In „Maus“ verarbeitet Spiegelman Erlebnisse seiner Eltern, die Auschwitz überlebt haben, in Form eines Comics, welches z.B. Juden als Mäuse und Nazis als Katzen darstellt. Unheimlich spannend, habe ich mir schon vor ein paar Wochen gekauft, hatte aber leider noch keine Zeit, mehr als 3 Seiten zu lesen. Der Vortrag war irre interessant und immer mit Comicabbildungen begleitet. Spiegelman, der sich erst einmal eine Zigarette auf der Bühne ansteckte, sprach u.a. über die verschiedenen Arten, wie man ein Comic strukturieren kann oder welche verschiedenen Formen es gibt. Er war wunderbar sarkastisch und untermalte seinen Vortrag mit vielen Comicstrips. Das war auf jeden Fall der beste Vortrag, den ich bisher von einem Gastvortragenden gehört habe. Fotos waren zwar nicht erlaubt, aber hey, ich bin ein Tourist. Also heimlich am Ende schnell ein Foto geknipst… Hinter dem Pult, das ist er!!

So, das war viel und alles auf einmal, aber unter der Woche ist einfach kaum an was anderes als Bücher zu denken – aber das ist bald vorbei: denn ab dem 18. Oktober habe ich eine Woche Herbstferien. Und dann geht’s ab in den wärmeren Süden…!

2 Antworten zu Von deutschen Festen, Portland und Art Spiegelman

  1. goddamnstalker sagt:

    aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahh! art spiegelmann! was bin ich neidisch! damnit mag! ich will auch😦
    wie schön, dass es nicht nur mir so geht mit dem nichtvorhandenen herbst. bozeman ist weiss wie sonstewas…

  2. Topsi sagt:

    Ich find den Comic ja etwas seltsam weil auf seine Art auch rassistisch. Die Polen sind Schweine, das gefällt mir fast wieder …

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