Redneck Christmas (manche Dinge ändern sich nie)

Auf USA Erklärt könnt ihr lesen, was die Amis so anders machen, wenn sie Weihnachten feiern. Ich hingegen hatte die ungewöhnlichsten, aber (im unkonventionellen Sinne) charmantesten Weihnachten EVER. Eine bizarre Mischung aus Anti-Kommerz, Über-Kitsch Kommerz und Südstaaten Flair.

24. Dezember: In der etwas crazy WG in Columbia, in der ich die ersten Tage verbracht habe, wurde ich mit lauter Metal Musik und für meinen Geschmack zu brutalen Videospielen geweckt. Weihnachtsstimmung: Null. Begrüßt wurde ich mit „Merry Fucking X-Mas“. Meine High School Freunde haben sich (glücklicherweise) nicht viel verändert. Nachdem wir 2h sinnlos youtube videos geguckt habe (ja, ich weiss, wie man Zeit verschwendet), sind wir gegen 17:30 Richtung Florence gefahren, damit ich meine Host Family besuchen kann: Debi (Host Mom) und Amanda (Gastschwester). Wir mussten immer mal wieder anhalten, weil der Reifen irgendwie Luft verlor. Weihnachtsabend auf Raststätten, irgendwie witzig. Weil es ungefähr 17°C war, hatte ich auch null Weihnachtsfeeling, also kein Problem.

In Florence angekommen hat Debi meinem Kumpel die letzten Anweisungen gegeben, um zu ihrem Haus zu gelangen, und als ich sie winken sah, haben wir beide angefangen zu schreien, ich bin aus dem Auto gesprungen und wir haben uns wie kleine Kinder gefreut. Es ist wirklich komisch: egal wie lange ich auch weg bin, wir quatschen sofort los, als wär ich nie weg gewesen. Amanda, nun ein Senior in High School, Varsity Cheerleader (= die besten), Präsidentin der Abschlussklasse UND Teilnehmerin der Miss Wahl an meiner ehemaligen West Florence High School (eine amerikanische Erfolgsstory, let me tell you…) war süß wie immer und wir hatten erst einmal einen lang überfälligen Mädchen-Talk (argh).

25. Dezember: offizieller Weihnachts-und-Geschenke-Austausch-Tag. Debi hat mich gegen 10:30am mit einem netten Weihnachtssong und dem reizenden Satz: „Alright, Maggie… get your ass up!!! Hahahahahah.“ aufgeweckt (wir lieben uns). Wir haben Geschenke ausgetauscht und Debi hat sich riesig über Mama’s Pakete aus Deutschland gefreut und besonders über die pinken Hausschuhe, die ich ihr gekauft habe, weil sie immer so friert. Jetzt haltet euch fest, was Debi mir geschenkt hat: Einen digitalen Schlüsselanhänger, auf dem man 60 Fotos speichern kann und eine Flasche feinsten TEQUILA. Yep. Das ist meine coole Gastmutter!

Wir haben uns dann aufgehübscht und mein Magen zeigte mir, dass es nicht so gut ist, 2 Tage nichts zu essen. Wir sind also gegen Mittag zu Debi’s Familie gefahren, eine richtig typische Redneck-Südstaaten Familie, die ordentlich Südstaaten Essen aufgetischt hat: Maccaroni&Cheese, fettige Bohnen, Stampfkartoffeln, Süßkartoffeln, verschiedene Fleischsorten, Gravy (Bratensosse), Pekanus-Kuchen… Alles war harmonisch wie immer: die Frauen arbeiteten in der Küche und die Männer versuchten draussen, Pecannüsse vom Baum zu schlagen. Bevor wir aßen, sollte einer der erwachsenen Söhne ein Gebet für alle sprechen, in dem er allen mitteilte, dass er Gott danke, dass er und seine Frau noch ein Kind haben werden… wir entzückend.

Das Haus war überkitscht mit (ungelogen) mindestens 100 tanzenden und singenden Weihnachtsfiguren, einen über-geschmückten Weihnachtsbaum, Weihnachts-Fussabtretern, Weihnachts-Seife im Bad, Weihnachtstellern… alles glänzend in gold, grün und rot.

Nach dem Essen gab’s Bescherung. Das kleinste Kind der Familie fing an (Achtung! Kinder-Sozialisation): Sie bekam eine Barbiepuppe, 6 Lipglosse, Haarreifen, eine pinke Mädchentafel, ein rosa Hemdchen, eine Baby-Born Puppe. u.s.w. Ich meine: LIPGLOSS! Sie ist 3 Jahre alt! Überraschenderweise bekam ich auch 2 Geschenke, ein South Carolina Armband und ein Pulli, den ich mit Debi’s Erlaubnis umtauschen darf (obwohl ich zugeben muss, dass dieser Pulli besser war als der, den ich vor 6 Jahren bekommen habe: rot mit Rentieren und grünen Mistelzweigen).

Sorry, aber das war alles irgendwie surreal. In South Carolina scheint auf jeden Fall die Zeit still zu stehen… Debi hat  das widergespiegelt, was ich gefühlt habe: Sie hat oft nur die Augen verdreht, denn das Verhältnis zwischen ihren hyper-religiösen Schwestern und meiner drolligen, rauchenden und trinkenden Gastmutter  (aka Heidin der Familie) war sichtlich gespannt. Als wir dann versuchten (scherzeshalber) einen Kuchen zu klauen, um ihn zu Hause zu essen, gefror dann auch das falsche Lächeln in den Gesichtern der Damen. Haha. Wir sind dann schnell gegangen, haben ein wenig im Haus gechillt und sind dann ins Kino um „Marley&Me“ zu gucken. Ziemlich langweilig (es ging um einen Hund), aber ein netter Weihnachtsausklang.

Ich würde gerne Fotos zeigen, um euch ein wenig an der Stimmung teilhaben zu lassen, aber ich kann momentan keine Fotos hochladen. Keine Ahnung, warum. Vielleicht streikt meine Kamera bei soviel 1950’s.

3 Antworten zu Redneck Christmas (manche Dinge ändern sich nie)

  1. Tobias sagt:

    Bin schwer enttäuscht, unter dem verheißungsvollen Titel „Redneck Christmas (manche Dinge ändern sich nie)“ hätte ich mindestens eine Geschichte von Männern in Gespensterkostümen erwartet, die in einem Humvee um ein brennendes Kreuz brettern und am Abschleppseil einen Schwarzen über den Asphalt schleifen. Oder was mit Bordsteinen.

  2. magdamuh sagt:

    Um deine perverse faszination mit rassistischen schandtaten zufrieden zu stellen (creepy Mister), verspreche ich tausend gute stories wenn ich wieder da bin. die „besten“ stories hatte ich allerdings damals in High School erlebt… Bis dahin, guck weniger American History X.

  3. Mr. T sagt:

    Aber nur wenn du mir ein Riot-Grrrl-Souvenir mitbringst.

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