Wo die Uhren noch etwas langsamer ticken

Nachdem ich von völliger Überforderung in absolute Unterforderung gerutscht bin und ich meine Tage mit TV, Video-Spielen, exzessiven DVD-Sessions, essen und schlafen verbringe, sehne ich mich langsam wieder nach etwas mehr Herausforderung. Ich fühle mich nun völlig relaxt (bis zu dem Punkt, dass nichts-tun mich unheimlich müde macht) und bin ganz froh, dass es in ein paar Tagen wieder zurück nach Portland geht.

Trotz des hohen Grads an Entspannung und dem frühlingshaften Wetter habe ich es doch wirklich geschafft, hier zweimal richtig krank zu werden. Gleich nachdem ich nach Florence gekommen bin, hat mich Debi mit einer fetten Erkältung angesteckt. Nachdem ich diese überwunden hatte und nach Columbia zurückfahren wollte, hatte ich mir wahrscheinlich den Magenvirus eingefangen, der in den USA gerade umgeht. Habe einige Tage die Kloschüssel umarmt und noch nicht mal Suppe im Magen behalten können. Nachdem mir Debi hardcore-Medizin gegeben hatte, schlief ich fast 2 Tage durch. Danach war alles vorbei, als wär nichts gewesen.

Letzten Sonntag bin ich also wieder nach Columbia, wo ich die letzten Tage verbracht habe und von wo ich auch abfliegen werde. Ich bin zwar froh, dass ich Debi und meine KumpeliInnen hier besucht habe, habe aber auch wieder mal gemerkt, wie wenig mich hier hält. Ich bin weder ein Fan von weiten Distanzen, die dich ans Auto fesseln, noch von Sonne im Dezember, noch von der Relaxheit – die auf mich ehr schlaff und lustlos wirkt – noch von der immer noch offensichtlichen Feindlichkeit gegenüber Schwarzen und Homosexuellen. Hannah’s Mom versuchte mir z.B. zu erklären, dass die homosexuelle Neigung des Nachbarns selbstverständlich in Verbindung mit seinem inhaftierten Vater stehe. Oder dass ein behindertes Kind die logische Konsequenz für ein sündenreiches Leben sei. Hannah erzählte mir ausserdem, dass ihr Vater nach der Verkündung von Obama’s Sieg sein Konföderierten T-Shirt überzog, seine Jagdgewehre rausholte und schrie: „Die nimmt mir der N*** nicht weg! Und ich will jetzt nicht mehr hören, dass die Schwarzen hier noch diskriminiert seien. Jetzt haben die ihren Präsidenten.“

Zwar ist diese ganze sentimental-naive ländliche Südstaaten-Nostalgie (besonders repräsentiert durch die Konföderierten Flagge) meiner Meinung nicht mehr so krass wie vor 6 Jahren nachdem der Irakkrieg ausbrach, man wundert sich dennoch, wie viele Autos, T-Shirts oder Buttons noch von der Konföderierten-Flagge verziert werden – fast 150 Jahre, nachdem die Südstaaten (=Konföderiertenbund) den Bürgerkrieg verloren und in der Konsequenz die Sklaverei aufgeben mussten.

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„Wegen dieser Flagge mussten meine Leute sterben“
„Meine auch“

Dienstag (20. Januar) geht’s zurück nach Portland. Bis dahin könnt ihr ja mal die folgenden Links auschecken:

PS: Toi toi toi meinen Mädels heute beim Konzert. Nicht vergessen: Rocken!

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